Hamburg – Was bislang offiziell nur als Einbruch in eine Hamburger Sparkassen-Filiale galt, war in Wahrheit ein spektakulärer Millionen-Coup: Wie die Hamburger Staatsanwaltschaft bestätigte, erbeuteten die Täter am 23. November 2023 im Tresorraum unglaubliche 1,95 Millionen Euro Bargeld. Die Öffentlichkeit wurde über das wahre Ausmaß der Tat nie informiert.
Jetzt der Durchbruch für die Ermittler: Offenbar gelangten die Verbrecher durch Insider an vertrauliche Informationen zu den Tresorräumen in der Sparkasse. So konnten sie offenbar ihren Coup im Vorfeld bis ins Detail planen. Aber anscheinend machten sie dabei auch Fehler. Denn nach jahrelanger Flucht sitzen vier Verdächtige in Untersuchungshaft, wie die Staatsanwaltschaft auf Anfrage bestätigte.
So wurden die Täter geschnappt
Zwei Männer wurden Mitte Mai in Berlin festgenommen – darunter Ilker C. (37), der sich nach Informationen per Flugzeug ins Ausland absetzen wollte. Als sein Name durch den Check-in am Flughafen im Fahndungssystem der Bundespolizei auftauchte, ging alles sehr schnell.
Ein weiterer Verdächtiger wurde ebenfalls verhaftet. Ein vierter mutmaßlicher Beteiligter saß bereits wegen anderer Straftaten in Haft, zwei weitere sind noch auf der Flucht.
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Coup kurz vor Feierabend
Der Einbruch spielte sich im Hamburger Stadtteil Hamm ab. Am Nachmittag des 23. November 2023 verschafften sich insgesamt sechs maskierte Männer unbemerkt Zugang zur Haspa-Filiale an der Hammer Landstraße. Nach Informationen drangen die Täter in Bereiche des Gebäudes ein, die für Kunden tabu sind – darunter offenbar auch der Tresorbereich der Bank.
Als eine 61 Jahre alte Bankangestellte und eine gleichaltrige Kundin auf die Männer trafen, ergriffen die Täter mit ihrer Beute sofort die Flucht. Die Bande verschwand in einem dunklen SUV (vermutlich einem BMW), der in der Tiefgarage des Wohn- und Geschäftshauses abgestellt war. Die Bankmitarbeiterin löste gegen 17.24 Uhr Alarm aus. Wenige Minuten später traf die Polizei an der Filiale ein. Eine sofort eingeleitete Großfahndung blieb ohne Erfolg.

Nach den jetzigen Erkenntnissen handelte es sich bei den Tätern um absolute Profis. Die Polizei sicherte damals umfangreiche Spuren im und am Gebäude. Diese führten die Ermittler nun offenbar auf die Spur der Verdächtigen, die allesamt polizeibekannt sind.

Rammos sollen Sparkassen-Bruch geplant haben
Die sechs Verdächtigen müssen sich schon bald vor Gericht verantworten. Besonders brisant: Aus Fahnder-Kreisen, die „Erfinder“ des Coups sollen aus dem Rammo-Clan stammen. Die Großfamilie ist auch als Remmo-Clan bekannt; beide Schreibweisen beziehen sich auf dieselbe arabischstämmige Familie.
Milieu-Ermittler beobachteten kurz nach der Tat etwas Bemerkenswertes: Wenige Tage nach dem Coup in Hamburg im November 2023 musste die Polizei in Berlin zu einer Auseinandersetzung ausrücken. Dabei ging es um einen Streit zwischen Mitgliedern des Rammo-Clans und – wie sich später herausstellte – der Bande, die den Diebstahl eigenmächtig durchgezogen hatte, obwohl der Einbruch der Plan der Rammos gewesen sein soll.

Weitere Bankeinbrüche haben Rammo-Handschrift
Im Oktober 2020 versuchten Unbekannte, mit einem Kernbohrer den Tresor der Hamburger Sparkasse (Haspa) an der Holstenstraße im Stadtteil Altona zu knacken. Sie wurden gestört, flüchteten, ließen professionelles Einbruchswerkzeug zurück. In einem weiteren Fall ging es im Hamburger Stadtteil Rothenburgsort ebenfalls um einen Bankeinbruch. Dabei wurde an einem zurückgelassenen Werkzeug die DNA eines Familienmitglieds der Rammos erfasst. In beiden Fällen reichten allerdings die Beweise nicht aus, trotz einer Riesen-Razzia in Berlin.
Die spektakulärste Tat: Anfang August 2021 erbeuteten Bankräuber aus einem Haspa-Tresorraum in Norderstedt bei Hamburg elf Millionen Euro aus mehr als 600 Schließfächern – ebenfalls mithilfe eines Kernbohrers. Bis heute unter Tatverdacht: der einschlägig vorbestrafte Adounise Rammo aus Berlin.
Millionen-Coup aus Ruhrgebiet vor Gericht
Mit einem Riesenbohrer drangen im letzten Dezember Unbekannte in die Filiale Gelsenkirchen-Buer der Sparkasse Gelsenkirchen ein. Sie knackten im Tresorraum 3250 Fächer und entkamen mit einer Beute in zwei- oder sogar dreistelliger Millionenhöhe.
Viele der Kunden wollen Geld, Gold und Schmuck in ihren Fächern gelagert haben, ein Opfer gab zum Beispiel einen Schaden von 400.000 Euro an. Doch die Entschädigung ist gemäß Schließfachvertrag auf 10.300 Euro begrenzt, sofern keine explizite Zusatzversicherung abgeschlossen wurde.

Dagegen wehren sich am 11. Juni jetzt die ersten Betroffenen in einem Zivilverfahren vor dem Essener Landgericht. Die Kläger werfen der Sparkasse unter anderem mangelnde Sicherheitsmaßnahmen vor. Bis zu einem Urteil könnten allerdings Jahre vergehen.


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