Traunstein – Die fatale Folge einer obsessiven Überwachung: Ein Mann, der seine Ehefrau mit einem GPS-bestückten Kugelschreiber ausspionierte, ihre Gespräche abhörte und ihr mit den Worten „Ich werde dich in 1000 Stücke schneiden, ich werde dich umbringen“ drohte, ist nun verurteilt. Das Landgericht Traunstein sprach den ägyptischen Staatsangehörigen Abdelrehim M. (44) am Donnerstag des Totschlags schuldig und verhängte eine Haftstrafe von zwölf Jahren.
Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, die dreifache Mutter Eman E. (†35) am 11. November 2024 in Bad Aibling getötet zu haben. Er soll ihr den Schädel eingeschlagen und die Leiche anschließend, in eine Leopardendecke gewickelt, nackt im Wald verscharrt haben.
„Sein Ziel war die vollständige Kontrolle über seine Frau“, erläuterte der Vorsitzende Richter Volker Ziegler in seiner Urteilsbegründung. Doch Eman E. entzog sich dem krankhaft eifersüchtigen Ehemann: Sie suchte Zuflucht in einem Frauenhaus und reiste zeitweise sogar in ihr Heimatland Ägypten. Nach ihrer Rückkehr kam es nach Überzeugung des Gerichts zu einer Auseinandersetzung, in deren Verlauf Abdelrehim M. die Fassung verlor und seine Frau tötete.

Für einen Mord sah das Gericht jedoch keine hinreichenden Belege. Dies lag auch darin begründet, dass sich der Angeklagte im gesamten Verfahren in Schweigen gehüllt hatte.
Spurenbeseitigung und falsche Vermisstenanzeige
Noch am Tattag soll Abdelrehim M. gemeinsam mit seinem Bruder die Wohnung mit Ätznatron gereinigt haben. Im Anschluss beantragte er beim Jugendamt das alleinige Sorgerecht für die drei gemeinsamen Söhne und erstattete bei der Polizei eine Vermisstenanzeige für seine Frau.
Dort stellte er die Behauptung auf, sie habe vermutlich einen anderen Mann. Zudem beschuldigte er sie, mit Hilfe einer „ägyptischen Frauenmafia“ deutsche Behörden zu hintergehen.

Erst nach sieben Monaten wurde die skelettierte Leiche entdeckt. Ein Spaziergänger war auf ein weggeworfenes Kinderfahrrad gestoßen und dadurch auf den Fundort aufmerksam geworden. Eine Leopardendecke und eine DNA-Spur an einem Gartensack brachten die Ermittler schließlich auf die Spur von Abdelrehim M. Zwei Tage nach dem Leichenfund wurde er in Untersuchungshaft genommen.
„Ich habe große Angst, dass er mich umbringt“
Für das Gericht waren zudem die persönlichen Notizen der Getöteten von besonderem Gewicht. Darin hielt Eman E. unter anderem fest: „Mein Mann bedrohte mich mit einem Küchenmesser mit dem Tod. Er sperrte mich aus der Wohnung aus, als ich schwanger war, gab mir kein Geld, erlaubte mir nicht, dass ich einen zweiten Deutschkurs mache. Ich habe große Angst, dass er mich umbringt.“
Ein dokumentierter Polizeieinsatz wegen häuslicher Gewalt floss ebenfalls in die richterliche Bewertung ein. Das Gericht konnte daher nicht ausschließen, dass die Tat auch von einem „geschlechtsspezifischen Motiv“ beeinflusst war.

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