Berlin – Millionen Haushalte in Deutschland müssen sich im kommenden Winter womöglich auf deutlich höhere Kosten einstellen. Die Großhandelspreise für Gas sind angezogen, während die heimischen Speicher Mitte August lediglich zu etwa 50 Prozent gefüllt sind – im Vorjahr lag der Füllstand zu diesem Zeitpunkt noch bei rund 67 Prozent. Nun schlägt auch der Präsident der Bundesnetzagentur Alarm und warnt vor steigenden Rechnungen.

„Die Lage ist geprägt von großer Unsicherheit infolge der Schließung der Straße von Hormus. Für Gasverbraucher und Mieter bedeutet das: Sie sollten sich auf höhere Abrechnungen einstellen“, erklärte Klaus Müller, oberster Energieaufseher der Bundesrepublik.

Klaus Müller (55) steht seit 2022 an der Spitze der Bundesnetzagentur und ist damit Deutschlands oberster Kontrolleur der Strom- und Gasmärkte
Quelle: dpa

Wie massiv die finanzielle Belastung ausfallen könnte, verdeutlicht eine exklusive Erhebung des Vergleichsportals Verivox. „Falls das gegenwärtige Niveau der Großhandelspreise über einen längeren Zeitraum anhält, müssen früher oder später auch Bestandskunden mit Aufschlägen von 10 bis 20 Prozent rechnen“, prognostiziert Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox.


Bereits jetzt erhebliche Preisdifferenzen

Neukundenverträge mit günstigen Konditionen lagen laut Verivox zu Beginn des Iran-Krieges bei etwa 8 Cent je Kilowattstunde, mittlerweile sind es rund 10 Cent. Bei einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden summiert sich das auf ungefähr 400 Euro Mehrkosten pro Jahr. In der Grundversorgung müssen Verbraucher bundesweit im Schnitt sogar über 13 Cent berappen.

Zudem spielt der internationale Wettstreit um Flüssiggas eine entscheidende Rolle, wie Verivox berichtet. „Die Speicher sind auch deshalb so schwach gefüllt, weil die Gaspreise in Asien seit Ausbruch des Iran-Krieges über denen in Europa liegen. Dadurch steuern immer mehr LNG-Tanker dorthin, um höhere Erlöse zu erzielen“, erläutert Storck.

So lassen sich Heizkosten senken

Wer in der Grundversorgung verbleibt oder einen Preis von deutlich über 10 Cent je Kilowattstunde zahlt, sollte einen Tarifvergleich für Gas in Betracht ziehen. Um sich gegen mögliche Preissprünge abzusichern, bietet sich ein Vertrag mit zwölfmonatiger Preisgarantie an, mit dem sich das aktuelle Niveau weitgehend einfrieren lässt. Laut Verivox ist dies mitunter auch dann möglich, wenn der bestehende Vertrag noch einige Monate läuft: Diverse Anbieter erlauben einen Abschluss bis zu zwölf Monate vor dem gewünschten Liefertermin.

Auch der eigene Verbrauch bietet Sparpotenzial: Bereits eine Verringerung der Raumtemperatur um 1 Grad reduziert den Heizenergiebedarf um circa 6 Prozent. Zudem sollten Heizkörper, die gluckern, entlüftet werden. Programmierbare Thermostate sorgen dafür, dass nur dann geheizt wird, wenn Wärme tatsächlich benötigt wird.