Marbella (Spanien)/Miami (USA) – Die Netflix-Produktion "Inside the Manosphere" bietet einen schonungslosen Einblick in eine digitale Subkultur, die weltweit junge Männer prägt und zunehmend radikalisiert. Der britische Journalist Louis Theroux (55) konfrontiert die Alpha-Figuren dieser Szene und legt deren Widersprüche offen. Die Manosphäre betrachtet Frauen als unterlegen und propagiert deren Unterwerfung.

Sie treten als Influencer, Podcaster oder selbsternannte Coaches auf. Gemeinsam ist diesen Akteuren, dass sie jungen Männern ein bestimmtes, frauenfeindliches Männlichkeitsbild vermitteln. Hinter der vermeintlichen Ideologie verbirgt sich in erster Linie ein profitables Geschäftskonzept. Das oberste Ziel ist es, mit entsprechendem Content möglichst viel Geld zu generieren – unabhängig davon, ob man die beworbenen Produkte selbst für gut befindet. Netflix ermöglicht nun einen Blick hinter die Fassade dieses Millionengeschäfts.

Der britische Journalist Louis Theroux (55) im Gespräch mit Influencer Harrison Sullivan (24). Als er zum ersten Mal auf ihn trifft, stellt der Content-Creator eine anwesende Influencerin als seine „Spülmaschine“ vor
Der britische Journalist Louis Theroux (55) im Gespräch mit Influencer Harrison Sullivan (24). Als er zum ersten Mal auf ihn trifft, stellt der Content-Creator eine anwesende Influencerin als seine „Spülmaschine“ vor

Der Aufruf zum Ausstieg aus der „Matrix“

In Marbella trifft Investigativreporter Theroux auf den Influencer Harrison Sullivan (24). Unter seinem Pseudonym „HSTikkyTokky“ zählt der Brite zu den prominenten Gesichtern der Szene. Von der spanischen Küste aus will der Streamer Männern beibringen, „was einen echten Mann ausmacht und nicht so einen weichgespülten Lappen“.

Dazu gehöre es, sich aus der „Matrix“ zu befreien und sich nicht der „Sklaverei“ eines normalen Berufslebens zu unterwerfen. Um finanzielle Freiheit zu erreichen, wirbt der Influencer für eine zwielichtige Investmentfirma, an der er selbst provisioniert wird. Der wirtschaftliche Erfolg? Begrenzt. Um das Versprechen zu prüfen, überweist Theroux zu Drehbeginn etwa 570 Euro an die beworbene Firma – nach wenigen Monaten ist das Geld jedoch fast vollständig verloren.

Die Doppelmoral bei Erotik-Inhalten

Für Feminismus hat Sullivan nichts übrig: „Ich sage, Frauen sollen putzen. Aber nicht vor meiner Mutter. Sonst würde ich eine kassieren.“ Kurz darauf hält er Theroux ein Handyvideo unter die Nase, das ihn bei einem Oralverkehr auf einer Club-Toilette zeigt. Auf seinem Telegram-Kanal wirbt Sullivan zudem für OnlyFans-Creator – obwohl er dies „eklig“ findet und seine hypothetische Tochter dafür verstoßen würde. „Ich finde OnlyFans nicht gut, aber es bringt Geld“, lautet sein knapper, aber ehrlicher Kommentar in der Dokumentation.

Auch Influencer Justin Waller (40, eine Million Follower) will in erster Linie seinen Wohlstand mehren. Für jeden Fan, der sich bei „The Real World“ anmeldet, erhält Waller eine Provision. Die Internet-Plattform verspricht ihren Mitgliedern Wege zu Reichtum und finanzieller Unabhängigkeit. Betrieben wird die Seite von Skandal-Influencer Andrew Tate (39), dem wohl bekanntesten Gesicht der Manosphäre.

Bei den Stars der Manosphäre geht es um Fitness, Frauen und Finanzen. Mit diesen Themen – und dubiosen Anlage-Tipps – verdient auch Justin Waller (40, l.) sein Geld
Bei den Stars der Manosphäre geht es um Fitness, Frauen und Finanzen. Mit diesen Themen – und dubiosen Anlage-Tipps – verdient auch Justin Waller (40, l.) sein Geld

Während seine Partnerin zu Hause die drei gemeinsamen Kinder versorgt, hat Waller in seiner Junggesellenwohnung in Miami Sex mit anderen Frauen. Dieses Lebensmodell nennt er „einseitige Monogamie“. „Frauen wollen gar nicht fremdgehen, wenn sie ihren Mann lieben“, behauptet Waller in der Doku. Er verteidigt konservative Werte, möchte seine eigene Partnerin aber nicht heiraten. Der Grund: Das finanzielle Risiko im Falle einer Scheidung ist ihm zu hoch.

Louis Theroux: „Inside the Manosphere“ ist ab sofort auf Netflix verfügbar.