Pristina/Berlin – Eklat im Parlament des Kosovo: Eine Oppositionspolitikerin hat Premierminister Albin Kurti während einer Debatte am Samstag mit Eiern beworfen.
Videoaufnahmen dokumentieren den bemerkenswerten Vorfall: Time Kadrijaj von der „Allianz für die Zukunft des Kosovo“ (AAK) nähert sich dem Regierungschef und schleudert unter lautstarken Rufen mehrere Eier in seine Richtung. Sofort greifen Abgeordnete und Sicherheitskräfte ein, um Kurti zu schützen, wie kosovarische Medien berichten.
Im Parlament der Hauptstadt Pristina kam es zu chaotischen Szenen, die selbst unbeteiligte Beobachter schmunzeln ließen: Die spektakulären Aufnahmen der eierwerfenden Abgeordneten verbreiteten sich in Windeseile – und katapultierten das Balkanland in die internationalen Schlagzeilen.

Streit um die Regierungsbildung
Der Eierwurf markierte den vorläufigen Höhepunkt einer ohnehin angespannten politischen Auseinandersetzung in dem kleinen Land. Im Zentrum der Debatte stand erneut die Bildung einer neuen Regierung. Nach der Wahl im Juni forderte Kurti am Samstag weitere Bedenkzeit.
Hintergrund: Im Kosovo, das 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärte, herrscht seit Monaten eine politische Krise. Eine Einigung der Parteien auf ein neues Staatsoberhaupt bleibt weiterhin aus. Besonders heikel: Der Präsident wird im Kosovo nicht direkt vom Volk gewählt, sondern vom Parlament bestimmt.
Da sich die Abgeordneten bereits im Frühjahr nicht rechtzeitig verständigen konnten, wurde im Juni zum dritten Mal innerhalb von nur 16 Monaten ein neues Parlament gewählt. Der kleine Balkanstaat steckt damit weiterhin tief in der politischen Sackgasse – und sorgt nun mit der Eier-Attacke im Parlament auch jenseits der Region für Aufsehen.

„Sehr aggressive Rhetorik“
Die Verfassung des Kosovo stellt Kurti vor große Hürden. Für die anstehende Wahl des Staatsoberhaupts ist eine Zweidrittelmehrheit im Parlament erforderlich. Bereits beim letzten Wahlgang scheiterte das Verfahren an der fehlenden Anwesenheit der Abgeordneten – mehrere Parlamentarier boykottierten die Sitzung.
Balkan-Experte Bodo Weber führt die politische Blockade in der „Frankfurter Rundschau“ auf mehrere Ursachen zurück. „Wir haben eine Regierung, die relativ autoritär regiert und versucht, den Staat unter Kontrolle zu bringen“, erklärt er. Zudem habe Kurtis „sehr aggressive Rhetorik“ die Beziehungen zwischen den Parteien weiter belastet. Hinzu kämen die tiefgreifenden parteiinternen Krisen, von denen ein Großteil der Oppositionsparteien betroffen sei.

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