Hünfelden – Die Anwohner hatten bereits geahnt, dass sich „bald eine Tragödie ereignen würde“. Am Donnerstagabend bewahrheitete sich ihre Befürchtung: Polizeifahrzeuge rasten durch den idyllischen Ort Hünfelden-Kirberg. Sie steuerten das Haus an, aus dem grauer Rauch quoll. An der Haustür fanden die Beamten die leblose Bewohnerin Angelika R. (76). Sie war erdrosselt, mit Benzin übergossen und in Brand gesteckt worden. Unter dringendem Tatverdacht: Ihr eigener Sohn Christian (45).

Einen Tag nach dem brutalen Angriff, bei dem auch die 103-jährige Großmutter schwere Verletzungen erlitt, hängt die Wäsche noch immer auf dem Balkon zum Trocknen. Von außen wirkt das Haus, als sei nichts geschehen. Doch die Bewohner des Weiherwegs finden keine Ruhe. Ein Nachbar berichtet, dass er sofort loslief, als er den Rauch an dem kleinen Gebäude bemerkte: „Ich griff zum Gartenschlauch und begann zu löschen. Hinter der Eingangstür sah ich meine Nachbarin Angelika. Mir war sofort klar, dass hier jede Hilfe zu spät kam. Dieses Bild werde ich nie vergessen.“

Hier, in dem kleinen Zweifamilienhaus, kam es zu dem tödlichen Angriff

„Es war für uns alle absehbar, dass das eines Tages eskaliert.“

Angelika R. bewohnte das kleine Haus im Landkreis Limburg-Weilburg (Hessen) seit rund 30 Jahren. Gemeinsam mit ihrem damaligen Mann soll sie Christian (heute 45) adoptiert haben. Im Erdgeschoss lebte zudem ihre Mutter Sigrid (103).


Nach der Trennung des Paares verließ der Mann das Haus, Christian blieb. Die Situation verschärfte sich zusehends. Angelika soll sich stets große Sorgen um ihren Sohn gemacht haben. „Es war für uns alle absehbar, dass das eines Tages eskaliert“, erklärt eine Nachbarin.

Die Wäsche hängt noch zum Trocknen auf dem Balkon

„Er hat Angelika gewürgt“

„Er sollte wohl zurück in die Klinik. Vielleicht hat ihn das aus der Bahn geworfen“, vermutet ein weiterer Nachbar, der die Familie seit drei Jahrzehnten kennt.

Ein anderer Nachbar berichtet, dass Großmutter Sigrid trotz ihrer schweren Verletzungen allein am Gehstock aus dem brennenden Haus trat. Sie soll den Beamten gesagt haben: „Christian war es. Er hat Angelika gewürgt und dann mit Benzin übergossen.“ Die Polizei Westhessen bestätigt: „Ein 45-jähriger Mann steht im Verdacht, im gemeinsamen Wohnhaus in Anwesenheit seiner 103-jährigen Großmutter seine 76-jährige Mutter im Zuge eines Streits attackiert und schließlich in Brand gesetzt zu haben.“ Angelika hinterlässt einen weiteren Sohn. Er lebte jedoch nicht mit der Familie zusammen und soll in Frankfurt eine Arbeit gefunden haben.

Auch am Tag nach der Katastrophe ist die Kripo vor Ort, Brandermittler untersuchen den Tatort

Christian R. floh vom Tatort, konnte jedoch um 20 Uhr festgenommen werden. Die Erschütterung unter den Nachbarn ist weiterhin groß. Eine Nachbarin ringt mit den Tränen, als sie sagt: „Angelika hat immer gescherzt, dass in der Familie alle so alt werden – das würde sie sicher auch schaffen.“ Dieses Glück hat ihr der Sohn geraubt.