Berlin – Auf den ersten Blick scheint diese Nachricht viele Menschen nicht zu betreffen. Im kleinen brandenburgischen Kurort Buckow (knapp 1500 Einwohner) schlägt das örtliche Gesundheitsamt jedoch Alarm: Im Leitungswasser wurden gesundheitsgefährdende Keime nachgewiesen. Die coliformen Bakterien hätten sich bereits im gesamten Leitungsnetz ausgebreitet. Aus diesem Grund müssen die Anwohner das Wasser abkochen. Älteren Menschen, Schwangeren und Kleinkindern wird empfohlen, „bis auf Weiteres nicht zu duschen“.
Dies ist leider kein Einzelfall. Denn durch immer häufigere Hitzewellen und anhaltende Wärmephasen jenseits der 30 Grad Celsius vermehren sich Bakterien in Wasserleitungen in ganz Deutschland explosionsartig. Seit dem kalendarischen Sommeranfang am 21. Juni warnen Wasserversorger nahezu täglich vor der unsichtbaren Gefahr im Trinkwasser.

Gefährliche Bakterien nachgewiesen
Ein Auszug aus den aktuellen Meldungen: In Garching an der Alz (Bayern) wurden die Bewohner aufgefordert, ihr Wasser aufgrund von Coli-Bakterien abzukochen. Im Kreis Euskirchen (NRW) warnte man gleich in 30 Ortschaften vor Enterokokken im Leitungswasser. Diese Bakterien können Harnwegsinfektionen, Wundinfektionen oder Blutvergiftungen auslösen. In Markt Obernzell und Waidhaus (Bayern) sollte das Leitungswasser nur noch abgekocht zum Trinken, Kochen, Zähneputzen sowie zur Reinigung offener Wunden verwendet werden.
Auch im Klinikum in Herford (NRW) musste das Leitungswasser vor dem Trinken oder der Zubereitung von Speisen abgekocht werden. In Obertiefenbach (Hessen) wurden bei einer Untersuchung der Wasserversorgungsanlage mikrobiologische Verunreinigungen festgestellt. In Neuenkirchen (Mecklenburg-Vorpommern) und Holzhausen (Baden-Württemberg) gab es ebenfalls Wasseralarm.
Das sagt der Experte zum Trinkwasser
„Der Klimawandel stellt die Infrastruktur unserer Trinkwasserversorgung vor völlig neue hygienische Herausforderungen“, erklärt Dr. Christian Schauer (53). Er leitet den Kompetenzbereich Trinkwasser beim Vieag-Konzern, einem Hersteller von Sanitär- und Heizungstechnik. Der Experte fügt hinzu: „Verlegetiefen von nur 80 cm (früher lagen sie bei bis zu 1,50 m) und aufgeheizte Teerdecken der Straßen führen oft sehr schnell zu einer Erwärmung des kalten Trinkwassers in den Rohrleitungen.“ Dies stelle ein ernstes hygienisches Risiko dar: Legionellen. Diese Bakterien können beim Einatmen – etwa unter der Dusche – die Legionärskrankheit auslösen, eine bakterielle Lungenentzündung.

Wie geht es mit der Wasserversorgung weiter?
Wie akut die Folgen von Klimaerwärmung und bakterieller Belastung sind, zeigt das in diesem Monat in Hannover (Niedersachsen) gestartete Forschungsprojekt BaKlimON. Die Medizinische Hochschule (MHH) untersucht dort, ob Menschen häufiger mit Krankheitserregern in Kontakt kommen, wenn sich durch den Klimawandel die Bakterien in der Umwelt verändern. „Die Klimaresilienz für die Wasserversorgung wird künftig immer wichtiger“, betont Dr. Schauer. Es müssten daher Lösungen gefunden werden, die den Wärmeeffekt auf die Wasserleitungen abmildern. „Technische Lösungen zur Kühlung des Trinkwassers, die konsequente Trennung von warm- und kaltgehenden Rohrleitungen und die Filterung der Bakterien“ seien laut dem Experten notwendig.

Grundwasserqualität wird schlechter
Eine Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) kommt bereits jetzt zu dem Ergebnis, dass steigende Temperaturen auch die Grundwasserqualität beeinträchtigen: „Durch erhöhte Temperaturen im oberflächennahen Boden und im Grundwasser werden in den Wasserverteilungsnetzen kritische Schwellenwerte überschritten.“ Die Folge: eine weitere Ausbreitung von gefährlichen Krankheitserregern.





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