Miami – Laut Gerichtsakten ihrer Anwälte soll der öffentlich zur Schau gestellte Reichtum der frauenverachtenden Influencer Andrew und Tristan Tate weitgehend eine Inszenierung gewesen sein. Die Bugattis für fünf und sieben Millionen Dollar, die Tristan Tate in seinen Videos präsentierte? Offenbar nur geliehen. Gleiches gilt für den Aston Martin im Wert von 2,1 Millionen Dollar. Auch die 50-Millionen-Dollar-Superyacht habe nicht den Brüdern gehört – sie seien stattdessen dafür bezahlt worden, das Schiff in den sozialen Medien zu bewerben. „Kurz gesagt, sie spielen eine Rolle“, so die Verteidiger. Dies berichtet die „Daily Mail“.

Die Geschwister, ehemalige Profi-Kickboxer, haben sich in den sozialen Netzwerken eine riesige Anhängerschaft aufgebaut, insbesondere unter jungen Männern. Ihr Markenzeichen: ein protziger Lebensstil kombiniert mit unverhohlenem Frauenhass. Die Verteidigung argumentiert: Je übertriebener und auffälliger ein Beitrag gewesen sei, desto mehr Klicks, Likes und Einnahmen habe er generiert. Die Online-Follower hätten die Beiträge wörtlich genommen.

Ob diese schlichte Erklärung tatsächlich der Realität entspricht, darf zumindest bezweifelt werden. Bereits 2024 befasste sich ein britisches Gericht mit den Einnahmen der Tate-Brüder. Im Fokus stand unter anderem eine Überweisung von zwölf Millionen Dollar auf eines ihrer Konten. Der Richter sprach damals von einem „offensichtlichen Betrug“ an den Steuerbehörden. Das meldet die Nachrichtenagentur „AP“.

Ein Foto von Andrew Tates Instagram-Account: Die Luxus-Autos sollen nur für Social Media geliehen worden sein, meint ihr Anwalt
Quelle: Instagram/cobratate

Schwere Vorwürfe: Ausbeutung von Frauen

Sehr real hingegen sind die Anklagepunkte, mit denen sich Andrew und Tristan Tate konfrontiert sehen: Sie müssen sich derzeit wegen Vergewaltigung, sexueller Ausbeutung und Menschenhandels verantworten und sitzen in einem Gefängnis in Miami (USA). Insgesamt gibt es 59 Anklagepunkte, die sieben mutmaßliche Opfer betreffen.

Die juristische Wirklichkeit der Brüder könnte kaum weniger glamourös sein: Erstmals festgenommen wurden sie im Dezember 2022 von rumänischen Behörden – wegen des Verdachts, ein kriminelles Netzwerk zur sexuellen Ausbeutung von Frauen aufgebaut zu haben. Doch auch britische Staatsanwälte erhoben im Mai 2025 eigene Anklagen, unter anderem wegen Körperverletzung.

Auf Instagram: Mit Zigarre und schlafender Frau im Bett. Die Realität: Beide Tate-Brüder müssen sich einer Anklage wegen sexueller Ausbeutung stellen
Quelle: tristantateofficiall/Instagram

Nach Untersuchungshaft und Hausarrest in Rumänien reisten die Brüder 2025 in die USA. Doch auch dort begannen die Behörden mit Ermittlungen. Im April 2026 wurden sie schließlich im Federal Detention Center in Miami inhaftiert. Großbritannien hatte ihre Auslieferung beantragt. Derzeit kämpfen sie gegen dieses Verfahren.

Haft in Miami, Kampf gegen Auslieferung

Die Staatsanwaltschaft argumentiert, die Tates würden im Falle einer Freilassung gegen Kaution mithilfe ihres angeblichen Vermögens und mehrerer Pässe fliehen. Die Verteidigung weist diese Behauptung zurück: Ein Video, in dem Andrew Tate Pässe aus verschiedenen Ländern präsentierte, sei nur ein Scherz gewesen. Und der angebliche geheime mexikanische Pass von Tristan, ausgestellt auf den Namen Vladimir Scorpius? Angeblich nur eine Papp-Attrappe für ein Halloween-Kostüm.

Was davon wahr, was erfunden und was echt ist – das wissen derzeit vermutlich nur die Tate-Brüder selbst. Sie bestreiten sämtliche Vorwürfe. Was einst als frauenfeindliche Accounts mit Luxus-Accessoires auf Instagram begann, könnte nun das Profil von zwei mutmaßlich kriminellen Männern sein.