Duisburg (NRW) – Ein tragisches Werksunglück mit sieben Todesopfern, eine mehrjährige Haftstrafe für den ehemaligen ThyssenKrupp-Manager Harald Espenhahn (60) – und dennoch setzt der frühere Italien-Chef des Stahlkonzerns seine Karriere fort. Wie The Pik exklusiv erfuhr, wird er zum 1. August den Vorsitz der Geschäftsführung von ThyssenKrupp Rasselstein übernehmen.
Zur Erinnerung: Am 6. Dezember 2007 ereignete sich im ThyssenKrupp-Werk im italienischen Turin eine verheerende Explosion, bei der sieben Arbeiter ums Leben kamen. Die italienische Justiz machte später unter anderem Espenhahn für die Katastrophe verantwortlich. Die Vorwürfe lauteten auf fahrlässige Tötung und fahrlässige Brandstiftung.

Besonders brisant: Laut Zeugenaussagen sollen die Feuerlöscher zum Zeitpunkt des Unglücks leer gewesen sein. Zudem habe das Notruftelefon nicht funktioniert, wie der „Spiegel“ 2011 berichtete.
Haftstrafe deutlich verkürzt
Ursprünglich wurde Espenhahn in Italien zu 16 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Das Urteil galt dort als hartes Exempel für den Arbeitsschutz. Nach mehreren Instanzen reduzierte Italiens oberstes Gericht die Strafe 2016 auf neun Jahre und acht Monate. Später wurde das Urteil auch in Deutschland anerkannt und vom Landgericht Essen an das deutsche Strafrecht angepasst. Das Höchstmaß für fahrlässige Tötung liegt in Deutschland bei fünf Jahren.

Espenhahn durfte seine Strafe im offenen Vollzug verbüßen und blieb nach Angaben der Staatsanwaltschaft weiterhin für ThyssenKrupp tätig. Laut der italienischen Nachrichtenagentur „Ansa“ hatte er seine Haftstrafe im August 2023 angetreten.

CEO-Posten trotz Verurteilung
Nun folgt der nächste Karriereschritt. Eine Unternehmenssprecherin bestätigte, dass die bisherige Geschäftsführerin Clarissa Odewald (CEO) ihr Mandat „mit sofortiger Wirkung“ und „im gegenseitigen Einvernehmen zum 31. Juli 2026“ niedergelegt habe.
Der Aufsichtsrat bestellte daraufhin Harald Espenhahn am 29. Juli 2026 mit Wirkung zum 1. August 2026 zum neuen CEO der Tochtergesellschaft ThyssenKrupp Rasselstein in Andernach (Rheinland-Pfalz). Zuletzt war er als Leiter des Funktionsbereichs Technik, Umwelt und Instandhaltung bei ThyssenKrupp tätig.

Der Konzern verteidigt die Personalentscheidung. Espenhahn verfüge über „langjährige Führungserfahrung in der Industrie“ und werde die Weiterentwicklung des Unternehmens „konsequent vorantreiben“.
Auf Nachfrage erklärte eine Sprecherin von ThyssenKrupp: „Die Entscheidung zur Besetzung der Position wurde nach sorgfältiger Abwägung aller relevanten Aspekte getroffen. […] Die relevanten Sachverhalte zum Brand während seiner Tätigkeit bei Terni waren den zuständigen Gremien bekannt und wurden in die Entscheidungsfindung einbezogen. In Bezug auf Herrn Espenhahn ist die juristische Aufarbeitung vollständig abgeschlossen.“





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