Neapel (Italien) – Ein vertauschter Embryo erschüttert Italien. Luca (41, Name geändert) und Elisa (36) wurden in der Klinik San Paolo in Neapel durch eine künstliche Befruchtung Eltern eines Mädchens – doch der Mutter wurde eine fremde befruchtete Eizelle eingesetzt. „Wir lieben unsere Tochter, als wäre sie unsere eigene“, erklärt Vater Luca. „Aber wir verlangen Aufklärung und Gerechtigkeit.“

Der Software-Entwickler kommt gerade aus der Klinik, als er sich am Dienstag Zeit für den Reporter nimmt. Er hofft, dass die Veröffentlichung seiner Geschichte dazu führt, dass ihm die Ärzte endlich die verhängnisvolle Verwechslung erklären. Dass etwas offenbar nicht stimmte, bemerkten die Eltern bereits vor etwa einem Jahr nach der Geburt. „Als unsere Tochter im Juni 2025 geboren wurde, erhielten wir ein Gesundheitsbuch. Dort stand ihre Blutgruppe – B. Meine Frau und ich haben jedoch A. Als mir meine Frau das zu Hause zeigte, sprang ich von der Couch auf und rief: ‚Wie kann das sein?‘“

Die Ärztin zur falschen Blutgruppe

Fünf Jahre zuvor hatten sie sich an die Gynäkologin Dr. Teresa S. gewandt, um eine In-vitro-Fertilisation durchführen zu lassen. Sper­mien und Eizellen wurden entnommen, die befruchteten Eizellen eingefroren. „2021 kam auf diesem Weg unser Sohn zur Welt. Wir wollten ihm aber ein Geschwisterchen schenken“, sagt Papa Luca. Ein zweiter Versuch scheiterte zunächst, der dritte im Jahr 2024 war erfolgreich. „Wir empfanden die Behandlung damals als chaotisch. Wir fragten die Ärztin noch vor dem Eingriff, ob der Embryo auch wirklich uns gehört. Sie sagte selbstgefällig, sie wüsste, was sie tue.“

Der Eingriff wurde in der Klinik San Paolo in Neapel durchgeführt
Quelle: Unbekannt

Als dem Paar nach der Geburt im Sommer 2025 die falsche Blutgruppe auffiel, habe Dr. S. dies mit einer fehlerhaften Blut-Analyse erklärt. Eltern und Kind wurde erneut Blut entnommen, das Ergebnis blieb dasselbe: B beim Mädchen, A bei den Eltern. Luca: „Wir mussten einen DNA-Test machen. Das Resultat war frustrierend und beunruhigend. Vom größten Glück, eine Tochter zu haben, sind wir in einen Albtraum wie in einem schlechten Film geraten. Wie kann so etwas bei einem so heiklen medizinischen Verfahren geschehen?“

So laufen die Ermittlungen in dem Fall

Trotz Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und einer Spezialeinheit der Carabinieri wissen die Eltern das bis heute nicht. „Wir leben mit der ständigen Angst, dass eine andere Familie Anspruch auf unser Kind erhebt. Dieses Kind hat keine Schuld, und wir lieben es uneingeschränkt. Meine Frau hat es neun Monate in ihrem Schoß getragen.“


Das Paar wandte sich an Dr. Teresa S., um endlich schwanger zu werden
Quelle: Privat

Hinzu kommt die Sorge, was mit ihren vier anderen eingefrorenen Embryonen geschehen ist. Luca: „Wurden sie einer anderen Frau eingesetzt? Kommen eines Tages Eltern zu uns und sagen, wir sollten ihre Tochter kennenlernen, die eigentlich unsere ist?“ Bei ihrem Anwalt Francesco Petruzzi haben sich bereits vier Eltern gemeldet, die ebenfalls Embryonen in der Klinik San Paolo einfrieren ließen – und die tatsächlich Blutgruppe B haben.

Die Gesundheitsbehörde ASL Napoli 1 Centro erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Ansa, es habe einen Fehler beim Implantationsverfahren gegeben. Die Embryonen der betroffenen Frau seien aber keiner anderen zukünftigen Mutter implantiert worden.

Vater will seine Familie schützen

Luca will nicht zu viele Details über seine Familie verraten, er will die beiden Kinder schützen. Doch er sagt klar: „Wir haben psychische Schäden davongetragen, können uns nur schwer auf die Arbeit konzentrieren – wir haben Angst vor dem Moment, in dem wir unserer Tochter die Wahrheit sagen müssen, und fühlen uns gleichzeitig so, als hätten wir vier weitere Kinder verloren.“ Er bereitet eine Schadenersatzklage gegen das Krankenhaus und die Ärztin vor.