Düsseldorf – „Wer bei klarem Verstand bleibt und genau unterscheidet, was richtig und falsch ist, der macht in diesem Geschäft schnell Karriere.“ Mit diesen Worten beschrieb Uwe Reppegather (61), einer der prominentesten deutschen Immobilienunternehmer, einst der WELT sein Erfolgsrezept.

Möglicherweise hat der Baulöwe stets gewusst, was richtig und falsch ist. Was er jedoch tatsächlich getan hat, könnte davon abweichen. Am Donnerstag landete der Mann, der als „König der Kö“ und „Wolf of High Street“ bekannt war, unvermittelt in einer Zelle auf Ibiza. Auf Ersuchen deutscher Stellen wurde er festgenommen – unter Verdacht auf Bankrott, Betrug, Untreue und Verletzung der Buchführungspflicht.

Der Kö-König (2.v.l.) bei einer Feier mit u. a. Boris Becker (l.), Mark Keller (3.v.l.) und Ralf Möller (2.v.r.) im Münchner Hugo’s 2011
Der Kö-König (2.v.l.) bei einer Feier mit u. a. Boris Becker (l.), Mark Keller (3.v.l.) und Ralf Möller (2.v.r.) im Münchner Hugo’s 2011

Festnahme auf der Baleareninsel – Ermittlungen der Staatsanwaltschaft

Kurz zuvor hatten Beamte die Luxus-Finca „Ses Planes d’en Furnet“ von Reppegather gestürmt und ihn in Gewahrsam genommen. Zeitgleich durchsuchten 400 Ermittler an 49 Standorten in Düsseldorf, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz Objekte und sicherten Bargeld, Kunstwerke, Uhren, Handtaschen sowie Sportwagen.

Uwe Reppegather wurde auf seinem Ibiza-Anwesen, das offiziell seiner Frau gehört, verhaftet
Uwe Reppegather wurde auf seinem Ibiza-Anwesen, das offiziell seiner Frau gehört, verhaftet

Der Vorwurf: Der Immobilienmogul, dessen Vermögen einst auf 1,2 Milliarden Euro geschätzt wurde, soll vor seiner Privatinsolvenz 2023 innerhalb der Familie „wesentliche Vermögenswerte“ verschoben haben. Man prüfe, ob der Milliardär „vollständige und korrekte Angaben zu allen Vermögenswerten gemacht hat“, teilte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf mit. In Leichlingen (NRW) wurde zudem sein Bruder und Geschäftspartner Wolfgang (66) festgenommen.

Die Polizei beschlagnahmte bei der Razzia unter anderem diesen Lamborghini, den ein Abschlepper aufgeladen hat
Die Polizei beschlagnahmte bei der Razzia unter anderem diesen Lamborghini, den ein Abschlepper aufgeladen hat

Vom Kaufmann zum Immobilienkönig

Es markiert einen vorläufigen Tiefpunkt im aufsehenerregenden Leben des Zwei-Meter-Mannes mit Pferdeschwanz, der stets wie eine Katze auf die Füße zu fallen schien. Reppegather, Sohn eines Technikers und einer EDV-Sachbearbeiterin aus Langenfeld (NRW), absolvierte eine Lehre als Großhandelskaufmann bei Spar, bevor er seine erste Immobilie in Düsseldorf erwarb. Nach dem Mauerfall verdiente er gutes Geld, als er mit seinem Bruder im Osten 200 Wohnungen kaufte, sanierte und weiterverkaufte.

Auch jede Menge Bargeld wurde sichergestellt
Auch jede Menge Bargeld wurde sichergestellt

Seinen wirklichen Reichtum erlangte Reppegather, als er von Privathäusern auf Kaufhäuser umsattelte. 1998 gründete er die Centrum-Gruppe, denn genau dort wollte er stehen: im Zentrum des Geschehens, in den Innenstädten der Metropolen. Für Kunden wie H&M, Zara und Esprit entwickelte, vermietete und verkaufte er Einkaufs- und Büroimmobilien in Top-Lagen: an der Düsseldorfer Königsallee, der Hamburger Mönckebergstraße, der Münchner Leopoldstraße.

Uwe Reppegather bei einem Boxkampf mit Til Schweiger
Uwe Reppegather bei einem Boxkampf mit Til Schweiger

„A-Lagen in A-Städten“ heißt das in der Branche, entwickelt von einem A-Typen, der sich fortan in den besten Kreisen bewegte. Der in einem Penthouse über seinem Büro im Düsseldorfer Medienhafen residierte, inklusive Autoaufzug, der seinen Mercedes 300SL-Oldtimer bis in die Wohnung brachte. Der seinen Geburtstag alljährlich mit Champagner, Garnelen und Tänzerinnen im exklusiven Münchner P1 feierte. Vor seiner Ibiza-Finca lag die 30-Meter-Segelyacht „Dolphin Primero“. Gelegentlich stattete Arnold Schwarzenegger ihm einen Besuch ab, Reppegather nennt ihn „einen Freund“. Boris Becker soll er vor dessen Insolvenz eine halbe Million Euro geliehen, Til Schweiger einen Film finanziert haben. Dafür durfte er als Statist mitwirken.

Das Ku’damm-Eck als Wendepunkt

Irgendwann wolle er so viel Geld verdienen, „dass ich selbst bestimmen kann, wann ich aufstehe und was ich tue“, hatte Reppegather einmal gesagt. Das hatte der König der Kö erreicht. Bis sein Imperium zusammenbrach.

Auch diese Luxusuhren nahmen die Ermittler mit
Auch diese Luxusuhren nahmen die Ermittler mit

Der Umbau des „Ku’damm-Ecks“ in Berlin wurde zum Grab der Centrum-Gruppe. Die Fitnesskette „McFit“, dort als Hauptmieter vorgesehen, stieg nach dem Tod ihres Gründers Rainer Schaller 2022 aus. Eine von der Bank geforderte Sondertilgung habe Centrum nicht mehr aufbringen können, berichtet das „Handelsblatt“. Im Juli 2023 ging das Unternehmen pleite, im August 2023 meldete der Chef Privatinsolvenz an. Die offenen Forderungen summierten sich auf etwa 1,6 Milliarden Euro, von denen er laut Insolvenzplan nur rund 0,7 Prozent zurückzahlen musste. Bereits im April 2025 war Reppegather wieder schuldenfrei, kurz darauf gründete er in Liechtenstein eine neue Firma.

Verkauf der Finca unter Wert? Neue Vorwürfe

Doch die Vergangenheit holte den Baulöwen ein. Denn: Wenige Wochen vor der Pleite soll Reppegather die Ibiza-Finca, für 15 Mio. Euro umgebaut und auf 30 Mio. Euro geschätzt, an seine Frau Vanda verkauft haben – für lediglich 8 Mio. Euro. Ein Geschäft ihres Mannes auf den Malediven soll das ehemalige Model ebenfalls zu einem Schleuderpreis übernommen haben. Auch die Yacht „Dolphin Primero“, vom Insolvenzverwalter an einen unbekannten „Interessenten aus Nordrhein-Westfalen“ verkauft, gehört inzwischen wieder der Familie Reppegather.

Uwe Reppegather (l.) im Jahr 2009 auf Wiesn mit den Schauspielern Mark Keller (m.) und Heiner Lauterbach
Uwe Reppegather (l.) im Jahr 2009 auf Wiesn mit den Schauspielern Mark Keller (m.) und Heiner Lauterbach

Grund genug für die Staatsanwaltschaft, den Immobilienunternehmer nun festzunehmen und sein Vermögen zu beschlagnahmen. „Nach aktuellem Ermittlungsstand geht es um einen Schaden im hohen zweistelligen Millionenbereich“, so Staatsanwalt Hauke Lorenzen.

Anwalt widerspricht – Richter ordnen Freilassung an

Die Vorgänge um die Finca und das Malediven-Geschäft seien „im Rahmen des Insolvenzverfahrens erörtert und geprüft“ worden, teilte Reppegathers Anwalt dem „Handelsblatt“ mit. Es gebe „keinerlei Anhaltspunkte“ für die Vorwürfe.

Eine Auffassung, die Ermittlungsrichter in Spanien offenbar teilen: Bereits einen Tag nach der Festnahme ließen sie Reppegather, gegen den ein europäischer Haftbefehl vorliegt, wieder frei. Das berichtet die „Mallorca Zeitung“. Ohne Auflagen und ohne die deutschen Behörden zu informieren.