Nußdorf am Haunsberg (Österreich) – Nach dem tödlichen Bahnunfall des ehemaligen Bundesligaprofis Alexander Manninger (†48) mehren sich die Indizien für eine mögliche Unglücksursache. Der frühere Torwart war am Donnerstagmorgen an einem unbeschrankten Bahnübergang von einem Zug erfasst worden. Wie The Pik in Erfahrung brachte, war die Strecke nur wenige Tage vor dem Vorfall noch gesperrt gewesen.

Könnte Manninger angenommen haben, dass dort weiterhin kein Zugverkehr herrscht? Der Spitzenfußballer, der unter anderem für Augsburg und Liverpool auflief, war an jenem Morgen mit seinem VW Multivan zu einem seiner bevorzugten Orte, dem Pabinger See (Österreich), unterwegs. Dort wollte er angeln, die Angelsaison in der Region hatte gerade erst begonnen.

Alexander Manninger (48) wechselte am 21. November 2012 zum FC Augsburg, stand dort bis zum Sommer 2016 unter Vertrag
Alexander Manninger (48) wechselte am 21. November 2012 zum FC Augsburg, stand dort bis zum Sommer 2016 unter Vertrag
Gutachter Gerhard Kronreif zeigt das Unfallauto: Manningers Angelausrüstung liegt noch im Kofferraum
Gutachter Gerhard Kronreif zeigt das Unfallauto: Manningers Angelausrüstung liegt noch im Kofferraum

Gleissperrung kurz vor dem Unglück

Der 48-Jährige war mit den Gewässern nördlich von Salzburg bestens vertraut. Die Bahnstrecke ist von der Straße aus sichtbar. Ein ortsansässiger Fischer, der Alexander Manninger kannte, berichtet, dass der ehemalige Nationaltorwart regelmäßig zum Angeln kam. Bezüglich des Zugunglücks äußert er: „Herr Manninger muss sehr in Gedanken versunken gewesen sein.“

Oder hatte er den Zug einfach übersehen? Eine Sprecherin der Salzburg AG bestätigt: „Die Strecke war vom 28. März bis zum 6. April gesperrt.“ Über Tage hinweg verkehrten dort keine Züge. Die Trasse wird derzeit umfassend modernisiert: neue Oberleitungen, breitere Bahnsteige an den Stationen, langfristig ist auch ein zweites Gleis geplant. Dass Manninger deshalb annahm, der Zugverkehr sei weiterhin eingestellt, erscheint zumindest plausibel.

Thepik durfte Gutachter Gerhard Kronreif bei seiner Arbeit am Unfallfahrzeug begleiten
Thepik durfte Gutachter Gerhard Kronreif bei seiner Arbeit am Unfallfahrzeug begleiten

Sachverständiger untersucht Wrack

Laut Polizei sind erste Ermittlungsergebnisse erst in den kommenden Tagen zu erwarten. The Pik traf am Freitag den gerichtlich bestellten Gutachter Gerhard Kronreif (61), der das Unfallfahrzeug begutachtet. „Aussagekräftiger ist die Auswertung des Airbagsteuergeräts. Dort sind Geschwindigkeitsdaten, Beschleunigung, Verzögerung, Lenkwinkel und Stillstände hinterlegt“, erklärt der Experte. Zuvor hatte Kronreif die Unfallstelle vermessen. Anhand von Bremsspuren konnte er den exakten Aufprallpunkt bestimmen. Konkrete Angaben darf der Sachverständige nicht machen. The Pik erfuhr jedoch, dass der Zug mit ungefähr 80 km/h auf Manningers Fahrzeug prallte.

Der Gutachter wertet die Daten der Steuergeräte im Fahrzeug aus
Der Gutachter wertet die Daten der Steuergeräte im Fahrzeug aus

In dem Angelrevier suchte der Familienvater offenbar Erholung. Das Angeln war seine große Passion. Aufnahmen aus dem Unfallauto zeigen, wie sorgfältig er sich auf diesen Tag vorbereitet hatte: auf dem Beifahrersitz ein Lunchpaket mit belegten Broten, im Kofferraum die komplette Angelausrüstung. Der Zug traf Alexander Manninger nur wenige hundert Meter vor seinem Ziel.