München – Ob Spirituosen für den Abend, der komplette Wochenbedarf oder teure Delikatessen – im Edeka-Markt von Hajrudin Jusic (43) in den Münchner Riem-Arkaden greifen Diebe offenbar beherzt ins Sortiment. Inzwischen sind auch Angestellte darunter. Der Inhaber beziffert den jährlichen Schaden auf etwa 100.000 Euro. Seine Kritik richtet sich vor allem gegen die Justiz.

Am 27. Juli machte Jusic seinem Ärger in einem Facebook-Video Luft: „Unser Ladendetektiv hat 20 Kunden beim Stehlen erwischt, allein sieben am Samstag, das ist doch krank. Zusätzlich musste ich acht Mitarbeiter wegen Diebstahls entlassen.“ Nach der Veröffentlichung wurden zwei weitere Angestellte überführt. Bundesweit wurden im vergangenen Jahr 383.096 Ladendiebstähle registriert – ein Rückgang von 5,4 Prozent im Vergleich zu 2024 (404.907).

Der Mitarbeiter einer Reinigungsfirma wird beim Zigarettenklau erwischt

Die Vorgehensweisen sind nach Schilderung von Jusic stets ähnlich. „Kassenkräfte stellen sich selbst Pfandbons aus, andere bedienen sich direkt aus den Regalen.“ So wurde ein Angestellter gefilmt, wie er an der Kasse Zigaretten einsteckt. Dabei blickt er sich noch um, ob ihn jemand beobachtet – die Überwachungskamera übersah er offenbar. Der Mann war über eine Subfirma als Reinigungskraft beschäftigt.

Diebe verkaufen geklauten Alkohol als Hehlerware

Nach Aussage von Jusic greifen inzwischen alle zu. „Das sind Deutsche, Rumänen, Bulgaren und Menschen aus anderen EU-Ländern.“ Mit Flüchtlingen habe er keine Schwierigkeiten. Auffällig seien jedoch Männer aus Südosteuropa. Jusic: „Da sind Roma dabei, die teuren Alkohol klauen. Das ist kein Bedarf für den Alltag. Ich vermute, dass das Hehlerware ist und weiterverkauft wird.“

Dieser Mann wurde beim Klauen erwischt
Der Dieb wollte neun teure Schnapsflaschen klauen

Doch auch Familienmütter wurden von Jusic erwischt, die ihren kompletten Wocheneinkauf entwenden wollten. „Neulich sagte eine alleinerziehende Mutter, das Leben sei so teuer geworden.“ Der gebürtige Bosnier konnte darüber nur den Kopf schütteln: „Meine Mutter kam nach dem Bosnien-Krieg als Alleinerziehende nach Deutschland. Wir haben uns alles ohne Diebstahl aufgebaut.“ Inzwischen führt er drei Edeka-Filialen in München.


180 Einkaufswagen gestohlen

Die Kundschaft stiehlt jedoch nicht nur Nahrungsmittel und Alkohol, sondern auch Einkaufswagen. Jusic: „Von 200 Stück sind nur noch etwa 20 vorhanden. Jugendliche sollen sie umgedreht als Grill nutzen.“ Jeder Wagen kostet rund 250 Euro. Obdachlose bereiten ihm hingegen keine Sorgen, so Jusic. „Die nehmen den billigsten Schnaps und das günstigste Bier, das kann ich sogar teilweise nachvollziehen.“

Auch diese Frau wurde beim Stehlen erwischt

Was der Filialleiter jedoch nicht begreift: „Fast alle Anzeigen werden von der Staatsanwaltschaft eingestellt, weil es kein öffentliches Interesse gebe oder der Wert zu gering sei.“ Vor einiger Zeit geriet Jusic selbst ins Visier der Ermittler. „Ich wurde angezeigt, weil ich eine Kundin genötigt haben soll, einen Diebstahl zuzugeben.“ Auch diese Anzeige wurde eingestellt.