München – Ein milliardenschwerer Coup bahnt sich an der Säbener Straße an! Der deutsche Rekordmeister steht unmittelbar vor dem Verkauf der letzten fünf Prozent seiner FC Bayern München AG. Wie die „tz“ und der „Münchner Merkur“ am Donnerstagabend übereinstimmend berichten, soll Viessmann für diesen Anteil die stolze Summe von 250 Millionen Euro auf den Tisch legen. Allerdings ist es nicht der langjährige Platin-Sponsoring-Partner „Viessmann Climate Solutions“ (Vertrag bis 2029), der als strategischer Investor einsteigt, sondern die „Viessmann Generations Group“ (Private Equity, Sitz in München) von Max Viessmann (37).
Der Hintergrund: Der Weltkonzern aus Hessen hatte seine profitable Klima-Sparte im Jahr 2023 für rund 12 Milliarden Euro an den US-Riesen Carrier Global veräußert und hält zudem Aktien an dem Unternehmen. Einen Großteil des Erlöses investiert Max Viessmann seither in nachhaltige Ökosysteme, Co-Investments und Unternehmensbeteiligungen. Nun kommt ein prestigeträchtiges Engagement hinzu – an der FC Bayern AG. Der Sohn von Martin Viessmann (lenkte die Firmengeschicke von 1979 bis 2016) gehört bereits seit dem Frühjahr 2026 dem Verwaltungsbeirat des FC Bayern e.V. an, der nun fünf Prozent seiner Anteile an der Aktiengesellschaft an ihn veräußert.
Wohin fließt das viele Geld?
Ein erheblicher Teil der Einnahmen dürfte in die drei aktuellen Großprojekte investiert werden: den Umbau der Geschäftsstelle an der Säbener Straße inklusive neuem Trainingsplatz, die Modernisierung des Sportparks Unterhaching mit einem Top-Leistungszentrum für die Frauenabteilung sowie diverse Baumaßnahmen am Nachwuchs-Campus. Das Kapital wird nicht kurzfristig aufgebraucht, sondern verschafft dem Klub mehr finanzielle Spielräume. Es ist zudem ein klares Signal an Trainer Vincent Kompany (40) und begehrte Stars wie Michael Olise (24): Der FC Bayern wird auch in den kommenden Jahren ein gewichtiges Wörtchen im Kampf um die Champions League mitreden.
Wer ist Viessmann?
Viessmann ist ein hessisches Traditionsunternehmen, das bis ins Jahr 2023 sein Hauptgeschäft mit Heiztechnikprodukten betrieb. In jenem Jahr verkaufte die Familie ihre Klimatechniksparte (Viessmann Climate Solutions) für rund 12 Milliarden Euro an den US-Konzern Carrier Global. Die Heiztechnik-Firma kooperiert bereits seit 2018 mit dem FC Bayern. Schon damals war Rouven Kasper, heute Marketing-Vorstand des FC Bayern, maßgeblich an der Partnerschaft beteiligt. Seit der Saison 2021/22 fungiert Viessmann zudem als Partner der Bayern-Frauen. Diese Zusammenarbeit mit Viessmann Climate Solutions wurde erst im Februar vorzeitig bis 2029 verlängert.
Wer gibt den finalen Segen für den Anteilsverkauf?
Die Verhandlungen über den Deal sind noch nicht vollständig abgeschlossen, jedoch geht es aktuell nur noch um Feinheiten. Die grundlegenden Eckdaten stehen fest. Da die Anteile dem FC Bayern e.V. und nicht der AG gehören, ist nicht der Aufsichtsrat, sondern das Präsidium für die Entscheidung zuständig. Für den Verkauf ist ein Beschluss des dreiköpfigen Präsidiums erforderlich, bestehend aus Präsident Herbert Hainer, dem 1. Vizepräsidenten Prof. Dr. Dieter Mayer und dem 2. Vizepräsidenten Walter Mennekes. Eine einfache Mehrheit würde ausreichen. Der Abschluss des Deals soll bis zur Jahreshauptversammlung Ende November erfolgen. Uli Hoeneß und Hainer haben den Einstieg von Max Viessmann inzwischen ausgehandelt.
Ist der Verkauf eine finanzielle Notwendigkeit?
Nein, intern wird der Verkauf als strategischer Schachzug bewertet. Dadurch können beispielsweise der Kauf und Umbau des Stadions in Unterhaching aus dem laufenden Cash Flow bestritten werden. Die Kosten für das neue Performance Center der Basketball-Abteilung übernimmt übrigens nicht die für den Fußball zuständige AG, sondern der FC Bayern e.V. selbst.
Verpflichtet Bayern nun den nächsten Kane?
Nein, die Einnahmen werden nicht sofort in teure Neuzugänge investiert; die Transferaktivitäten für dieses Jahr sind weitgehend abgeschlossen. Dennoch setzt das frische Kapital intern andere Ressourcen frei. In Zukunft könnte der FC Bayern dadurch deutlich leichter einen Transfer in der Größenordnung von 150 Millionen Euro stemmen!
Steigen die Spielergehälter?
Nein, der Klub verfolgt weiterhin das Ziel, das Gehaltsniveau zu senken. Der Deal eröffnet jedoch natürlich mehr Spielraum, um einem Topstar wie Olise ein absolutes Spitzengehalt zu bieten.

Ist Dortmund jetzt abgeschlagen?
Es ist offensichtlich: Von einem derartigen Deal können Dortmund, Leipzig oder Leverkusen nur träumen. Bayerns Status als Nummer 1 wird durch diese finanzielle Spritze weiter zementiert – und es ist schwer vorstellbar, wie in den kommenden Jahren ein anderer Klub den Geld-Krösus aus München vom Thron stoßen soll. Für alle Fans, die sich mehr Spannung im deutschen Fußball wünschen, ist diese Nachricht ein herber Rückschlag. Die Dominanz der Bayern dürfte künftig noch weiter zunehmen.
Wandert das Geld aufs Festgeldkonto?
Nein, das berüchtigte Festgeldkonto existiert in dieser Form nicht als ein einziges klassisches Konto. Es ist vielmehr ein Synonym für die enorme Liquidität des FC Bayern, die sich über mehrere Konten verteilt.
Wie kommt die 5-Milliarden-Bewertung zustande?
Fünf Prozent für 250 Millionen Euro ergeben einen geschätzten Gesamtwert des Klubs von rund 5 Milliarden Euro! Zum Vergleich: Vor zwölf Jahren, beim Verkauf von Anteilen an die Allianz, wurde der Verein noch mit 1,32 Milliarden Euro bewertet. Durch zahlreiche Titelgewinne, hohe Transfererlöse, TV-Einnahmen und lukrative Werbepartnerschaften ist der Klubwert förmlich explodiert und hat sich seitdem fast verfünffacht.
Droht Ärger mit den Mitgliedern?
Es ist durchaus möglich, dass nicht alle Anhänger mit dem Schritt glücklich sind – bereits bei der Jahreshauptversammlung 2021 war der Verkauf weiterer Anteile ein großes Streitthema. Das als Katar-Kritiker bekannt gewordene Mitglied Michael Ott stellte damals sogar einen Antrag, das „Tafelsilber“ des Klubs zu schützen und den Anteilsbesitz des e.V. niemals unter 75 Prozent sinken zu lassen. Das Ergebnis: Der Antrag verfehlte nur knapp die notwendige Mehrheit der anwesenden Mitglieder. Wäre er durchgegangen, wäre der jetzige Verkauf nicht möglich gewesen.
Können Audi & Co. ihre Anteile einfach abstoßen?
Adidas, Audi und die Allianz halten jeweils 8,33 Prozent an der FC Bayern AG. Immer wieder kursierten Gerüchte über einen möglichen Ausstieg von Audi, bedingt durch die Probleme des Unternehmens und seiner Muttergesellschaft VW. Aktuell ist das zwar kein Thema, aber auch nicht mehr gänzlich ausgeschlossen. BMW stand bereits einmal kurz vor einem Einstieg. Einem potenziellen Käufer müsste der FC Bayern allerdings zustimmen.
Kann Bayern bei den Verkaufskandidaten wie Palhinha hart bleiben?
Wenn ganz Europa von dem neuen Geldsegen der Bayern erfährt, wird es sicherlich schwieriger, in Verhandlungen knallhart zu bleiben und um den letzten Millionenbetrag zu pokern. Allerdings betrifft der Deal zunächst nicht das operative Tagesgeschäft.
Ziert Viessmann bald das Trikot?
Das ist vorerst nicht geplant. Die Telekom bleibt Brustsponsor, Audi Ärmelsponsor und bei den Frauen fungiert Allianz als Trikot-Sponsor. Gut möglich jedoch, dass Viessmann durch den Einstieg in naher Zukunft noch präsenter im Umfeld des Klubs auftreten wird.
Was verspricht sich Viessmann von dem Deal?
Neben dem nahezu unermesslichen Werbewert als Bayern-Partner und Anteilseigner ist das Investment in den Klub auch finanziell äußerst attraktiv, wie die Wertentwicklung der Anteile in den letzten Jahren zeigt. Adidas (im Jahr 2002) und Audi (zwischen März 2010 und Juni 2011) zahlten für jeweils zehn Prozent damals 77 bzw. 90 Millionen Euro. Nach einer Kapitalerhöhung überwies die Allianz im Februar 2014 für ihre 8,33 Prozent 110 Millionen Euro – nun investiert Viessmann für fünf Prozent rund 250 Millionen Euro. Das bedeutet: Ein Prozent der AG-Anteile wird aktuell mit etwa 50 Millionen Euro bewertet. Folglich wären die Anteile der drei anderen Konzerne heute über 415 Millionen Euro wert. Und: Max Viessmann ist leidenschaftlicher Bayern-Fan. Anteilseigner zu sein, bedeutet außerdem einen Sitz im Aufsichtsrat und damit mehr Einfluss. Zudem kann Viessmann die globale Marke und das Netzwerk des FC Bayern noch intensiver nutzen – eine Win-win-Situation, die beiden Seiten bereits zu Beginn der Geschäftsbeziehung in China zugutekam.

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