Hamburg/Sylt – In Kampen auf Sylt sorgte er einst für Aufsehen, als er einen Elefanten zu einer Party anreisen ließ. Auf der Insel der Reichen und Schönen sowie in Hamburg verspricht er seiner Klientel „exklusive Objekte und höchste Qualität“. Doch bei einem Mehrfamilienhaus, das dem Immobilien-Mogul Wolf-Peter Schneider (76) gehört und von ihm vermietet wird, scheint es mit der Qualität nicht weit her gewesen zu sein – und mit der Exklusivität schon gar nicht.
Das fünfgeschossige Jugendstil-Gebäude in der Holstenstraße 197 im Hamburger Stadtteil Altona ist wegen gravierender Risse in tragenden Bauteilen akut vom Einsturz bedroht und nicht mehr bewohnbar. Feuerwehr und Polizei wurden zu einem Großeinsatz alarmiert. Auch ein Nachbargebäude musste geräumt werden. Das Technische Hilfswerk riegelte das Haus ab und sicherte es mit Stützvorrichtungen.

Der Statiker ordnete an: „Alle raus hier!“
Über Monate hinweg hätten die Bewohner ihren Vermieter Schneider sowie dessen Verwaltung wiederholt auf die Risse und die untragbaren Zustände aufmerksam gemacht, wie es heißt. Erst nachdem das Bezirksamt eingeschritten war und den Eigentümer zum Handeln aufgefordert hatte – darüber berichtete die „Zeit“ –, wurde von Schneiders Seite ein Statiker beauftragt. Die Begutachtung war noch nicht abgeschlossen, da soll der Sachverständige auf einen Mitarbeiter Schneiders gezeigt und gesagt haben: „Sie rufen jetzt die Feuerwehr“. Laut „Zeit“ endete die Inspektion mit der Anweisung: „Alle raus hier!“

Am 23. Juli mussten die Anwohner ihre Wohnungen binnen weniger Minuten räumen. Nun sollen elf Bewohner des einsturzgefährdeten Hauses sowie 21 Bewohner des Nachbarhauses vorübergehend in einem Hotel unterkommen.

Die Website des Multimillionärs zeigt sich in glänzendem Licht
Schneider residiert in einer vornehmen Lage an der Hamburger Außenalster und verfügt Berichten zufolge über einen umfangreichen Immobilienbestand. Seine Firmen erwirtschaften laut Handelsregister Umsätze im Millionenbereich. Auf der Unternehmenswebsite präsentiert sich das Unternehmen mit Villen, Neubauten sowie Sanierungs- und Erweiterungsprojekten im Sylter Promi-Ort Kampen.
Dazu das großspurige Versprechen: „Wir haben uns auf die Entwicklung, Planung und Umsetzung hochwertiger Wohnimmobiienprojekte im Luxussegment in Hamburg und auf Sylt spezialisiert. Unsere langjährige Erfahrung garantiert Ihnen exklusive Objekte und höchste Qualität.“

Im feinen Kampen demonstriert Wolf-Peter Schneider, wie prunkvoll er zu feiern versteht und dass Geld bei ihm keine Rolle spielt. In der Vergangenheit lud er zu seiner Partyreihe „Sylt meets Ibiza“ in den Prominenten-Treff „Pony“ in Kampen. Dort schwärmte er gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“ von „bildhübschen Mädchen in kurzen Röcken“ und „Frauen in lässigen Tunika-Kleidern“.
Die Stellungnahme des Anwalts des Immobilien-Moguls
Auf Anfrage erklärt Schneiders Rechtsanwalt Ben Irle: „Herr Schneider erhielt am 17. Juni die Mitteilung über einen neu festgestellten Riss in der Fassade und wurde hieraufhin unverzüglich tätig.“ Zu den Vorwürfen schreibt Irle, sie seien „unberechtigt und unbegründet“. Das Gebäude sei ein Altbau, „bei dem es alters- und lagebedingt immer wieder zum Auftreten von Mängeln kommt“. Diese seien „wo baulich erforderlich, auch selbstverständlich behoben worden“. Schneider seien keine Versäumnisse vorzuwerfen.

Zur Einsturzgefahr merkt der Jurist an, die Ursache sei eine „uns unbekannte“ und in einem „unbekannten Zeitraum offenbar vorgenommene bauliche Veränderung durch eine Wandöffnung“, die zu einer Schwächung eines statisch relevanten Trägers geführt habe. Irle weiter: „Derzeit arbeitet das Team um meinen Mandanten an der Herstellung der Standsicherheit, damit die Mieter kurzfristig in ihre Wohnungen zurückkehren und ihre Habseligkeiten an sich nehmen können.“ In der Zwischenzeit würden die Hotelkosten übernommen.
Und Schneider lässt über seinen Rechtsanwalt klarstellen: „Das Qualitätsversprechen auf der Webseite gilt für die Entwicklung hochwertiger Immobilienprojekte. Bei dem hier gegenständlichen Wohnhaus handelt es sich um ein Beispiel der Wohnraumbeschaffung zu günstigsten Mietbedingungen und damit eben gerade um keine Entwicklung eines exklusiven beziehungsweise hochwertigen Immobilienprojekts.“



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