Wenn Michael Burry vor einem Börsencrash warnt, schaltet die Wall Street auf Empfang. Der Investor wurde weltweit bekannt, weil er die Immobilienkrise von 2008 frühzeitig erkannte und mit seiner Spekulation auf den Kollaps ein Vermögen einstrich. Seine Geschichte diente später als Vorlage für den Film „The Big Short“. Jetzt setzt Burry erneut auf fallende Kurse – ausgerechnet bei einigen der meistgehandelten Aktien der Welt. Was heißt das für Anleger? Müssen Aktionäre von Nvidia, Palantir oder Tesla jetzt beunruhigt sein? Eine Nachrichtenagentur hat den Börsen-Experten Mick Knauff (60) von Aktienlust befragt.

Diese Börsen-Lieblinge stehen im Visier von Burry
Im Juli 2026 weitete Burry seine Spekulationen auf abfallende Notierungen deutlich aus. Zu seinen bekanntesten Short-Positionen zählen:
- Nvidia
- Micron Technology
- Palantir Technologies
- Tesla
- Applied Materials
- Caterpillar
Darüber hinaus wettet er mit einer Position gegen den iShares Semiconductor ETF (SOXX) auf abfallende Kurse im kompletten Halbleitersektor.
Deshalb kalkuliert Burry mit einem Rücksetzer
„Der Investor sieht vor allem im KI-Boom erhebliche Risiken“, erklärt Knauff. „Rund um den Globus pumpen Unternehmen derzeit hunderte Milliarden Dollar in Rechenzentren, Chips und Künstliche Intelligenz.“ Burrys Befürchtung: Die Anleger erwarten mehr, als die Firmen künftig an Gewinnen erwirtschaften können. Viele Aktien seien seiner Einschätzung nach überteuert. Bereits kleinere Enttäuschungen könnten daher deutliche Kursverluste auslösen. Die aktuelle Entwicklung erinnert ihn an die Technologieblase um das Jahr 2000.
Welche Aktien tatsächlich anfällig erscheinen
Ein Blick auf die bisherige Kurshistorie zeigt: Viele der von Burry geshorteten Papiere haben bereits beachtliche Zuwächse hinter sich.

🔴 Die fundamentalen Kennzahlen können den hohen Kurs kaum noch rechtfertigen – Gewinnmitnahmen erscheinen ratsam
🟡 Korrekturen von 10 bis 30 Prozent sind jederzeit denkbar, Halten vertretbar, aber Vorsicht geboten
„Derartige Kursrallys sind häufig ein Indiz dafür, dass Anleger bereits jede Menge Optimismus eingepreist haben“, so Knauff. „Das steigert die Gefahr heftiger Rückschläge, sofern Wachstum oder Gewinne die hohen Erwartungen verfehlen.“
Wo Burry bisher richtig lag
„Nicht jede seiner Wetten läuft bislang wie erhofft“, sagt der Börsen-Profi. „Vor allem bei Tesla entwickelte sich die Lage für den Investor günstig. Der Aktienkurs verlor 2026 rund 30 Prozent.“ Deutlich schwieriger gestaltete sich seine Spekulation gegen Nvidia. Trotz zwischenzeitlicher Korrekturen notiert die Aktie im laufenden Jahr weiterhin im Plus. Auch andere KI-Werte konnten ihre hohen Bewertungen bislang verteidigen.
Ist jetzt der Zeitpunkt zum Verkaufen gekommen?
Genau das ist die zentrale Frage. Burrys Positionen liefern keinen Beleg dafür, dass ein Börsencrash unmittelbar bevorsteht. Eine Short-Wette ist vielmehr eine längerfristige Spekulation auf fallende Notierungen. Auch vor der Finanzkrise 2008 verbuchte Burry monatelang Verluste, ehe sich seine Einschätzung letztlich auszahlte.
Für Anleger ergibt sich daraus vor allem eine Mahnung: „Wer bei Nvidia, Palantir oder anderen KI-Favoriten bereits hohe Buchgewinne angehäuft hat, sollte Bewertung und Risiko kritisch hinterfragen“, rät Knauff. „Eine teilweise Gewinnmitnahme kann sinnvoll sein, um Erträge zu sichern. Wer hingegen langfristig orientiert ist, sollte nicht allein wegen Burrys Wette in Panik geraten. Ausschlaggebend bleiben die Gewinne, das Wachstum und die Perspektiven der Firmen.“
Fazit: Warnsignal ja, Verkaufssignal nein
Michael Burry zählt zu den bekanntesten Crash-Propheten der Welt. Seine jüngsten Wetten verdeutlichen, dass er im KI-Boom inzwischen erhebliche Übertreibungen erkennt. Für Anleger ist das ein Warnsignal. Ein automatisches Verkaufssignal ist es jedoch nicht. Die entscheidendere Frage lautet deshalb nicht: „Was kauft oder verkauft Michael Burry?“ Sondern: „Sind meine Aktien noch angemessen bewertet – oder zahle ich bereits einen KI-Hype-Aufschlag?“



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