Berlin – Das Smartphone meldet eine neue Nachricht im Klassenchat. Emma (14) öffnet das Bild und erstarrt. Sie erkennt ihr eigenes Gesicht – doch der Körper gehört nicht ihr. Zu sehen ist sie in Unterwäsche vor der Klasse, während sie ein Referat hält. Nie passiert, nie gewollt. Einige Mitschüler lachen, andere fragen nach der Echtheit. Emma wird rot und bricht vor allen in Tränen aus …
Wenn Algorithmen die Realität verzerren
Emma ist eine erfundene Figur, ihr Schicksal jedoch alles andere als selten. Ein gefälschtes Bild kann mehr zerstören als tausend böse Worte – so lässt sich Mobbing in deutschen Schulen im Jahr 2026 beschreiben. Früher reichten ein gemeiner Spruch auf dem Pausenhof oder eine Kritzelei an der Tafel. Mit Klassenchats wurden Beleidigungen nicht mehr gelöscht, sondern blieben auf dem Handy gespeichert. Heute hat die Gewalt eine neue Dimension erreicht: Kinder sehen ihr eigenes Gesicht auf Fotos, die nie existierten. Mit einfachen KI-Tools erstellte Deepfakes zeigen Opfer in Szenen, in denen sie geschlagen oder gedemütigt werden – oder entblößt sind, wie Emma. Auch Stimmen lassen sich manipulieren: In gefälschten Sprachnachrichten scheinen Betroffene Lehrer zu beleidigen oder Taten zu gestehen, die sie nie begangen haben.
Solche Fakes verbreiten sich rasant im Netz. Für viele Opfer bedeutet das nicht nur Scham und Angst, sondern das verstörende Gefühl, die Kontrolle über das eigene Bild und die eigene Stimme verloren zu haben. Genau das macht diese Form digitaler Gewalt so bedrohlich. Auf der Veranstaltung „Social Media meets Politics: Brauchen wir eine Stopp-Taste für TikTok & Co.?“ in Berlin sprach The Pik mit Schülern und Politikern über die Gefahren von Deepfake-Mobbing.
„Jeder kann noch einfacher zum Täter werden“
Für Johanna (16) sind Fake-Bilder „viel angreifender, als wenn dir jemand im Chat blöd kommt. Man verliert total die Kontrolle.“ Julian (16) empfindet ähnlich. „Eine Beleidigung kann man noch unterschiedlich wahrnehmen. Etwas wird von einer Person als verletzend empfunden, von einer anderen als misslungener Witz“, sagt er. „Aber KI-Bilder werden immer realistischer.“ Unterschiede zwischen einem realen und einem Fake-Bild sind kaum noch zu erkennen.
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„Solche Bilder sind öffentlich, das sieht jeder. Das ist viel schlimmer als jede wörtliche Beleidigung“, sagt Aggelos (13). Lilli Berthold (18), stellvertretende Generalsekretärin der Bundesschülerinnenkonferenz, warnt zudem: „Täter bleiben noch anonymer. Jeder kann noch einfacher zum Täter werden.“
Hier finden Betroffene Hilfe
Das Kinder- und Jugendtelefon bietet Hilfe unter 11 61 11 oder per Mail- und Chat-Beratung unter nummergegenkummer.de
Unter www.krisenchat.de erhalten Betroffene schnelle psychologische Hilfe – 24/7. Alle Angebote sind kostenlos und anonym.
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Auch die Folgen sind verheerend
Trotz der neuen Bedrohung durch Deepfakes gibt es Hilfe. Opfer oder Zeugen können mit Eltern, Vertrauenslehrern, Sozialarbeitern oder Freunden sprechen. Doch oft steht die Scham im Weg. Johanna hat in ihrem Umfeld erlebt, dass sich Betroffene nicht mehr in die Schule trauten. „Ich würde mich auch nicht direkt trauen, zur Polizei zu gehen“, sagt sie. Es gehe nicht nur um den Moment, in dem das Bild auftaucht, sondern um alles, was danach kommt: Rechtfertigung, Demütigung, Kontrollverlust und Angst.
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Die Konferenzteilnehmer forderten daher mehr Bildung, Aufklärung und schnellere Hilfe bei digitaler Gewalt sowie die Förderung nachhaltiger Medienkompetenzen. Johanna wünscht sich, dass nicht nur die Opfer im Fokus stehen. „Betroffene sollten sich nicht dafür rechtfertigen, dass solche Bilder herumgehen. Der, der das gemacht hat, muss dafür geradestehen.“ Auch Lilli Berthold fordert mehr Konsequenz. Viele Fälle würden zwar angezeigt, aber nicht mit der nötigen Priorität verfolgt. „Wenn digitale Gewalt nicht ernst genug genommen wird, landet man wieder beim Täterschutz.“
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Das sagt die Politik zum KI-Mobbing
„Digitale Gewalt gehört leider zum Alltag vieler Kinder und Jugendlicher“, bestätigt die Grünen-Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer (30). „Bisher lässt die Politik sie damit weitgehend allein.“ Laut Pascal Reddig (31), Vorsitzender der Jungen Gruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, berichten bereits mehr als 50 Prozent der Jugendlichen, dass jemand aus ihrem direkten Umfeld Ziel von Cybermobbing wurde. „Mit Künstlicher Intelligenz erstellte Deepfakes verschärfen das Problem und wir stehen erst am Anfang dieser Entwicklung.“ Die SPD schlägt laut der Bundestagsabgeordneten Rasha Nasr (33) konkrete Altersbeschränkungen für soziale Medien vor, wie ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren. Aber: „Kinderschutz darf sich nicht darauf beschränken, Kinder zu regulieren. Das eigentliche Problem sind die Täter und die Strukturen, die ihnen das ermöglichen. Entscheidend ist, dass wir die Ursachen bekämpfen.“ Für Reddig steht fest: „Wer sexualisierte Deepfakes verbreitet, gehört nicht hinter den Bildschirm, sondern vor den Richter.“


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