Washington/Teheran – Der Streit um den Iran-Frieden steckt in einer Sackgasse. US-Präsident Donald Trump (79) fordert neue Verhandlungen und einen deutlich verschärften Pakt. Seine Kernforderung: „Der Iran muss sich verpflichten, niemals Atomwaffen zu besitzen!“ Zudem solle die von Teheran blockierte Straße von Hormus wieder für den Öltransport geöffnet werden – ein Problem, das vor dem Krieg gar nicht existierte. Nach 39 Tagen Luftangriffen und 54 Tagen einer brüchigen Waffenruhe fragen sich die von der Ölkrise betroffenen Nationen: Warum zieht sich das so hin? Die Hauptursachen:

Trumps Ego

► Trump scheint im Iran-Konflikt in der „Obama-Falle“ zu stecken. Zur Erinnerung: Ex-Präsident Barack Obama (64) handelte 2015 ein Abkommen aus, das Teherans Atomprogramm mit strengen Auflagen versah – inklusive scharfer Kontrollen durch die IAEA. In seiner ersten Amtszeit zerriss Trump diesen Vertrag und verspottet Obama seither regelmäßig für den aus seiner Sicht „dummen Deal“. Der US-Politologe Jonathan Cristol erklärt jedoch: „Was Trump unter Obamas Iran-Deal versteht, ist die Karikatur, die er selbst daraus gemacht hat!“

US-Präsident Barack Obama (l.) und Mitglieder des Nationalen Sicherheitsteams beraten am 31. März 2015 im Situation Room des Weißen Hauses per gesicherter Videoschalte über die P5+1-Atomverhandlungen mit Iran
US-Präsident Barack Obama (l.) und Mitglieder des Nationalen Sicherheitsteams beraten am 31. März 2015 im Situation Room des Weißen Hauses per gesicherter Videoschalte über die P5+1-Atomverhandlungen mit Iran

Damit setzte er sich selbst unter Druck: Sein Abkommen muss nun stärker wirken! Doch dafür gibt es bislang keine Belege. Das Tauziehen um Irans Atomwaffenprogramm könnte sogar auf spätere Gespräche verschoben werden. US-Sicherheitsexperte Jonathan Schroden meint: Der Krieg sei stets unpopulär gewesen, Trump benötige daher einen überzeugenden Deal, „um die negative politische Stimmung rund um den Krieg noch ausgleichen zu können“.

Vor einem Plakat der iranischen Fußballnationalmannschaft hält ein Mann bei einer regierungsfreundlichen Kundgebung ein Porträt von Ayatollah Modschtaba Chamenei
Vor einem Plakat der iranischen Fußballnationalmannschaft hält ein Mann bei einer regierungsfreundlichen Kundgebung ein Porträt von Ayatollah Modschtaba Chamenei

Das Mullah-Problem

Im Iran selbst tobt ein Machtkampf – zwischen Hardlinern im Parlament, den Revolutionsgarden (IRGC) und Pragmatikern, die derzeit verhandeln. Ayatollah Mojtaba Chamenei (56) bleibt ein schwer fassbarer Akteur. Aus Angst vor Luftangriffen hält er sich versteckt.

Die Kommunikation erfolgt ausschließlich über Boten, Antworten benötigen Tage. Auch seine tatsächliche Autorität im Machtapparat ist umstritten. Mitten im Chaos verkündete das Regime gerade, die Gespräche mit den USA auf Eis zu legen.

Dieses vom US-Militär veröffentlichte Foto zeigt den Zerstörer USS Rafael Peralta bei der Blockade des iranischen Öltankers Stream Ende April
Dieses vom US-Militär veröffentlichte Foto zeigt den Zerstörer USS Rafael Peralta bei der Blockade des iranischen Öltankers Stream Ende April

Warum bomben die USA die Hormus-Enge nicht frei?

Genau das hatte Trump mit „Projekt Freiheit“ Anfang des Vormonats versucht, legte den Plan nach Widerstand der Golfstaaten, die eine Eskalation fürchteten, jedoch schnell wieder auf Eis. Zudem sei das Risiko bei militärischen Eskorten für Tanker enorm, so Experte Schroden: „Die Kombination aus Unterwasser-Minen, schnellen Angriffsbooten sowie Drohnen und Raketen stellt eine massive Bedrohung für die in einem engen Raum operierenden Kriegsschiffe dar!“ Experte Cristol hält die Lage insgesamt für taktisch festgefahren: „Teheran scheint Washington besser zu verstehen, als das Weiße Haus den Iran versteht!“

Zur Person

Jonathan Schroden ist ein US-Sicherheitsexperte und Militäranalyst. Der Veteran des Marine Corps arbeitet als Forschungsdirektor beim Thinktank CNA (Center for Naval Analyses) und befasst sich mit US-Militärstrategien, Konfliktanalysen und Einsätzen im Nahen Osten.

Jonathan Cristol ist ein renommierter Experte für internationale Sicherheit und Nahostpolitik – er promovierte in „International Relations“, lehrt mehrfach an Universitäten und publiziert regelmäßig in Medien wie CNN oder beim World Policy Institute.