Volkswagen ist weit mehr als ein globaler Autobauer. Was kaum jemand weiß: Der Konzern verfügt über ein enormes Immobilienvermögen. Wohnungen, Gewerbeimmobilien, Grundstücke – ein verborgener Schatz, der nun auf den Prüfstand gestellt wird. Nach Informationen der Redaktion will VW-Chef Oliver Blume (58) genau erfassen, was der Konzern besitzt, was davon tatsächlich benötigt wird – und wo sich Kapital freisetzen lässt.

Allein bei der Tochter Volkswagen Immobilien und ausgewählten Gewerbeobjekten handelt es sich um ein Portfolio mit einem Verkehrswert von rund zwei Milliarden Euro. Konzernweit plant VW, Immobilienwerte mit Buchwerten von mindestens 35 Milliarden Euro einer genauen Prüfung zu unterziehen.

VW-Chef Oliver Blume stellt den Immobilienschatz von VW auf den Prüfstand

VW ist zweitgrößter Vermieter in Wolfsburg

Besonders heikel: Volkswagen Immobilien (VWI) ist in Wolfsburg kein gewöhnlicher Vermieter. Das Unternehmen wurde einst gegründet, um VW-Mitarbeitern Wohnraum zu bieten. Heute ist es eine hundertprozentige VW-Tochter – und nach der Stadt selbst der zweitgrößte Anbieter von Wohnungen in Wolfsburg. Hinzu kommen Gewerbeimmobilien sowie Immobiliendienstleistungen für die Marken und Töchter des Konzerns.

Die Dimensionen sind beachtlich: Im Jahr 2025 verzeichnete die Gesellschaft 9.483 Wohneinheiten, 118 Gewerbeimmobilien und eine Gewerbefläche von rund 761.000 Quadratmetern. Der Umsatz betrug knapp 200 Millionen Euro, das operative Ergebnis lag bei gut 41 Millionen Euro. Nach außen wirkt alles stabil. Doch intern werden nun grundlegende Fragen gestellt: Welche Immobilien gehören noch zum Kerngeschäft? Und was ist lediglich gebundenes Kapital?

Interne Unterlagen: „Optimierung von Eigentümerstrukturen“

In internen Dokumenten ist von einer „Optimierung von Eigentümerstrukturen“ und „Kapitaleffizienz“ die Rede. Übersetzt bedeutet das: VW prüft, ob Immobilien verkauft, verpachtet oder in eine separate Gesellschaft ausgelagert werden sollen. Es handelt sich nicht nur um eine theoretische Überlegung, denn es gibt bereits einen konkreten Fall: Anfang 2026 verkaufte Volkswagen Immobilien in Wolfsburg-Westhagen 432 Mieteinheiten mit rund 36.000 Quadratmetern Wohnfläche an einen lokalen Investor. Damals hieß es öffentlich, weitere Verkäufe seien nicht geplant.

Doch die neuen Pläne gehen weiter. Sie beschreiben nicht nur Einzelverkäufe, sondern eine konzernweite Überprüfung der Eigentümerstruktur. Explizit genannt wird die Freisetzung von Kapital, das in Wohn- und Gewerbeimmobilien gebunden ist.

Für VW geht es um Milliardenbeträge, die an anderer Stelle fehlen könnten: E-Autos, Software, Batterien, neue Plattformen, China, USA. Der Konzern muss investieren und gleichzeitig sparen. Immobilien, die nicht direkt mit dem Autobau zusammenhängen, sind dabei hinderlich.

Ein sofortiger Großverkauf ist noch nicht beschlossen. Die Bewertung läuft. In Kürze sollen die Ergebnisse dem Vorstand und dem Aufsichtsrat vorgelegt werden. Die Richtung ist jedoch klar: Nach Stellen, Investitionen, Marken und Beteiligungen nimmt VW nun auch seine Immobilien ins Visier.

Für Wolfsburg wäre dies ein tiefer Einschnitt. Denn VW Immobilien ist dort nicht nur ein Bilanzposten, sondern ein Teil der Stadtgeschichte. Wohnungen, Quartiere, Gewerbeflächen – vieles ist direkt mit dem Konzern verbunden.