Offenbach/Darmstadt – **An der Unglücksstelle brennen weiterhin Kerzen, ein kleiner Engel erinnert an die Opfer. Zwei Frauen und ein Kind verloren hier ihr Leben, als ein Raser ihr Fahrzeug frontal rammte. Nun muss sich der 32-jährige Serbe Edin D. vor dem Landgericht Darmstadt verantworten – angeklagt als dreifacher Mörder.**

Am ersten Adventssonntag des Jahres 2025 war die Fahrbahn regennass. Karin F. (66) befand sich mit einer 88-jährigen Freundin und der neunjährigen Nachbarstochter Raksha auf der Mühlheimer Straße in Offenbach. Dem Vernehmen nach wollten die drei ein Adventsfest in einer Kirche besuchen. Dazu kam es jedoch nie. Um 13.52 Uhr kollidierte der Bauarbeiter Edin D. (32) bei einem waghalsigen Überholmanöver frontal mit ihrem Audi. Die Wucht des Aufpralls schleuderte das Fahrzeug mehrere Meter weit; die Karosserie wurde zu rund 70 Prozent deformiert. Für die drei Insassen kam jede Hilfe zu spät.

Edin D. raste mit seinem Golf (links) frontal in den Audi (rechts), in dem die beiden Frauen und das kleine Mädchen saßen
Quelle: Aus dem Internet

Mit 145 km/h in den Tod gerast

Seit Dienstag verhandelt das Landgericht Darmstadt gegen den Unfallfahrer. Die Anklage lautet auf Mord. Oberstaatsanwalt Philip Reis warf Edin D. zum Prozessauftakt vor, „heimtückisch und mit gemeingefährlichen Mitteln drei Menschen getötet zu haben“. Der Angeklagte habe die vierspurige Ausfallstraße bewusst „zu seiner privaten Autobahn umfunktioniert“. Auf dem Abschnitt sind 50 km/h zulässig. Laut Gutachten beschleunigte der 32-Jährige seinen 150-PS-Golf jedoch auf 145 km/h – das sind fast 100 km/h über dem Limit.

An der Unfallstelle sind immer noch Kerzen und ein kleiner Engel zu finden
Quelle: Aus dem Internet

„Aua, aua!“ – die letzten Worte des Mädchens

Die Verhandlung offenbarte zugleich eine beeindruckende Welle der Solidarität. Zahlreiche Autofahrer hielten an, Anwohner eilten herbei, um die Eingeklemmten zu befreien und Erste Hilfe zu leisten. Ein Mann versuchte vergeblich, Karin F. wiederzubeleben. Die kleine Raksha war zu diesem Zeitpunkt noch ansprechbar. „Wir haben sie auf eine Matratze gelegt. Sie hat noch reagiert und ‚Aua, aua!‘ gesagt“, schilderte eine Augenzeugin. Doch auch die Ärzte im Krankenhaus konnten weder das Mädchen noch die 88-jährige Beifahrerin retten.

Blick in den Gerichtssaal: Hinter dem Angeklagten mit Dolmetscherin und Anwalt sitzen Gutachter und Sachverständige, dahinter Angehörige der Opfer mit ihren Anwälten. Zahlreiche Bekannte und Freunde der Toten sind Zuhörer – und oft den Tränen nahe
Quelle: Aus dem Internet

Illegales Rennen? Ein zweiter Wagen flüchtete

Eine zentrale Frage bleibt offen: War Edin D. womöglich nicht allein unterwegs? Zeugen berichteten, dass unmittelbar nach dem Zusammenstoß ein Audi A6 mit hoher Geschwindigkeit vom Unfallort flüchtete. Handelte es sich also um ein illegales Rennen, das in der Katastrophe endete? Der Angeklagte selbst kam mit leichten Verletzungen davon und schweigt bislang vor Gericht. Ihm droht eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes. Der Prozess wird fortgesetzt.