Die Diskussion über die Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung erhitzt die Gemüter. Versicherte beklagen höhere Beiträge und längere Wartezeiten. Gleichzeitig verzeichneten die Kassen zuletzt Milliardengewinne – obwohl die Ausgaben im Gesundheitssystem weiter ansteigen. Aus der Ärzteschaft kommen Warnungen vor zunehmendem Sparzwang und Forderungen nach strukturellen Reformen.

Die Spannungen zwischen Politik, Krankenkassen und Medizinern verschärfen sich. Für Patienten ist es kaum noch nachvollziehbar, wer tatsächlich unter finanziellen Engpässen leidet. Offiziellen Statistiken zufolge erzielten die gesetzlichen Krankenkassen im Vorjahr ein deutliches Plus. Vertreter von Kassen, Ärzten und Politik mahnen jedoch wachsenden Kostendruck an und sehen dringenden Handlungsbedarf im Gesundheitswesen.

Protest aus den Praxen

Der Bundes-Hausärzteverband (HAEV) unterstreicht die zentrale Bedeutung der Hausärzte im Versorgungssystem. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth, Bundesvorsitzende des HAEV, erklärt: „Die Hausarztpraxen müssen eine stetig wachsende Patientenzahl betreuen – insbesondere mehr ältere und chronisch kranke Menschen. Das ist jedoch nicht möglich, wenn die finanziellen Mittel nicht im gleichen Maße steigen.“ Hausärzte würden deutlich geringere Einkünfte erzielen als viele Fachärzte – was den Beruf für den Nachwuchs immer unattraktiver mache. „Praxen bleiben unbesetzt, während gleichzeitig die Kosten für Miete und Energie erheblich steigen“, so Buhlinger-Göpfarth.

Zur Person

Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth ist Bundesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes. Sie ist Fachärztin für Allgemeinmedizin im Hausarztzentrum Huchenfeld bei Pforzheim.

Das Einkommen eines Hausarztes

Die Verdienstmöglichkeiten unterscheiden sich erheblich je nach Tätigkeitsfeld und Anstellungsverhältnis. Angestellte Krankenhausärzte erhalten in der Regel tarifliche Vergütungen. Niedergelassene Mediziner können zwar höhere Umsätze generieren, müssen jedoch auch laufende Betriebskosten und unternehmerische Risiken tragen.

„Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) beläuft sich der durchschnittliche Honorarumsatz pro Hausarzt auf etwa 240.000 Euro jährlich. Davon müssen jedoch sämtliche Ausgaben bestritten werden: mehrere Mitarbeiter, Miete, Energie, Steuern, Altersvorsorge, Praxisdarlehen und vieles mehr“, erläutert Buhlinger-Göpfarth. Übrig blieben netto meist nur rund 25 bis 30 Prozent. Privatpatienten nähmen in der hausärztlichen Versorgung lediglich eine untergeordnete Stellung ein.

Durchschnittswerte (Bundesebene); Daten können je nach Bundesland variieren; Bruttogehalt bei 40 Wochenstunden; Quelle: Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD), Indeed
Durchschnittswerte (Bundesebene); Daten können je nach Bundesland variieren; Bruttogehalt bei 40 Wochenstunden; Quelle: Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD), Indeed

Das Einkommen eines Facharztes

Arbeitszeiten, Verantwortung und Belastung eines Facharztes unterscheiden sich je nach Spezialisierung und Arbeitsumfeld erheblich. Auch die Einnahmen von Ärzten hängen maßgeblich davon ab, ob sie überwiegend gesetzlich oder privat Versicherte behandeln.

Für Privatpatienten können insbesondere Fachärzte in der Regel höhere Honorare berechnen und sind weniger an feste Budgetgrenzen gebunden, während Behandlungen von Kassenpatienten größtenteils pauschal und begrenzt vergütet werden. Praxen mit einem hohen Anteil an Privatversicherten erwirtschaften daher häufig deutlich höhere Einnahmen – obwohl gesetzlich Versicherte den Großteil der Patientenschaft stellen.

Durchschnittswerte (Bundesebene); Daten können je nach Bundesland variieren; Bruttogehalt bei 40 Wochenstunden; Quelle: Stepstone
Durchschnittswerte (Bundesebene); Daten können je nach Bundesland variieren; Bruttogehalt bei 40 Wochenstunden; Quelle: Stepstone