Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) – Im Mordprozess um den getöteten Fabian (8) aus Güstrow sorgte dessen Vater immer wieder für Irritationen. Als Zeuge konnte Matthias R. (35) sich plötzlich nicht mehr an eine Auseinandersetzung mit der Angeklagten Gina H. (30) erinnern. Er lehnte Akteneinsicht ab, stellte jedoch die Ermittlungen infrage. Vor Gericht gab er an, erneut eine Beziehung mit der Angeklagten zu führen. Nun hat er sich in einem Statement geäußert, das abermals viele Menschen befremden dürfte.
„Jetzt ergreife ich das Wort, ich habe lange geschwiegen. Ich möchte heute einige Dinge ansprechen.“ Mit diesen Worten beginnt der Text, der am Sonntagabend erstmals auf sozialen Medien veröffentlicht wurde. Unterzeichnet ist das Schreiben mit „Viele Grüße, Matthias R., der Papa von Fabian“.

„Spuren nicht eindeutig“
Matthias R. schreibt: „Ich vermisse meinen geliebten Sohn Fabian jeden Tag. Er fehlt mir unendlich. Auch wenn das nach außen vielleicht anders wirkt. Niemand weiß, wie es in mir wirklich aussieht.“ Und weiter: „Auch wenn ich nicht auf der Nebenanklagebank sitze, heißt das noch lange nicht, dass ich meinen Sohn nicht liebe. Ich kämpfe jeden Tag für meinen Sohn und für Gerechtigkeit.“
Dabei richtet sich der Prozess gegen seine Partnerin Gina H. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass sie den Achtjährigen aus dem Haus lockte und mit ihm und ihrem Ford Ranger zu einem Tümpel nach Klein Upahl fuhr. Dort soll sie ihn aus Eifersucht mit sechs Messerstichen getötet und seine Leiche verbrannt haben.
Die Kommentare im Internet würden ihn traurig und wütend machen, schreibt der Vater. Die Berichterstattung einiger Medien bezeichnet er als „erschreckend“. „Dadurch wird ein Mensch öffentlich vorverurteilt, obwohl gar kein rechtskräftiges Urteil gesprochen wurde. Es gab in der Vergangenheit bereits Fälle, in denen Menschen unschuldig verurteilt wurden“, schreibt er.
Vater hat Zweifel an Spuren
Und weiter heißt es in dem Statement: „Mein Sohn Fabian hat Gina genauso geliebt wie seine Mutter und mich. Selbst Sachverständige und Gutachter können nicht mit 100-prozentiger Sicherheit sagen, ob bestimmte Spuren tatsächlich Gina zugeordnet werden können.“ Kein Wort verliert er zu seiner Beziehung zu Gina H. oder ob sie ihm die vielen seltsamen Zufälle erklärt hat, die vor Gericht zur Sprache kamen.

Ich stehe hinter ihm wie ein Löwe“
Dann greift Matthias R. die Ermittler an: „Nach meinem Empfinden wird nicht allem konsequent nachgegangen oder alles vollständig ausgewertet. Warum wird zum Beispiel nicht überprüft, ob es im Landkreis Rostock noch ein identisches Fahrzeug gibt?“ Er habe daher „große Zweifel an der Arbeit der Staatsanwaltschaft“. Die Indizien seien „lückenhaft“.
The Pik fragte Thomas Löcker, den Anwalt von Gina H., ob er das Statement kenne. Der bestätigt: Er habe das Schreiben vorab zur Kenntnis erhalten. Der Text stamme tatsächlich von Matthias R. Gleichzeitig weist Löcker darauf hin, dass er als Anwalt von Gina H. nichts mit dem Inhalt zu tun habe und Matthias R. dazu nicht beraten habe.

„Wir alle wollen die Wahrheit wissen. Besonders ich möchte die Wahrheit wissen“, so der Vater. „Ich kämpfe für meinen Sohn Fabian und werde immer hinter ihm stehen wie ein Löwe.“ Matthias R. mahnt: „Solange kein Urteil gesprochen wurde, gilt die Unschuldsvermutung.“
Vater will als Zuschauer erscheinen
Nach Informationen plant Fabians Vater, am Mittwoch als Zuschauer im Landgericht Rostock zu erscheinen. Dann sagen seine Chefin und ein Freund von ihm als Zeugen aus. Matthias R. war seit seiner Aussage zu Beginn des Prozesses nicht mehr im Gerichtssaal erschienen.

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