Rostock – Vor dem Landgericht Rostock muss sich eine 30-jährige Frau verantworten: Gina H. soll den achtjährigen Sohn ihres Ex-Freundes aus Eifersucht getötet haben. Der Prozess läuft, und Zeugenaussagen zeichnen das Bild einer Frau, die es immer wieder verstand, Männer zu beeinflussen und gefügig zu machen.
Erst kürzlich gestand der Vater des getöteten Jungen, Matthias R., vor Gericht: „Wir sind wieder ein Paar.“ The Pik beleuchtet das Netzwerk der Angeklagten. Denn Matthias R. ist nicht der einzige Mann, der sich offenbar in den Bann von Gina H. begeben hat. Auch der Nachbar Olaf K. und der Jäger Christian D. gerieten in ihre Fänge.

Freizügige Bilder und anzügliche Nachrichten
Der gebürtige Sachse Olaf K. wohnt seit 2020 direkt neben Gina H. Er half ihr im Alltag, kaufte ihr Kleinigkeiten und setzte sie sogar als Begünstigte seiner Unfallversicherung ein. Gelegentlich schickte sie ihm freizügige Bilder, wie er vor Gericht aussagte. Heute glaubt er, sie habe ihn so bei Laune halten wollen.

Die Beziehung zu Christian D. begann als „blöder Zufall“, als er im September versehentlich auf ein Foto auf ihrem Facebook-Profil reagierte. Daraufhin tauschten der verheiratete Vater zweier Kinder und die Angeklagte innerhalb von 28 Tagen 1431 Nachrichten aus, darunter auch anzügliche und explizite Inhalte. Beide Männer führte Gina H. zur Leiche des kleinen Fabian.
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Vater des getöteten Jungen ist wieder mit mutmaßlicher Killerin zusammen
Auch Fabians Vater scheint Gina H. verfallen zu sein. Vor Gericht flirtet er mit der mutmaßlichen Mörderin seines Sohnes, wirft ihr Blicke zu und macht Schlafzimmer-Witze. Er gibt zu: „Wir sind wieder ein Paar.“ An Eifersucht in der Beziehung will er sich plötzlich nicht mehr erinnern. The Pik sprach mit Familienpsychologin Nina Grimm (38) über die psychologischen Hintergründe.

„Psychopathische Persönlichkeitsstruktur“
Grimm betont, dass sie verlässliche Aussagen über Persönlichkeitsstrukturen und umfassende Diagnostik benötige. Dennoch vermutet sie aufgrund des beobachtbaren Verhaltens, dass Gina H. die Männer bewusst instrumentalisiert habe.
„Aus psychologischer Sicht fällt ein hochgradig instrumentelles Muster auf: Nähe, Sexualisierung, Hilfsbedürftigkeit und scheinbare Vertrautheit werden offenbar genutzt, um Männer verfügbar zu halten, Alibis zu sichern, Loyalität zu erzeugen und Zweifel zu dämpfen. Das spricht weniger für echte Bindung als für Beziehung als Mittel zum Zweck.“
Da sie dies offenbar bei mehreren Männern recht erfolgreich getan haben soll, sei davon auszugehen, dass sie durchaus gewinnend wirkt: sympathisch, liebevoll, fürsorglich, charmant oder verführerisch – was aber anscheinend einer Agenda folgt, wenn die Zeugenaussagen stimmen.

„Außerdem scheint sie Schwierigkeiten zu haben, sich in andere hineinzuversetzen, und neigt dazu, die Leben anderer in ihrem Verhalten nicht zu berücksichtigen. Das sind in Summe Komponenten, die auf eine psychopathische Persönlichkeitsstruktur hinweisen.“
Männer mit geringem Selbstwertgefühl
Zunächst sei es menschlich, einem charmanten, zugewandten Menschen zu vertrauen. „Das scheint auf Gina zuzutreffen und sagt erst mal nichts über eine auffallende Persönlichkeitsstruktur der Männer aus. Wenn sich aber jemand instrumentalisieren lässt – etwa, um eine Liebschaft in Versicherungen einzutragen –, ist das vermutlich auf einen Cocktail aus Einsamkeit, Retterfantasie, erotisierter Hoffnung, geringem Selbstwert und schwachen Grenzen zurückzuführen.“
Besonders relevant sei das Konzept der kognitiven Dissonanz: „Man will nicht glauben, dass die Frau, von der man sich gebraucht oder begehrt fühlt, zu etwas Grausamem fähig sein könnte. Deswegen schaut man lieber weg, um sich nicht selbst Dinge eingestehen zu müssen, die für die Psyche schwer zu verdauen sind.“
Abschließend sagt die Psychologin: „Wenn sich die Aussagen bestätigen, sehen wir hier kein normales Beziehungsgeflecht, sondern ein System emotionaler Verfügbarkeit: Eine Frau, die Nähe offenbar strategisch dosiert, und Männer, die aus Bedürftigkeit, Hoffnung oder Retterfantasie ihre kritische Wahrnehmung verlieren.“
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