Landshut – Eine spektakuläre Befreiungsaktion für einen ukrainischen Schwerverbrecher wurde offenbar in letzter Minute vereitelt. Der 49-jährige Viktor C., der erst vor zwei Wochen zu 21 Jahren Haft verurteilt worden war, sollte nach einem vorgetäuschten medizinischen Notfall aus dem Klinikum Landshut befreit werden. Nun wurden die Hintergründe des Großeinsatzes bekannt.
Der Amberger Oberstaatsanwalt Carsten Reichel bestätigte am Donnerstag: „Der 49-jährige Ukrainer war am Abend des 5. Juli aufgrund eines mutmaßlich vorgetäuschten medizinischen Notfalls von der JVA Landshut zunächst in das Klinikum Landshut verlegt und anschließend nach medizinischer Versorgung in eine bayerische Justizvollzugsanstalt überstellt worden.“
Am darauffolgenden Montag, als ein TikTok-Nutzer Polizeihubschrauber und das martialische SEK-Begleitkommando von Viktor C. vor der Klinik filmte, wurden zeitgleich an der JVA Landshut zwei Landsleute des Häftlings festgenommen: sein 25-jähriger Sohn und ein 23 Jahre alter Komplize. Der Staatsanwalt: „Es erging Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts der versuchten Gefangenenbefreiung.“

So erfuhren Zielfahnder vom Befreiungsplan
Im Zusammenhang mit Waffen- und Koksgeschäften seines Vaters waren Zielfahnder dem Sohn offenbar schon länger auf der Spur und hatten auf diesem Weg von seinen Befreiungsplänen erfahren. Viktor C. selbst war 2016 an dem Raubüberfall auf den Betreiber der legendären „Rio“-Bar in Grafenwöhr beteiligt und wurde nach acht Jahren Haft im August 2024 in die Ukraine abgeschoben. Bereits drei Monate später kehrte er nach Bayern zurück und wurde als Mitglied einer internationalen Koks- und Kalaschnikow-Bande festgenommen. In diesem Zusammenhang wurde auch bereits gegen den Sohn ermittelt.

Als Viktor C. am Sonntag Herzbeschwerden vortäuschte, wurden die Ermittler hellhörig: Dieselbe Masche hatte er bereits 2018 in seinem Prozess in Weiden angewandt – damals erklärten Ärzte ihn jedoch für kerngesund. Sein Verteidiger Jörg Jendricke (51) wurde von dem streng bewachten Krankenhausbesuch und der Festnahme der zwei mutmaßlichen Fluchthelfer völlig überrascht.
Er sagt: „Ich weiß nur, dass er jetzt ins Hochsicherheitsgefängnis Straubing verlegt wurde. Bei ihm wurde bereits einmal ein Herzinfarkt medizinisch dokumentiert. Ich möchte nun selbst erfahren, wie es ihm gesundheitlich geht.“
Und Jürgen Mühl, der Anwalt des festgenommenen Sohnes, sagt auf Anfrage: „Ich kenne bisher nichts außer dem Haftbefehl. Und was die Mandanten einem sagen, ist ja oft etwas anderes als das, was darin steht. Es wird sich erst in der Beweisaufnahme zeigen, was wirklich dran ist. Wenn man das Video sieht, muss man sagen: Das ist schon eine heiße Nummer. Ich kann bisher auch nicht sagen, wie die Behörden dieser angeblichen Gefangenenbefreiung auf die Spur gekommen sind.“






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