Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) – Nach vierwöchiger Unterbrechung durch die Gerichtsferien nimmt das Landgericht Rostock den Fall Fabian wieder auf: Am Donnerstag um 9.30 Uhr steht der 20. Verhandlungstag an. Als Zeugin geladen ist die jüngere Schwester von Gina H. (30) – von ihr erhofft sich das Gericht möglicherweise aufschlussreiche Details zur Familiengeschichte der Angeklagten.

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft wiegt schwer: Gina H. soll den achtjährigen Fabian aus Güstrow am 10. Oktober 2025 aus dem Elternhaus gelockt und ihn anschließend an einem Tümpel nahe Klein Upahl mit sechs Messerstichen getötet haben. Danach, so die Anklage, habe sie die Leiche mit Grillanzünder in Brand gesetzt. Ihr Motiv: Sie habe einen Streitpunkt in der Beziehung zu Fabians Vater Matthias R. (35) beseitigen und die Partnerschaft neu entfachen wollen.

Fabian (8) aus Güstrow wurde 2023 eingeschult

Zeugin will ihre Identität nicht preisgeben

Bereits am fünften Verhandlungstag war die Schwester der Angeklagten als Zuschauerin im Gerichtssaal erschienen. Doch nach einem Einwand des Verteidigers verwies der Vorsitzende Richter sie des Saales. Öffentlich geäußert hat sich die Frau bislang nicht zu den Vorwürfen gegen ihre Schwester. Offenbar legt sie großen Wert darauf, nicht mit dem Fall in Verbindung gebracht zu werden: Auf Bitten einer Gerichtssprecherin soll ihr Name in den Medien unerwähnt bleiben.

Der Vorsitzende Richter Holger Schütt hatte die Schwester der Angeklagten am fünften Verhandlungstag aus dem Saal geschickt

Die beiden Schwestern wuchsen bei ihren Großeltern in Reimershagen auf. Warum sie nicht bei ihrer Mutter lebten, dazu kursieren unterschiedliche Darstellungen. Gina H. zufolge sei die Mutter drogensüchtig gewesen. Während die jüngere Schwester Reimershagen als Erwachsene den Rücken kehrte, pflegte Gina H. weiterhin enge Kontakte ins Dorf und zu den Großeltern. Nach einem Streit, so ist zu erfahren, sei der Kontakt zwischen den Schwestern bereits vor langer Zeit abgebrochen – was damals genau geschah, bleibt unklar.

Fabians Vater hegte früh einen Verdacht

Dennoch scheint Matthias R. gelegentlich mit der Schwester seiner damaligen Lebensgefährtin in Kontakt gestanden zu haben! Am 14. Oktober – ausgerechnet an dem Tag, an dem Gina H. die Leiche angeblich zufällig bei einem Spaziergang entdeckte – schickte er ihr eine Sprachnachricht über Snapchat: „Ich wollte nur noch sagen, dass deine Schwester ganz schön verdächtig ist in diesem Fall. Nur als Info. Schönen Abend noch.“ Heute ist er wieder mit Gina H. liiert und überzeugt von ihrer Unschuld.

Weitere Zeugen und BKA-Experte geladen

Der erste Verhandlungstag nach der Sommerpause hat es allerdings in sich – neben Gina H.s Schwester sind weitere Zeugen geladen. Zwei Personen sollen gehört werden, die am Tag von Fabians Verschwinden sowie drei Tage später verdächtige Fahrzeuge beobachtet haben wollen. Zudem ist ein Förster vorgeladen, der das Foto von Gina H.s Waldspaziergang am Tattag einem konkreten Ort zuordnen konnte.

Anschließend wird der Hufschmied vernommen, bei dem die Angeklagte am Tattag einen Termin gehabt haben soll. Den Abschluss bildet ein Sachverständiger des Bundeskriminalamts (BKA): Er hat über einen Zeitraum von fast zwei Jahren hunderte Sprach- und Textnachrichten zwischen allen Beteiligten ausgewertet und daraus eine Kommunikationsanalyse erstellt.