Berlin – Die Ungewissheit bei Volkswagen hält an: Während am Dienstag tausende Beschäftigte in Wolfsburg ihrem Unmut über die Sparmaßnahmen von Konzernchef Oliver Blume (58) Luft machten, werden nun interne Rettungsszenarien bekannt. Für zwei der vier gefährdeten Standorte zeichnet sich überraschend eine Perspektive ab.
Wie aus Unternehmenskreisen verlautet, besitzen die Werke in Zwickau (Sachsen) und Emden (Niedersachsen) offenbar doch eine Zukunft. Ausgerechnet am morgigen Mittwoch wird Blume im Rahmen seiner laufenden Betriebsversammlungstour beide Standorte besuchen.
Die internen Pläne zur Sicherung der beiden Standorte im Überblick:
- Emden könnte künftig auf Rüstungsgüter setzen. Vorgesehen ist demnach die Produktion von militärischem Equipment wie Drohnen oder schweren Militär-Lkw für die Bundeswehr und deren Bündnispartner. Angesichts der aktuellen Sicherheitslage ein Milliardenmarkt.
- Zwickau soll durch eine Produktionsrückverlagerung gestützt werden. Fahrzeugmodelle, die VW bislang exklusiv für den riesigen chinesischen Markt in China fertigt, könnten künftig in Sachsen vom Band laufen. Dies würde die dringend benötigte, aber bald auslaufende Auslastung sichern.
- Für die übrigen beiden Streichkandidaten (Hannover und Neckarsulm) existieren solche konkreten Konzepte bislang nicht – aufgrund der hohen Fertigungskosten dürfte es dort deutlich schwieriger werden.
„Blume hat seine Chance vertan“
Nach Wochen der Ungewissheit über die Sparpläne des kriselnden Autobauers hatte sich Blume bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg den Mitarbeitern gestellt – seine Ansprache stieß jedoch überwiegend auf Ablehnung. „Sämtliche relevanten Informationen“ über die Konsequenzen eines zusätzlichen Stellenabbaus würden weiterhin fehlen, kritisierte Gesamt- und Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo am Dienstag in einer Stellungnahme. Sie fügte hinzu: „Oliver Blume hat seine Chance also verpasst, zu sagen, was ist.“
Der Hintergrund: Nach tagelangen Spekulationen über mögliche Stellenstreichungen und Werksschließungen hatte Blume Mitte Juli in einem im Konzernintranet veröffentlichten Interview von weltweit rund 50.000 wegfallenden Arbeitsplätzen gesprochen. Nun erklärte er, dass nach aktuellem Stand „etwa die Hälfte des Anpassungsbedarfs auf Deutschland“ entfalle, „die andere international – in insgesamt rund 170 Gesellschaften“. Der Vorstand werde „auch künftig so weit wie möglich auf freiwillige Personalinstrumente setzen“.

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