Wassenberg (NRW) – Auf den ersten Blick wirkt er wie ein ganz normaler junger Mann, fast ein wenig unscheinbar. Doch hinter diesem Gesicht soll sich einer der meistgesuchten Auftragsmörder Europas verbergen: Malik A. (24) aus Köln. Die Anklage der Ermittler wiegt schwer: Der Deutsch-Türke soll für einen vollendeten Mord und zwei versuchte Tötungsdelikte verantwortlich sein – eingesetzt wurden dabei sowohl Handfeuerwaffen als auch eine Panzerabwehrrakete.
Bereits vor drei Monaten wurde der Hells-Angels-Rocker Ömer (†37) in Wassenberg (Nordrhein-Westfalen) Opfer mehrerer Schüsse. Drei Tatverdächtige im Alter von 23, 24 und 26 Jahren befinden sich inzwischen in Untersuchungshaft. Der entscheidende Durchbruch in den Ermittlungen gelang den Behörden eher durch Zufall – und führte über zwei frühere Anschläge in Dänemark und Köln letztlich zu Malik A.

Der erste Hinweis auf Malik A. führte die Fahnder nach Dänemark. In der Nacht zum 23. April wurde nahe Kopenhagen ein Anschlag auf die Familie eines dänischen Hells Angels verübt. Die dortige Polizei identifizierte den 24-jährigen Kölner als einen der Tatverdächtigen.
Angriff mit Panzerabwehrrakete auf Rocker-Anwesen
Gemeinsam mit sechs Komplizen soll Malik A. aus lediglich 15 Metern Entfernung eine Panzerabwehrrakete auf das Reihenhaus des Rockers abgefeuert haben. Wie dänische Medien berichten, versagte der Sprengkopf jedoch beim Aufprall – ein Glücksfall, denn so überlebten eine Frau und drei Kinder in dem Gebäude unversehrt.
Die dänischen Ermittler baten ihre deutschen Kollegen um Unterstützung. Am 10. Juni drang ein Spezialeinsatzkommando um 6 Uhr morgens in die Wohnung von Malik A. am Goslarer Weg in Köln ein. Bei der anschließenden erkennungsdienstlichen Behandlung folgte die Überraschung: Seine Fingerabdrücke stimmten mit Spuren überein, die bei einem versuchten Mordanschlag in Köln sichergestellt worden waren – die Festnahme war perfekt.
Schüsse auf Mehrfamilienhaus in Köln
Bei der Durchsuchung seines Fahrzeugs entdeckte die Polizei kurz darauf eine Pistole, eine Sturmhaube sowie mehrere Autokennzeichen. Gegen Malik A. wurde Haftbefehl wegen versuchten Mordes aus Heimtücke erlassen: In der Nacht zum 8. Juni soll er zusammen mit einem Komplizen auf ein Mehrfamilienhaus in der Vogesenstraße in Köln-Bilderstöckchen gefeuert haben. Obwohl Geschosse auch in der Wohnung gefunden wurden, blieben die beiden Bewohner (70, 71) unverletzt. Nach Erkenntnissen der Ermittler galt der Anschlag vermutlich dem Sohn des Ehepaars, der Verbindungen ins kriminelle Milieu haben soll. Für die Fahnder rückte Malik A. damit endgültig in den Mittelpunkt – als Verdächtiger in gleich zwei Mordfällen. Doch die Ermittlungen sollten noch weitere Erkenntnisse zutage fördern.
DNA-Beweis führt zum Mord an Hells Angel
Ein DNA-Abgleich brachte die Ermittler schließlich auf die Spur einer dritten Tat – einer, die tödlich endete. Am Abend des 11. Mai wurde Hells Angel Ömer vor seinem Haus in Wassenberg durch mehrere Schüsse getötet. Der Familienvater verstarb noch am Tatort. Wie The Pik erfuhr, konnten die Ermittler an einer Patronenhülse DNA-Rückstände des mutmaßlichen Schützen sichern. Mitte Juli dann der entscheidende Treffer: Auch an diesem Mord soll A. beteiligt gewesen sein.

Da sich Malik A. bereits in Untersuchungshaft befand, wurde ihm der Haftbefehl wegen Mordes in der Justizvollzugsanstalt übergeben. Sein mutmaßlicher Mittäter Tom K. (23) befindet sich ebenfalls in Haft – zuvor hatte er versucht, in Radevormwald (NRW) einen Kiosk auszurauben. Darüber hinaus nahmen die Ermittler einen 26-jährigen Deutschen fest. Laut Staatsanwaltschaft Aachen soll er Malik A. und dessen Komplizen gegen Bezahlung den Auftrag erteilt haben, Rocker Ömer zu töten – es wäre für Malik A. der dritte Auftrag innerhalb von drei Monaten gewesen.



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