An der Spitze eines der ärmsten Länder der Erde stehend, gewinnt Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un (42) zunehmend an internationalem Gewicht – und findet dabei ausgerechnet in Russlands Präsident Wladimir Putin (73) einen wichtigen Verbündeten.

Der Kreml-Chef unterstützt Kims Regime mit umgerechnet rund zwölf Milliarden Euro binnen zwei Jahren, dazu mit Öl und technologischer Hilfe. Im Gegenzug beteiligt sich Nordkorea immer intensiver am Ukrainekrieg. Pjöngjang liefert Raketen, Millionen Artilleriegranaten und schickte in einer ersten Welle beinahe 15.000 Soldaten. Nun sollen weitere bis zu 50.000 Nordkoreaner für Putin in den Kampf ziehen.

Für den Nordkorea-Experten Eric Ballbach (47) liegt die Motivation klar im Machtstreben. Russlands Offensive diene Nordkorea als „Testfeld für Waffen und Soldaten“, erläutert Ballbach. Die Nordkoreaner sammelten dort Erfahrungen „im modernen Gefecht, insbesondere im Bereich Drohnen und elektronische Kriegsführung“ sowie „im Umgang mit (von Russland erbeuteter, die Red.) westlicher Ausrüstung“.

Doch es gehe nicht allein um Kampferfahrung. Der pensionierte südkoreanische General Chun In-bum (67) betont, entscheidend sei, was Kim letztlich daraus gewinne. Besonders der „russische Wissens- und Technologietransfer“ sei von Bedeutung, so Chun – also die technische Unterstützung Moskaus bei der weiteren Aufrüstung Nordkoreas und anderen Vorhaben. Langfristig könnte dies sogar „größere Auswirkungen haben als die Kampferfahrung selbst“, warnt Chun.

Bereits jetzt hilft Russland Nordkorea beim Raketenbau und dessen Weltraumprogramm. Wie weit Pjöngjangs Raketenfähigkeiten fortgeschritten sind, zeigte sich zuletzt in der Nacht auf Mittwoch, als Nordkorea erneut eine ballistische Rakete ins Meer vor Japan abfeuerte. Zudem unterstützt Russland – unter anderem als Mitglied des UN-Sicherheitsrats – Nordkorea dabei, internationalen Druck abzumildern und Sanktionen zu umgehen. Putin und Kim: zwei skrupellose Diktatoren, die die Weltordnung herausfordern.

Nordkoreas Kim feuert immer mehr Raketen ab
Quelle: Aus dem Internet

Nordkoreas wachsender Machtanspruch und die unheilvolle Allianz mit Putin bereiten auch Europa zunehmend Sorgen. Zwar liege die Gefahr „weniger in einer direkten militärischen Auseinandersetzung“, dennoch stelle Nordkorea für Europa „bereits heute eine unmittelbare sicherheitspolitische Herausforderung“ dar, erklärt Experte Ballbach. Durch die „militärische Unterstützung Russlands“ nehme Kims Armee schon jetzt „aktiv Einfluss auf Sicherheitsdynamiken in Europa“.

Noch unmittelbarer zeigt sich die Bedrohung in Asien. Ex-General Chun warnt, russische Technologie und Kampferfahrung könnten bestehende nordkoreanische Verbände „wesentlich effektiver“ machen. Insbesondere Drohnen in „sehr großen Stückzahlen“ könnten zu einer „ernsthaften Herausforderung für die südkoreanischen und US-amerikanischen Streitkräfte“ werden.

Dr. Eric J. Ballbach ist deutscher Politikwissenschaftler und Nordkorea-Experte an der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf der Sicherheitspolitik der Koreanischen Halbinsel.

Chun In-bum ist ein pensionierter Generalleutnant der südkoreanischen Armee und früherer Kommandeur der südkoreanischen Spezialkräfte. Heute wirkt er als Senior Fellow bei der Association of the U.S. Army (AUSA) und analysiert vor allem Nordkoreas Militärstrategie sowie die Sicherheitslage auf der Koreanischen Halbinsel.