Hamburg – Wenn Yasmina Filali (50) heute lächelt, ist ihr nicht anzusehen, welches Leid sich hinter ihrer Fröhlichkeit verbirgt. Nun spricht die Schauspielerin und Ehefrau von Fußballlegende Thomas Helmer (61) erstmals offen über eine Kindheit voller Qual, Brutalität und Furcht. Ein Schicksal, das mit einer zerrütteten Familie seinen Anfang nahm – und in einem Hamburger Kinderheim seinen tragischen Tiefpunkt erreichte.

Der Vater verließ die Familie, als sie zwei Jahre alt war
Der Auslöser war jener Tag, an dem ihr Vater Egon (†59) die Familie verließ. Die Trennung habe besonders bei ihrer Mutter Malika (75), einer Marokkanerin, tiefe seelische Wunden hinterlassen. Es geschah an einem Winterabend, als Yasmina Filali gerade zweieinhalb Jahre zählte: „Meine Mutter und ich kamen nach Hause, und plötzlich war unsere gesamte Wohnung komplett leer geräumt.“ Was war geschehen? „Mein Vater war Hals über Kopf bei uns ausgezogen! Er war weg und hatte alles mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest war. Meine Mutter stand mit mir völlig fassungslos in der dunklen Küche“, schildert Filali. Nicht nur Möbel und Lampen fehlten – sogar Steckdosenabdeckungen hatte er entfernt.

Als ihre Mutter aus dem Fenster über den Innenhof blickte, entdeckte sie auf der gegenüberliegenden Seite plötzlich ihre eigene Küchenlampe. Yasmina: „Mein Vater war genau gegenüber mit seiner neuen Freundin eingezogen.“ Für Filali bis heute unfassbar: „Das war so abgebrüht von ihm!“
Filalis Vater starb an den Folgen von Alkohol
Nach der Trennung habe ihr Vater das Umgangsrecht mit seiner Tochter nur eingeklagt, um ihrer Mutter zu schaden: „Als ich sechs war, musste ich jedes zweite Wochenende zu ihm, obwohl ich das nicht wollte.“ Statt Zeit mit seiner Tochter zu verbringen, habe sie oft stundenlang gewartet, bis ihr Vater und dessen Partnerin ihren Rausch ausgeschlafen hatten: „Am Ende sind sie kurz hintereinander an den Folgen des jahrelangen Alkoholmissbrauchs gestorben. Er wurde gerade einmal 59 Jahre alt.“

Mit zehn Jahren floh sie auf die Reeperbahn
Ihre Mutter sei damals völlig auf sich allein gestellt gewesen, erzählt der TV-Star. Kein Unterhalt, keine Familie in Deutschland, keine Unterstützung. Mit zehn Jahren hält Yasmina es zu Hause nicht mehr aus. Eines Tages geht sie nach der Schule nicht nach Hause. Filali: „Ich bin ausgerissen. Ich dachte, ich verstecke mich dort, wo richtig viel los ist – nämlich auf der Reeperbahn. Dort wurde ich dann von der Polizei aufgegriffen.“ Sie kam in ein Übergangsheim, wollte aber auf keinen Fall zurück zu ihrer Mutter. „Es war meine Entscheidung, mein Zuhause zu verlassen.“ Ihre Mutter sei mit der Situation einfach überfordert gewesen.

Kurz darauf wurde Yasmina in einer anderen Einrichtung untergebracht. „Ich bin mit knapp elf Jahren ins Heim gekommen und bin dort geblieben, bis ich 18 wurde. Ich war im Rauhen Haus in Hamburg. Ich sage immer: Da war der Name Programm.“
Die Zeit im Heim war für Yasmina Filali eine Qual
Was sie dort erlebte, erschütterte sie: „Es gab Geschrei, Gejammer, Gewalt, Drogen und Alkohol, das kannte ich bis dahin überhaupt nicht. Ich wollte bei Konflikten mit anderen gerne die Problemkerze anzünden und darüber reden, aber sie wollten mir lieber die Faust ins Gesicht schlagen. Ich war total schockiert.“ Doch das war nicht alles: Ein Heim-Mädchen habe damals sogar als Domina auf der Hamburger Herbertstraße gearbeitet.

Nachts schlug man ihr ein Telefon ins Gesicht
Dann kam die Nacht, die sie nie vergessen wird: „Eines der ersten Traumata war, als man mir im Schlaf mit einem Telefon meine vorderen Zähne und meine Nase eingeschlagen hat. Es gab keinen Grund dafür. Aber irgendjemand aus dem Heim hat mir mit einem eierschalenfarbenen Tasten-Telefon nachts um 3 Uhr ins Gesicht geschlagen.“ Die Schauspielerin berichtet weiter: „Mir sind meine beiden Vorderzähne und ein Schneidezahn abgebrochen.“ Die Zähne konnten später mit Kronen versorgt werden. „Und meine Nasenscheidewand war angeknackst.“ Es folgten zwei Operationen. Es sei ihre erste Begegnung mit Gewalt gewesen – aber nicht die letzte.
Filali weiter: „Ich habe im Heim gelernt: Entweder du bist das Opfer oder du bist der Täter! Es gibt nichts dazwischen. Irgendwann habe ich gelernt, als Erster zuzuschlagen, dann hatte ich meine Ruhe. Ich wollte einfach kein Opfer mehr sein.“
Die damaligen Erfahrungen prägen auch ihren Blick auf Kinder und Jugendliche, die heute in öffentlichen Einrichtungen leben: „Der Bedarf an Betreuung und Unterstützung ist gestiegen, aber die Ämter und Einrichtungen sind am Rande ihrer Kapazitäten und Kräfte. Alle Beteiligten brauchen mehr Aufmerksamkeit, mehr Unterstützung und Wohlwollen aus der Bevölkerung und der Politik.“ Und weiter: „Es schmerzt mich zu sehen, dass die Not der Kinder und Jugendlichen in öffentlichen Einrichtungen in den letzten Jahren sogar noch gewachsen ist.“
Die Angst begleitet sie bis heute
Die Folgen ihrer Kindheit verfolgen Filali bis heute. „Wenn man einmal aus dem Tiefschlaf so geweckt wird, dann schläft man nie wieder in seinem Leben tief.“ Ihr Körper sei bis heute selbst im Schlaf in Alarmbereitschaft. Bis heute habe sie einen randvollen Kühlschrank – weil im Heim nach dem Essen alles weggeschlossen wurde. Selbst ihr Handtuch nehme sie manchmal noch mit ins Bett, weil sie sich das im Heim so angewöhnt habe.

„Ich habe einen absoluten Überlebenswillen“
Ihr starker Überlebenswille habe sie durch all die dunklen Jahre getragen: „Ich bin danach in die Welt rausgegangen und dachte: Wenn ich das Heim überlebt habe, dann kann mich nichts und niemand mehr erschüttern. Ich bin eigentlich ziemlich gefestigt da rausgegangen.“

Heute hat Yasmina Filali das gefunden, was sie als Kind so schmerzlich vermisste: eine eigene Familie. Sie sagt: „Ich mag vielleicht nicht das ganz große Los mit der Familie gezogen haben, in die ich hineingeboren wurde, aber ich sage immer: Meine Kinder und meine Freunde sind Gottes Entschuldigung dafür. Durch meine Kinder bin ich mit meinem Leben versöhnt.“
Das Hamburger Heim erklärte auf Anfrage, zu den von Filali geschilderten Erfahrungen zunächst keinen Bezug nehmen zu können.





%2520aus%2520der%2520Bank%2520t%25C3%25B6tete%2520Filialleiter%2520(58)%2Fgunter-p-58-starb-nach-dem-angriff-in-seiner-bankfiliale.png&w=1200&q=75)




