Der Projectivy Launcher befreit die Startseite von Android TV, Google TV sowie kompatiblen Fire-TV-Geräten von sämtlicher Werbung und ersetzt sie durch eine komplett werbefreie Benutzeroberfläche.


Google und Amazon nutzen die Startseiten ihrer modernen Fernseher längst intensiv als Werbefläche. Mit dem Projectivy Launcher lässt sich dieser Ballast auf passenden Geräten wieder beseitigen. Das Tool ist sowohl in einer kostenlosen als auch in einer Premium-Version erhältlich.

Startseite oder digitale Werbefläche?

Eine TV-Startseite sollte eigentlich dazu dienen, Apps zu öffnen und zu verwalten. Bei Amazon und Google gleicht sie jedoch eher einer digitalen Litfaßsäule. Google TV und Fire TV platzieren unaufgefordert Empfehlungen, Leihfilme, Kaufangebote und gesponserte Kacheln ganz oben im Bild. Anwendungen wie PlexSmartTubeKodi oder der bevorzugte Streamingdienst müssen sich dahinter einreihen.

Das wäre bereits störend genug. Doch mit jeder zusätzlichen Reihe wird die Bedienoberfläche auch spürbar langsamer. Gerade ältere Fernseher wirken dadurch weit früher veraltet, als sie technisch gesehen sind. Man erwirbt einen Fernseher und erhält eine kaum abschaltbare Werbefläche gleich mit dazu.

Der Projectivy Launcher präsentiert nur das Wesentliche

Die Software Projectivy Launcher übernimmt die Rolle der gewohnten Startseite von Android TV und Google TV. Die installierten Anwendungen lassen sich in frei anordenbaren Reihen und Kategorien ablegen. Kacheln können verschoben, ausgeblendet oder in ihrer Größe angepasst werden. Der Launcher selbst enthält keinerlei Werbung.

Bereits nach dem ersten Start ist der Unterschied unmittelbar erkennbar. Statt einer Serie, die ein Anbieter gerade bewerben möchte, zeigt das Tool die tatsächlich installierten Apps des Geräts an. Wer lediglich fünf Programme nutzt, kann die Oberfläche exakt auf diese fünf Programme beschränken.

TV-Kanäle, HDMI-Eingänge und die bekannte „Weiterschauen“-Reihe kann der Projectivy Launcher dennoch übernehmen. Kategorien lassen sich wahlweise als Reihe oder als Raster darstellen. Das Ergebnis wirkt aufgeräumt und läuft auf älteren Android-TV-Boxen in der Regel flüssiger als die überladene Herstelleroberfläche.

Keine Werbung, kein Schnick-Schnack, dafür alle installierten Tools auf einen Blick.
Quelle: Privat

Die Gratisversion von Projectivy genügt für eine aufgeräumte Startseite

Für den eigentlichen Zweck muss niemand Geld ausgeben. Die kostenlose Version erlaubt die Verwaltung von Apps, Kategorien und wichtigen Einstellungen. Damit verschwinden lästige Werbung und ungefragte Empfehlungen endgültig aus dem Sichtfeld.

Premium ist ein einmaliger Kauf und kein Abonnement. Es schaltet eigene Bilder, GIFs und Videos als Hintergrund frei, bietet zusätzliche Anpassungsmöglichkeiten für Symbole und Schrift und aktiviert die Kindersicherung. Für verschiedene Wallpaper-Quellen gibt es außerdem Plug-ins zur Erweiterung. Die Plugins selbst können kostenlos sein, als Hintergrundquelle funktionieren sie inzwischen jedoch nur mit der Premium-Version. Wer solchen Schnick-Schnack nicht benötigt, muss folglich nichts kaufen. Wer den Entwickler Spocky dennoch unterstützen möchte, kann ihm über Ko-Fi eine Spende zukommen lassen.

Viele Nutzer brauchen keine zusätzlichen Funktionen. Sie wünschen sich schlicht eine saubere und werbefreie Oberfläche. Dafür sind weder animierte GIFs noch ein neues Symbolpaket erforderlich. Die Gratisversion erfüllt diese Aufgabe bereits zur vollsten Zufriedenheit. Bei außergewöhnlichen Problemen kann man sich über GitHub an den Entwickler wenden. Alternativ lässt sich die Frage auf Englisch bei Reddit oder bei xdaforums stellen.

Der Wechsel bei Android TV gestaltet sich unkompliziert

Projectivy ist im Google Play Store für Android TV und Google TV verfügbar. Nach der Installation führt die App automatisch durch die wichtigsten Einstellungen. Unter den allgemeinen Optionen kann sie die vorhandene Startseite überschreiben. Je nach Gerät wird dafür der Bedienungshilfedienst angefordert. Laut Entwickler benötigt Projectivy diesen Dienst für die Navigation und die frei belegbaren Tasten der Fernbedienung.

Auf vielen Android-TV-Boxen und Google-TV-Geräten führt die Home-Taste anschließend direkt zu Projectivy. In der Regel bleibt der Launcher auch nach einem Neustart aktiv. Manche Hersteller sperren den Wechsel jedoch stärker oder setzen nach einem Systemupdate wieder ihre eigene Startseite durch. Dies hängt vom Gerät ab und ist nicht grundsätzlich Projectivy anzulasten.

Zum Ausprobieren muss die alte Oberfläche nicht entfernt werden. Projectivy lässt sich zunächst wie jede andere App starten. Wenn alles passt, wird die Überschreibung aktiviert. Sollte der Projectivy Launcher nicht gefallen, lässt sich das genauso einfach wieder rückgängig machen.

Fire TV erfordert wieder Handarbeit

Wie bei vielen guten Apps ist Projectivy auch im Amazon Appstore für Fire-TV-Geräte mit Fire OS nicht verfügbar. Die APK muss per Sideload auf den Stick oder den Fire TV geladen werden. Dafür eignet sich der Downloader von AFTVnews. In den Entwickleroptionen muss vorher die Installation unbekannter Apps für den Downloader freigegeben werden, da diese ansonsten nach dem Herunterladen nicht direkt installiert werden kann.

Danach sollte man direkt die aktuelle APK aus dem offiziellen GitHub-Repository laden. Die bekannten Zahlencodes im Downloader sind lediglich gekürzte Weiterleitungen. In älteren Anleitungen zeigen sie deshalb teilweise noch auf Projectivy 4.68 oder eine noch ältere Ausgabe, obwohl 4.71 die aktuelle Version ist. Es gibt keinen Grund, sich absichtlich eine veraltete Version zu installieren. Es wurde nichts verschlimmbessert, man hat auch sonst nichts negativ verändert.

Nach der Installation sollte Projectivy zusätzlich in die Schnellstartleiste aufgenommen werden. Das spart den Umweg durch Amazons Oberfläche, wenn der automatische Start wieder einmal aussetzt. Bei unseren Tests ist das schon häufiger passiert. Wir nutzten dafür allerdings Fire TV und keinen Fire TV Stick. Auf den Sticks kann es je nach Modell und Fire-OS-Version anders aussehen.

Fire OS wehrt sich deutlich hartnäckiger gegen alternative Launcher als klassisches Android TV. Projectivy läuft nach dem Öffnen sauber. Doch über die Home-Taste landet man trotzdem womöglich wieder auf Amazons Startseite. Eine Autostart-App wie „Start on Boot“ hilft nach dem Hochfahren, greift aber nicht nach jedem Amazon-Update zuverlässig. Es ist wie mit dem Licht: Manchmal funktioniert es, manchmal nicht.

Fire Tv Stick Projectivy Launcher
Quelle: Privat

Vega OS sperrt sämtliche Android-Apps aus

Inzwischen spielt auch das Betriebssystem eine entscheidende Rolle beim Fire TV. Fire OS basiert auf Android und kann APK-Dateien ausführen. Bei neuen Geräten mit Vega OS ist damit Schluss. Vega ist eine von Amazon entwickelte Plattform, die grundsätzlich keine Android-APKs unterstützt. Projectivy lässt sich dort weder mit dem Downloader noch über ADB nachinstallieren.

Amazon setzt bei Vega auf React Native und eigene Entwicklerwerkzeuge. Vor dem Kauf reicht es deshalb nicht mehr aus, nur den Modellnamen zu prüfen. Auf dem Gerät muss ausdrücklich Fire OS laufen. Vorhandene Fire TVs werden durch Vega übrigens nicht automatisch auf das neue System umgestellt.

Projectivy Launcher: Roku, Tizen und webOS bleiben außen vor

Projectivy ist eine Android-TV-App. Roku, Samsung Tizen und LG webOS verwenden jedoch andere App-Formate und lassen keinen Android-Launcher als Ersatz für ihre Startseite zu. Auch der Downloader kann daran leider nichts ändern.

Auf solchen Fernsehern bleibt nur die Option, ein externes Gerät mit Android TV oder Google TV zu nutzen. Dann läuft Projectivy auf der angeschlossenen Box, während das Betriebssystem des Fernsehers im Hintergrund verschwindet. Das ist bei einem älteren Smart-TV oft günstiger als ein Neukauf. Außerdem läuft es schneller als die eingebaute Oberfläche.

Mehr braucht man von einer Startseite nicht

Der Projectivy Launcher vollbringt kein technisches Kunststück. Nach dem Einschalten stehen wieder die eigenen Apps im Vordergrund. Werbung, Kaufempfehlungen und fremde Serien verschwinden. Das klingt nach wenig, macht im Alltag aber einen erstaunlich großen Unterschied.

Auf Android TV und Google TV ist der Wechsel über den Play Store schnell erledigt. Wie gesagt, bei Fire TV mit Fire OS ist mehr Handarbeit erforderlich, zudem kann es nach Amazon-Updates zu Problemen kommen. Davon sollte man sich aber nicht abhalten lassen. Die App bleibt installiert und wird auch genutzt.

Die kostenlose Fassung genügt dafür vollkommen. Premium lohnt sich erst für eigene Hintergründe, Symbolpakete oder die zusätzlichen Einstellungen. Besitzer von Vega-Geräten, Roku, Tizen und webOS bleiben bei dieser Lösung leider außen vor. Für alle anderen ist Projectivy eine der einfachsten Möglichkeiten, den Fernseher wieder wie ein eigenes Gerät aussehen zu lassen und nicht wie das Schaufenster des Herstellers.