Nach dem Tod ihres 53-jährigen Sohnes standen seine Eltern plötzlich vor einem großen Problem: Sie hatten ihren wichtigsten Helfer verloren. Das Ehepaar aus Mecklenburg-Vorpommern, beide 86 Jahre alt und gesundheitlich stark beeinträchtigt, lebt in einem Pflegeheim. Der gelernte Banker hatte sich jahrelang um sämtliche Angelegenheiten gekümmert – von Bankgeschäften über Verträge bis hin zu Behördengängen und dem gesamten Schriftverkehr. Vieles davon erledigte er digital über sein Notebook und Smartphone. Nach seinem Tod stand die Familie jedoch vor einem Rätsel: Die Geräte waren gesperrt und wichtige Unterlagen kaum auffindbar. Niemand wusste mehr genau, welche Konten existierten oder welche Verträge noch liefen. „Plötzlich ging gar nichts mehr“, erinnert sich eine Verwandte des betroffenen Paares.
Es begann eine aufwendige Suche. Die Angehörigen durchforsteten Aktenordner, Briefe und sämtliche Unterlagen. Sie nahmen Kontakt zu Banken auf und versuchten herauszufinden, welche Konten überhaupt vorhanden waren. Bis heute besteht Unklarheit: „Wir wissen immer noch nicht, ob wir wirklich alle Konten gefunden haben“, so die Angehörige.
Dieser Fall verdeutlicht ein Problem, das in Deutschland Millionen von Menschen betreffen kann: Stirbt jemand, wissen die Hinterbliebenen oft nicht, welche Konten es gibt. Besonders problematisch wird es, wenn ausgerechnet die Person stirbt, die in der Familie sämtliche organisatorischen und verwaltenden Aufgaben übernommen hatte.
Milliarden auf vergessenen Konten
Schätzungen zufolge liegen allein in Deutschland Milliardenbeträge auf sogenannten nachrichtenlosen oder vergessenen Konten. Dabei handelt es sich um Konten, Sparbücher oder Depots, deren Existenz oft niemandem mehr bekannt ist. In vielen Fällen sind die Inhaber verstorben.
Besonders kompliziert gestaltet sich die Suche heutzutage, da viele Menschen ihre Bankgeschäfte ausschließlich online abwickeln. Kontoauszüge werden nicht mehr postalisch zugestellt, Dokumente liegen in der Cloud und wichtige Hinweise verstecken sich in E-Mail-Postfächern. Was nicht auf Papier existiert, bleibt für Angehörige nach einem Todesfall häufig unsichtbar.
So spüren Angehörige Konten und Verträge auf
Für viele Familien beginnt nach einem Todesfall eine mühsame Spurensuche. Oft ist unklar, welche Konten existieren, welche Verträge laufen oder wo wichtige Unterlagen gespeichert sind. Bei der anfänglichen Suche helfen folgende Tipps:
Löschen Sie keine Smartphones, PCs oder Tablets. Auf diesen Geräten können wichtige Informationen liegen, die nach dem Löschen oder Zurücksetzen unwiederbringlich verloren sind.
Haben Sie noch Zugriff auf die Geräte, prüfen Sie die E-Mail-Konten. Dort finden sich häufig Registrierungsbestätigungen, Kontoauszüge, Rechnungen und Vertragsunterlagen. Dadurch lässt sich oft nachvollziehen, bei welcher Bank die Konten geführt werden.
Passwort-Manager können Angehörigen ebenfalls helfen. Viele Menschen speichern dort Zugangsdaten für Bankkonten, Online-Shops, Cloud-Speicher oder Versicherungen.
Apple, Google und Microsoft: Die Schaltzentralen des digitalen Lebens
Ein weiterer wichtiger Schritt: Erben können Zugriff auf die Konten bei Google, Apple und Microsoft beantragen. Diese enthalten oft E-Mails, Fotos, Dokumente, Cloud-Speicher und sogar gespeicherte Passwörter. So gehen Sie vor:
Microsoft: Angehörige können beim Microsoft-Support einen Antrag auf Zugang zu den Daten eines Verstorbenen stellen. Dafür verlangt Microsoft unter anderem die Sterbeurkunde und den Erbschein.
Apple: Der Apple-Support ermöglicht Hinterbliebenen den Zugriff auf die Daten eines Verstorbenen. Voraussetzung sind in der Regel die Sterbeurkunde und der Erbschein.
Google: Google überträgt Hinterbliebenen nicht automatisch die Kontrolle über das gesamte Konto. Angehörige können jedoch die Herausgabe bestimmter Daten beantragen. Dafür sind in der Regel die Sterbeurkunde, der Erbnachweis und gegebenenfalls weitere Dokumente erforderlich.
So finden Sie unbekannte Bankkonten
Nicht immer kennen Angehörige die Bankverbindungen des Verstorbenen. Wer keine Kontoauszüge, Vertragsunterlagen oder Hinweise in E-Mails findet, kann bei den Bankenverbänden Nachforschungen anstoßen.
Private Banken (etwa Deutsche Bank, Commerzbank, Santander): Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) unterstützt bei der Suche nach möglichen Kontoverbindungen. Angehörige müssen ihre Erbberechtigung nachweisen, etwa mit dem Erbschein oder einem eröffneten Testament. Anfragen sind per E-Mail an [email protected] oder per Post an den Bundesverband deutscher Banken e.V., Postfach 040307, 10062 Berlin möglich.
Sparkassen: Über den Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) können Angehörige Nachforschungen veranlassen. Dafür sind Angaben zum Verstorbenen sowie der Erbschein erforderlich. Anfragen können an [email protected] gerichtet werden.
Volksbanken und Raiffeisenbanken: Hier gibt es keine zentrale Suchstelle für ganz Deutschland. Angehörige müssen sich an die für das Bundesland zuständige Bank wenden. Über die Verbandsseite lässt sich das passende Institut finden.
So erleichtern Sie Ihren Angehörigen den Zugriff
Viele Probleme lassen sich vermeiden, wenn Nutzer schon zu Lebzeiten vorsorgen. Sowohl Google als auch Apple bieten spezielle Nachlassfunktionen an, mit denen Vertrauenspersonen im Todesfall einfacher Zugriff auf wichtige Daten bekommen:
Google: Mit dem Kontoinaktivitäts-Manager legen Nutzer fest, was mit ihrem Konto passieren soll, wenn es über längere Zeit nicht genutzt wird. Dabei können auch bestimmte Personen benannt werden, die auf ausgewählte Daten zugreifen dürfen.
Apple: Apple bietet die Funktion Nachlasskontakt an. Damit können Nutzer festlegen, wer nach ihrem Tod auf die Daten im Apple-Konto zugreifen darf. Die benannte Person benötigt später zusätzlich die Sterbeurkunde.

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