Berlin – Ein beispielloser Sicherheitsvorfall erschüttert die Hauptstadt: Nur wenige Tage nach dem blutigen Terroranschlag auf den Christopher Street Day, bei dem eine Frau getötet und über 30 Menschen verletzt wurden, musste die Führung der Berliner Polizei intern ein gravierendes Problem einräumen. 5200 ballistische Schutzplatten werden aus dem Verkehr gezogen – ihre Schutzwirkung ist offenbar nicht mehr gewährleistet.
Bei den betroffenen Bauteilen handelt es sich um Keramikplatten der Schutzklasse 4, die jeweils zwischen zwei und drei Kilogramm wiegen. Sie werden von Beamten in die Westen eingesetzt, wenn Einsätze mit hohem Risiko drohen – etwa bei Amokläufen, Terrorlagen oder Konfrontationen mit schwer bewaffneten Gruppen aus dem Milieu der organisierten Kriminalität. Auch Angriffe mit Jagdgewehren oder illegal erworbenen Sturmgewehren zählen zu den Bedrohungsszenarien.

Beschusstest nicht bestanden
Die Rückrufaktion betrifft Schutzplatten des Herstellers Rheinmetall aus dem Produktionsjahr 2017, Modell KINS.0087 D T04 C01. Wie aus internen Kreisen verlautet, wurde die sogenannte „Nutzungsuntersagung“ bereits am 29. Juli ausgesprochen. In einem polizeiinternen Dokument wird als Begründung angeführt: „Grund dafür ist ein Nichtbestehen von Beschusstests durch das Beschussamt Mellrichstadt.“
Ein weiteres internes Rundschreiben präzisiert: „Dabei zeigte sich, dass die ursprünglich zugesicherte Schutzwirkung nicht mehr in allen Fällen zuverlässig gewährleistet werden kann. Vorsorglich und für die Sicherheit aller Kolleginnen und Kollegen werden diese Einschubplatten daher aus dem Einsatz genommen und weiteren Prüfungen unterzogen.“
Wie viele Beamte betroffen sind, ist unklar
Wie viele Polizistinnen und Polizisten in Berlin konkret von dem Mangel betroffen sind, kann Polizeisprecher Jörn Iffländer nicht beziffern. Die Ursache dafür liegt in der Ausgabepraxis: Ein Teil der SK4-Platten wurde persönlich zugewiesen, andere Exemplare werden von mehreren Beamten je nach Bedarf gemeinsam genutzt.
Iffländer erläutert: „Durch eine Umverteilung von hartballistischen Platten der Produktionsjahre 2018 und 2019 sowie eine stärkere Nutzung von Pool- anstelle persönlicher Ausstattungen ist der ballistische Schutz der Einsatzkräfte weiterhin gewährleistet.“
Wöchentliche Treffen mit Rheinmetall
Um das erhebliche Problem zügig zu beheben, haben die Verantwortlichen nun einen engen Austausch mit dem Hersteller etabliert. Polizei und Rheinmetall kommen dafür wöchentlich zusammen. Der Sprecher ergänzt: „Darüber hinaus wurde unmittelbar die Beschaffung von 2000 zusätzlichen hartballistischen Platten beauftragt.“ Damit wäre allerdings weniger als die Hälfte der aus dem Verkehr gezogenen Schutzplatten ersetzt ...








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