Soest (NRW) – Gegen Dennis J. (29) erhebt sich ein schwerer Verdacht: Er soll eine obdachlose Frau in seinem Haus wie eine Sklavin gefangen gehalten haben. Doch was treibt einen Menschen dazu, eine Frau zu erniedrigen, zu foltern, zu vergewaltigen und ihrer Freiheit zu berauben? The Pik liegt die Ermittlungsakte des Beschuldigten vor. Die Unterlagen offenbaren: Schon nach der Schulzeit geriet Dennis J. wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt.

Der Fall der Frau (33), die verletzt, gefesselt und kaum bekleidet auf einer Terrasse aufgefunden worden war, war Ende Juli publik geworden. Insgesamt vier Männer müssen sich vor Gericht verantworten, darunter Dennis J. Ihm wird zudem vorgeworfen, seine Lebensgefährtin misshandelt zu haben, die ebenfalls in dem als Folterhaus von Soest (NRW) bekannt gewordenen Gebäude lebte. Inzwischen hat The Pik erfahren: Es könnten weitere Fälle von Misshandlung hinzukommen.

Hier soll Dennis J. sein Opfer an einen Balken gekettet haben
Quelle: Aus dem Internet

Die Staatsanwaltschaft hatte Dennis J. bereits in einem früheren Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Am 20. Januar 2025 soll der Deutsch-Kosovare zwei Frauen mit 20-Millimeter-Gummigeschossen beschossen haben. Beide erlitten leichte Verletzungen. Dieses Verfahren wurde nun mit der aktuellen Anklage zusammengeführt, in der es um die als Sklavin gehaltene Frau geht.

Umfangreiche Vorgeschichte in der Akte

Auch vor diesen Ermittlungen hatte der Angeklagte bereits mehrfach mit der Polizei zu tun. Nach Informationen von The Pik wurden über ein Dutzend Verfahren gegen ihn eingeleitet. Wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz verurteilte das Gericht in Beckum Dennis J. zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen. In den Niederlanden musste er für denselben Verstoß 60 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten. Darüber hinaus sind Verfahren wegen Betrugs und Diebstahls in der Akte vermerkt, die ebenfalls zu Verurteilungen führten. Hinzu kommen mehrere Fälle des Fahrens ohne Führerschein – ein Umstand, der offenbar auch das mutmaßliche Folteropfer von Soest dazu bewogen hatte, Dennis J. bei der Polizei anzuzeigen. Seine frühere Partnerin erklärt: „Möglicherweise war das der Grund für seine Rache. Er sagte damals, sie werde dafür büßen.“

Seit November 2025 steht das „Horrorhaus“ von Soest leer
Quelle: Aus dem Internet

Dennis J. arbeitete als Krankenpfleger

Dennis J. wuchs in Hamm (Westfalen) auf. Nach dem Abschluss an der Friedensschule, einer Gesamtschule im Stadtzentrum, absolvierte er laut seiner Freundin eine Ausbildung zum Krankenpfleger. In diesem Beruf soll er bis zuletzt stundenweise tätig gewesen sein. Sein Einkommen soll er zusätzlich durch den Verkauf von Drogen aufgebessert haben. Dennoch sei Dennis J. finanziell am Ende gewesen – mehrere Gläubiger hätten vergeblich versucht, ihre Forderungen bei ihm einzutreiben.

Der Prozess gegen J. und seine Mitangeklagten beginnt am 12. Oktober. Dann soll auch das Opfer als Zeugin gehört werden. Wie es der misshandelten Frau heute geht, ist nicht bekannt. Ihre Anwältin, Jutta Klaus, wollte sich vor Prozessbeginn weder zum Zustand ihrer Mandantin noch zum Tatgeschehen äußern.