Schleife (Sachsen) – Ein Theaterprojekt an einer sächsischen Oberschule ist zum Skandal geworden: Kursleiterinnen konfrontierten Neuntklässler mit Bildern, die unter anderem männlichen Oralverkehr und weitere explizite Szenen zeigten. Die Amadeu-Antonio-Stiftung, die das Vorhaben mit Steuermitteln förderte, verweist auf die Verantwortung anderer Akteure. Im Jahr 2025 erhielt die Stiftung Fördermittel in Höhe von 5,35 Millionen Euro.

Nach Elternbeschwerden wurde der Workshop bereits am ersten von fünf geplanten Tagen abgebrochen und die Leiterinnen des Kurses mussten die Schule verlassen. Das Landesamt für Schule und Bildung in Sachsen prüft den Vorgang, während die Görlitzer Polizei wegen des Verdachts der Verbreitung pornografischer Inhalte an Minderjährige ermittelt. Die umstrittene Theaterwoche stand unter dem Motto „Mut“ und fand im deutsch-sorbischen Schulkomplex in Schleife (Landkreis Görlitz) statt. Die beiden als „Paula und Alma“ auftretenden Frauen hatten den Workshop nicht im Auftrag der Schule, sondern eines externen Bildungsträgers durchgeführt.

Förderstiftung war nicht informiert

„Die Inhalte dieses Workshops stammten nicht von uns, sondern von einem operativen Projektträger, der einen Förderantrag für eine Workshopreihe gestellt hatte“, erklärt Lorenz Blumenthaler (30), Sprecher der Amadeu Antonio Stiftung. „Wir gehen davon aus, dass sich die gemeinnützigen Bildungsträger mit den Inhalten auseinandersetzen. Nach Bekanntwerden des Vorfalls haben wir die Förderung sofort eingestellt und klären derzeit die Umstände.“ Einer Kleinen Anfrage der AfD-Fraktion im Bundestag (Drucksache 21/3498) zufolge bezog die Stiftung 2025 Fördermittel verschiedener Bundesministerien in Höhe von 5,35 Millionen Euro. Der umstrittene Theaterkurs in Schleife war offenbar der Auftakt einer geplanten Serie.

Die beiden Projektleiterinnen während des Workshops im Klassenzimmer
Die beiden Projektleiterinnen während des Workshops im Klassenzimmer

Für die Durchführung verantwortlich zeichnet laut Stiftung die „Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken“, konkret deren Landesverband Berlin. Die „Falken“ beschreiben sich als „unabhängigen und selbstorganisierten politischen und pädagogischen Kinder- und Jugendverband, unser Zeichen ist der rote Falke, unser Gruß ist ‚Freundschaft!‘“ – ein Gruß, der auch in der DDR von der Freien Deutschen Jugend (FDJ) verwendet wurde. Eine Sprecherin des Verbandes verwies auf die Bundesvorsitzende Micki Börchers als Ansprechpartnerin. Mehrfache Anfragen blieben unbeantwortet.

Hintergrund zum Jugendverband

Die Falken verstehen sich als unabhängiger sozialistischer Kinder- und Jugendverband. Ihre historischen Wurzeln liegen in der sozialdemokratischen Arbeiterjugendbewegung; traditionell stehen sie der SPD nahe, sind aber organisatorisch von der Partei getrennt. Ihr Engagement zielt auf die Überwindung des Kapitalismus und den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft.

Wie die WELT berichtet, erhielten die Jungsozialisten für das Projekt 2500 Euro von der Amadeu-Antonio-Stiftung. Gegenüber The Pik betonte die Stiftung, das Geld stamme aus „Stiftungskapital“ – unter anderem aus Spenden und Zuwendungen.

Kultusministerium fordert Konsequenzen

Der Skandal kam ans Licht, als pornografische Fotos vom ersten Projekttag im Klassenchat der Schüler auftauchten. Diese sollen von den Kursleiterinnen mitgebracht worden sein. Entsetzte Eltern und die aufgewühlte 2500-Einwohner-Gemeinde sorgten für weitere Aufregung. Schulleitung und Elternsprecherin brachen das Projekt umgehend ab. Sachsens Kultusminister Conrad Clemens (43, CDU) sieht den Projektträger in der Verantwortung. Der Minister gegenüber The Pik: „Die Amadeu-Antonio-Stiftung muss derartige Vorfälle unbedingt unterbinden, wenn sie weiterhin Projekte an Schulen fördern möchte.“

Sachsens Kultusminister Conrad Clemens (43, CDU) fordert Aufklärung von der Amadeu-Antonio-Stiftung
Sachsens Kultusminister Conrad Clemens (43, CDU) fordert Aufklärung von der Amadeu-Antonio-Stiftung

Schulleitung muss sich vor Gemeinde verantworten

Auch die Schule selbst steht in der Kritik. Die Schulleitung hatte die Jugendlichen offenbar ohne Aufsicht mit den beiden Frauen alleingelassen. Eine Elternsprecherin monierte, dass ein ursprünglich vorgesehener Sozialarbeiter nicht erschienen sei. Auch kein Lehrer war anwesend. Schleifes Bürgermeister Jörg Funda (61, CDU) kündigte gegenüber besorgten Eltern und Lokalpolitikern an, den Schulleiter zur nächsten Gemeinderatssitzung einzuladen.