Washington/Berlin – Steht eine US-Invasion im Iran bevor? Mehr als fünf Monate nach Kriegsbeginn mehren sich die Befürchtungen einer neuen Eskalation im Nahen Osten. Pakistanischen Geheimdienstquellen zufolge halten die dortigen Sicherheitsbehörden eine begrenzte Bodenoffensive der Vereinigten Staaten für zunehmend wahrscheinlich. Offenbar gehen sie davon aus, dass US-Präsident Donald Trump die Warnungen seiner eigenen Militärführung in den Wind schlagen und den Befehl für einen Vorstoß in iranische Küstenregionen erteilen könnte.

Diese Einschätzung basiere laut Sicherheitskreisen in Islamabad auf aktuellen militärischen Beobachtungen. Pakistan fungiert in diesem Konflikt als wichtigster Vermittler zwischen Washington und Teheran. Anfang Juli flammte der Krieg nach einer gescheiterten Waffenruhe erneut auf: Irans Streitkräfte beschossen Schiffe in der strategisch bedeutsamen Straße von Hormus, worauf die USA mit schweren Luftangriffen auf Ziele an der iranischen Südküste reagierten.

In Sicherheitskreisen in Islamabad heißt es: Trump könnte die Warnungen seiner eigenen Militärführung ignorieren und versuchen, Teile der iranischen Küstenregion einzunehmen

Zuletzt herrschte eine trügerische Ruhe – beide Seiten stellten ihre Angriffe vorübergehend ein. Trump gab an, die jüngsten Angriffe im Iran vorerst gestoppt zu haben, um laufenden Verhandlungen eine weitere Chance zu geben. „Wir führen sehr intensive Gespräche mit dem Iran“, sagte Trump laut Axios. Gleichzeitig drohte er mit neuen Attacken, falls die Gespräche ergebnislos bleiben sollten.

Die iranischen Revolutionsgarden reagierten ihrerseits mit einer Warnung. Das Militär sei auf einen Angriff vorbereitet, behauptete Armeesprecher Amir Akraminia. Militärexperten halten einen Einmarsch von US-Soldaten jedoch unabhängig davon für äußerst riskant. Denn: US-Soldaten müssten mit massiven Raketen- und Drohnenangriffen rechnen – ohne den Schutz der amerikanischen Stützpunkte in den Golfstaaten.

US-Institut: Iran ist „natürliche Festung“

Zudem bezeichnen Experten den Iran als „natürliche Festung“. Denn: Berge und heiße Wüsten machen einen Vormarsch von Truppen (etwa auf Teheran) extrem schwierig. „Das unwirtliche Gelände sollte Kriegsplaner dazu bewegen, eine Invasion zweimal zu überdenken“, heißt es in der Analyse des „U.S. Naval Institute“.

Der Iran – eine Festung aus Fels und Sand (KI-generiert)

Vor allem die massiven Gebirge (darunter der Damawand mit rund 5.610 Metern Höhe), die den Iran im Westen, Norden und Süden abschirmen, schützen das Regime. Im Osten schirmt die riesige Wüste Dascht-e Lut, der heißeste Ort der Erde, die Hauptstadt ab. Bodentruppen seien laut des US-Instituts „chancenlos“, und der Verschleiß an Fahrzeugen (darunter Panzer) würde das Erreichen der Zielorte „fast unmöglich“ machen.

Trump fehlt Unterstützung für Krieg

Auch die Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der Gefahr: Nach Angaben der Denkfabrik IISS verfügt das Mullah-Regime über rund 610.000 aktive Soldaten und paramilitärische Kräfte sowie 350.000 Reservisten. Ein Einsatz am Boden könnte für die USA zu einem militärischen Kraftakt werden – mit ungewissem Ausgang. Und Trump hätte ein weiteres Problem: Er müsste einen Einsatz von US-Soldaten am Boden der eigenen Bevölkerung erklären.

Und die Bevölkerung steht einer aktuellen Umfrage zufolge kaum noch hinter Trumps Linie im Iran-Krieg. Nur ein Drittel der US-Bürger befürwortet den Militäreinsatz, wie aus einer Ipsos-Befragung für die Nachrichtenagentur Reuters hervorgeht. Zudem sind 69 Prozent der Befragten der Ansicht, dass Trump die Ziele der Intervention nicht klar dargelegt habe.