Berlin – Die Entlassung von Verkehrsminister Patrick Schnieder (58) entwickelt sich für Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) zu einem Desaster. Wie bekannt wurde, teilte Merz seinem Minister die Kündigung während dessen Sommerurlaubs mit – verschwieg ihm jedoch anschließend den Rückzieher seines designierten Nachfolgers. Die Folge: Obwohl bereits Abschieds-SMS verschickt wurden, soll Schnieder nun am Montag wieder im Ministerium erscheinen. Mit dieser Personalpanne verärgert der Kanzler einen einflussreichen Verbündeten.
Am Donnerstagnachmittag: Schnieder befindet sich mit seiner Frau im Islandurlaub, als das Telefon klingelt. Am Apparat: der Kanzler. Die Botschaft: Sie sind entlassen! Am frühen Freitagmorgen informiert Schnieder in Absprache mit dem Kanzleramt die Arbeitsgruppe Verkehr per SMS über seine Entlassung: „Der Bundeskanzler hat mir (…) mitgeteilt, dass er mich als Verkehrsminister entlassen wird. Heute Morgen wird er dies unter anderem in einer Pressekonferenz öffentlich machen.“ Was Schnieder, der am Freitag nach Berlin zurückkehrt, nicht weiß: Der Kanzler hat keinen Nachfolger mehr für ihn.
Schnieder soll nun im Amt bleiben
Die Konsequenz: Merz machte die Personalie in der besagten Pressekonferenz nicht öffentlich, sprach lediglich von „weiteren Veränderungen“ in der Regierung. Denn Schnieders designierter Nachfolger Fritz Güntzler (60, CDU) hatte dem Kanzler am Donnerstag zunächst zugesagt, am Freitagmorgen um 4 Uhr dann aber wieder abgesagt. Im Kanzleramt hielt man es offenbar nicht für erforderlich, Schnieder darüber zu informieren.
Das hat unmittelbare Auswirkungen für Schnieder: Er bleibt im Amt. Und so verschickte der eigentlich schon entlassene Verkehrsminister am Freitag Pressemitteilungen zu Verkehrsthemen. Am Montag wird er im Ministerium erwartet, wo er Amtstermine wahrnehmen soll. Kurios: Schnieder könnte auch an der Kabinettssitzung am Mittwoch teilnehmen – und dort auf Merz treffen.
Schnieders Bruder teilt Wut auf Merz
Nicht nur Patrick Schnieder wurde von Merz‘ Personalchaos überrascht. Auch seinen Bruder Gordon, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, erreichte die Nachricht im Sommerurlaub. Von den Pannen rund um die Nachfolge erfuhr er aus den Medien – und war offenbar sehr verärgert: Auf X teilte Gordon Schnieder einen Beitrag von CDU-Grande Peter Altmaier (68), der den Umgang von Merz mit Patrick Schnieder als „betroffen und wütend“ beschrieb.
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In der rheinland-pfälzischen CDU sorgt die Demontage von Patrick Schnieder nach Informationen für Bestürzung und Fassungslosigkeit. „Gerade an der Basis gibt es kein Verständnis dafür“, sagt CDU-Landesvorstandsmitglied Christopher Hauß (30). Hinter den Kulissen wird von einigen bereits eine Entschädigung gefordert: Johannes Steiniger (39) könnte auf Carsten Linnemann (48) als CDU-Generalsekretär folgen. Allerdings: Dort gibt es mit Franziska Hoppermann (44, CDU) bereits eine Favoritin. Schon wieder hat Merz ein Problem – diesmal als CDU-Vorsitzender.
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