Neue Turbulenzen um FIFA-Präsident Gianni Infantino (56): Wie der „Telegraph“ berichtet, soll die Europäische Fußball-Union (Uefa) einer engen Vertrauten Infantinos aus dessen Zeit als Generalsekretär beim Ausscheiden Ende 2011 eine Summe im sechsstelligen Bereich ausgezahlt und zudem ein MBA-Studium an einer Business School finanziert haben.

Die Uefa bestätigte auf Anfrage die entsprechenden Geldleistungen. Die betroffene Frau hatte während ihrer Zusammenarbeit mit Infantino zuvor einen bemerkenswerten Aufstieg hingelegt – ihr Gehalt stieg demnach um rund 30 Prozent auf etwa 160.000 Schweizer Franken. Dies wirft nun Fragen nach dem Verhältnis zwischen Infantino und seiner damaligen Mitarbeiterin auf.

Unruhe in der Uefa-Zentrale

Die nun bekannt gewordenen Zahlungen sorgen Insidern zufolge für erhebliche Unruhe in der Uefa-Zentrale im schweizerischen Nyon. In den Fokus rückt dabei auch Uefa-Präsident Aleksander Čeferin (58), der seit September 2016 an der Spitze des Verbands steht – die Frage lautet: Was wusste der Slowene über die Vorgänge, und seit wann?

Wie weiter zu erfahren war, will die Uefa nun ein internes Ermittlungsverfahren zu den Vorgängen aus der Zeit vor Čeferins Amtsübernahme einleiten. Geklärt werden soll unter anderem, wie die Zahlungen zustande kamen, wer sie genehmigte und auf welcher rechtlichen Grundlage das MBA-Studium finanziert wurde. Zudem soll untersucht werden, ob die besondere Nähe zwischen Infantino und der Mitarbeiterin bei Personal- oder Finanzentscheidungen eine Rolle gespielt haben könnte.

Rascher Aufstieg der Mitarbeiterin

Infantino war im Jahr 2000 als Jurist zur Uefa gekommen und hatte sich bis zum Generalsekretär hochgearbeitet – eine Position, die ihn zu einem der einflussreichsten Funktionäre des europäischen Fußballs machte. Die Frau war zunächst administrativ tätig, bevor sie in eine deutlich besser dotierte Führungsposition wechselte. Infantino soll ihre Beförderung unterstützt haben.

Schon damals soll der schnelle Aufstieg innerhalb der Uefa Fragen aufgeworfen haben. Infantino selbst betont, sich keines Fehlverhaltens schuldig gemacht zu haben. In einer Stellungnahme der FIFA heißt es: „Jede Andeutung unangemessenen Verhaltens oder eines Verstoßes gegen Statuten oder Vorschriften ist verleumderisch.“ Kein Mitarbeiter der Uefa oder der FIFA habe jemals eine Beschwerde über das Verhalten von Herrn Infantino erhoben. „Sämtliche Maßnahmen der Organisation im Zusammenhang mit Mitarbeitern, einschließlich Ausscheiden und Abfindungsregelungen, wurden stets von den zuständigen Führungskräften im Einklang mit allen geltenden Vorschriften genehmigt.“

Allerdings soll der damalige Uefa-Präsident Michel Platini (71), Čeferins Vorgänger, Infantino zur Rede gestellt haben. Brisant sind zudem Schilderungen über die damalige Wahrnehmung des Verhältnisses zwischen den beiden innerhalb der Uefa. Ein gut informierter Funktionär sagte dem „Telegraph“, die Angelegenheit habe Infantino damals beinahe seine Karriere gekostet – Mitarbeiter hätten Platini aufgefordert, seinen Generalsekretär zu entlassen. Ein weiterer Insider schilderte die angebliche Konfrontation so: Platini habe Infantino vor die Wahl gestellt – „sie oder du“. Infantino soll daraufhin erklärt haben: „Sie wird gehen.“ Kurz darauf schied die Mitarbeiterin aus.

Infantino und der ehemalige Uefa-Präsident Michel Platini im Mai 2015

Was den konkreten Anlass für Platinis Intervention gab und was ihm damals über die Beziehung der beiden bekannt war, bleibt unklar. Fest steht jedoch: Die Uefa zahlte der Frau bei ihrem Ausscheiden Geld und übernahm zudem die Kosten für ein MBA-Studium.

Uefa: „Wir sind uns der Vorwürfe bewusst“

Ein Uefa-Sprecher erklärte: „Wir sind uns der Vorwürfe bewusst und können bestätigen, dass der betreffenden Person bei ihrem Ausscheiden eine Zahlung geleistet wurde, verbunden mit der Übernahme der Gebühren für einen MBA-Kurs an einer örtlichen Business School. Die Zahlung entsprach den damals geltenden Regelungen für ausscheidende Mitarbeiter.“ Zudem betonte die Uefa, die Personalregeln seien seit 2016 verschärft worden; die heutigen Vorschriften entsprächen denen einer „modernen, öffentlich exponierten Organisation“. Die Kosten der Business School beliefen sich auf rund 45.000 Pfund pro Jahr – die genaue Gesamthöhe der Leistungen an die Frau ist bislang unbekannt. Infantino verließ die Uefa im Februar 2016 und wurde kurz darauf zum FIFA-Präsidenten gewählt.

Ein Jahrzehnt später sorgen die Vorgänge aus seiner Zeit beim europäischen Verband erneut für Schlagzeilen – und in der Uefa-Zentrale in Nyon soll nun aufgeklärt werden, was damals tatsächlich geschah.