Sewastopol – Eine Bombe im Abfalleimer. Eine mutmaßliche Täterin mit bewegter Vergangenheit. Und ein getöteter Marineoffizier, den Kiew als Überläufer auf der Fahndungsliste hatte: Der Fall um eine angebliche Begleitdame auf der von Russland annektierten Krim hat alle Zutaten eines Spionage-Thrillers.

In der Metropole Sewastopol ist Anfang August ein ranghoher russischer Militärangehöriger durch einen ferngezündeten Sprengsatz getötet worden. Wie russische Ermittler mitteilten, war der Sprengkörper in der Nähe einer Parkbank deponiert worden. Beim Vorbeigehen des Offiziers detonierte die Bombe mit enormer Wucht. Am Tatort konnte wenig später eine Verdächtige festgenommen werden.

Der Tatort in Sewastopol auf der russisch besetzten Halbinsel Krim
Quelle: Aus dem Internet

Getöteter stand auf Kiews Fahndungsliste

Bei dem Todesopfer handelt es sich nach übereinstimmenden Medienberichten um den 49-jährigen Robert Schagejew. Der Offizier kommandierte einst das ukrainische U-Boot „Saporischschja“. Nach der russischen Annexion der Krim 2014 soll er zur feindlichen Schwarzmeerflotte übergelaufen sein. Die „Kyiw Post“ berichtet, dass Schagejew in der Ukraine wegen Hochverrats und Fahnenflucht gesucht wurde. Später soll er als stellvertretender Kommandeur einer russischen U-Boot-Brigade gedient haben und Teil einer Einheit gewesen sein, die Marschflugkörper gegen Ziele in der Ukraine abfeuerte. Eine offizielle Bestätigung seiner Identität steht bislang aus.

Das mutmaßliche Opfer: Robert Schagejew (49) war von der Ukraine zu den Russen übergelaufen
Quelle: Aus dem Internet

Beschuldigte mit Inseraten auf Escort-Plattformen

Gegen die 31-jährige Margarita Reutt aus Sotschi wurde Anklage wegen Mordverdachts und Terrorismus erhoben. Wie der britische „Telegraph“ unter Berufung auf den russischen Telegram-Kanal „Mash“ meldet, reiste die Frau häufig auf die Krim. Demnach soll Reutt auf Escort-Portalen inseriert haben und zudem als Biologin in einem Labor tätig gewesen sein, das Vaginalzäpfchen produzierte.


Die Russin soll ihre Dienste über Escort-Portale angeboten haben
Quelle: Aus dem Internet

Laut „Telegraph“ war sie bereits im Juli 2025 mit dem Gesetz in Konflikt geraten, als sie während einer Zugfahrt angeblich ausrief: „Geschieht euch recht, Russen!“ – nur wenige Zeit, nachdem ein ukrainischer Drohnenangriff auf einen Bahnhof publik geworden war. Die Folge: zwei Tage Arrest und ein Bußgeld. Doch Reutt zeigte keine Einsicht: Im Februar 2026 habe sie in den sozialen Medien gepostet, dass sie sich schäme, Russin zu sein. Ob und wann sie tatsächlich zur ukrainischen Geheimagentin wurde, bleibt unklar.


Keine Reue bei Vernehmung

Im Verhör soll Margarita Reutt gefragt worden sein, ob sie den Tod des Offiziers bereue. Ihre Antwort laut „Mash“: Nein! Der Kanal behauptet zudem, sie habe für den Anschlag eine Bezahlung in Kryptowährung erhalten und die Flucht ins Ausland geplant. Im Falle einer Verurteilung drohen der mutmaßlichen Escort-Dame bis zu 30 Jahre Haft.