Berlin – Das Verteidigungsministerium prüft den Erwerb preiswerter Marschflugkörper aus Israel und der Ukraine. Auslöser ist die Anordnung von US-Präsident Donald Trump (80), die Stationierung von Tomahawk-Marschflugkörpern in Deutschland zu stoppen. Er reagierte damit auf die Kritik von Kanzler Friedrich Merz (70, CDU) am US-Militäreinsatz gegen den Iran. Der Wegfall dieser Waffen bedeutet für Berlin den Verlust einer wesentlichen Sicherheitsgarantie.

Vier Gleise für neue Raketen

Reporter hatten Zugang zu internen Planungsunterlagen des Pistorius-Ministeriums. Diese zeigen, dass das Verteidigungsministerium parallel vier Optionen verfolgt:

  1. 1. die Anschaffung des US-Systems „Typhon“ (Reichweite bis 2000 km, ab 2029 einsatzbereit)

  2. 2. kostengünstige Marschflugkörper aus Israel oder der Ukraine (ab 2027)

  3. 3. ein gemeinsames Projekt mit Großbritannien für einen leistungsstarken Marschflugkörper (ab 2032)

  4. 4. ein Hyperschallsystem, ebenfalls mit britischer Beteiligung (ab 2035)

Das Beschaffungsamt des Ministeriums hat bereits eine Anfrage an die israelisch-amerikanische Firma Covenant gerichtet. Das 2024 gegründete Unternehmen plant Produktionsstätten in Deutschland und Großbritannien. Sein Raketensystem „Anthem“ soll noch im Juni in Israel getestet werden; deutsche Ministeriumsbeamte wurden zur Beobachtung des Tests eingeladen.

Ukrainische Waffen für die Bundeswehr?

Der zweite Kandidat ist die ukrainische Firma Fire Point mit ihrem Marschflugkörper „Flamingo“ (Typ FP-5): Mit einer Reichweite von 3000 Kilometern und einem Sprengkopf von einer Tonne wird die Rakete bereits gegen Ziele in Russland eingesetzt. Die Stückkosten liegen bei rund 500.000 Dollar, etwa ein Fünftel eines Tomahawk.

Der deutsche Rüstungskonzern Diehl Defence (Hersteller des IRIS-T-Abwehrsystems) verhandelt laut „Financial Times“ bereits über eine gemeinsame Fertigung des Flamingo in Deutschland. Ein zweites ukrainisches System taucht ebenfalls in den Unterlagen auf: BARS, eine Kombination aus Mittelstreckenrakete und Drohne. Allerdings gibt es Hindernisse: Die Planungsdokumente weisen auf Exportbeschränkungen für den Flamingo hin, die erst politisch und rechtlich geklärt werden müssen.

Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums bestätigte die Richtung: Der Ukraine-Krieg habe gezeigt, dass weitreichende Präzisionsschläge „unverzichtbar für eine glaubhafte Abschreckung“ seien. „Kostengünstige Systeme können feindliche Luftverteidigungen durch Massenangriffe überwinden und sind daher von hohem operativem Wert.“ Die Fähigkeit solle „so schnell wie möglich“ aufgebaut werden.