Haldensleben (Sachsen-Anhalt) – Ein rätselhafter Fall beschäftigt die Ermittler: Wie konnte ein Kleinkind spurlos aus einer Kindertagesstätte verschwinden und kurz darauf allein auf einer Straße gefunden werden? Ein zweijähriger Junge, der am Morgen in einer Kita abgegeben worden war, tauchte wenig später völlig allein auf einer Fahrbahn auf. Die polizeilichen Ermittlungen legen nun nahe: Der Junge ist nicht ausgebüxt – er wurde offenbar entführt!
Wer hinter der Tat steckt, ist bislang völlig unklar. Ebenso ungeklärt bleibt, wie es dem Täter gelungen sein soll, das blonde Kind im Außenbereich zu sich zu locken und über den 1,50 Meter hohen Zaun zu heben, ohne dabei beobachtet zu werden. Die Eltern sind zutiefst verunsichert, die Polizei steht vor einem großen Rätsel.
Acht Erzieherinnen bemerkten nichts
Der Vorfall ereignete sich am vergangenen Freitag in der Einrichtung „Max und Moritz“ in Haldensleben. Der Zweijährige wurde gegen 7.30 Uhr von seinem Vater gebracht. Wie die übrigen 44 Kinder spielte er an jenem Tag im Freien, während acht Erzieherinnen laut den zuständigen Behörden an ihren zugewiesenen Aufsichtsposten standen.

„Um 10.15 Uhr wurde das Kind zuletzt auf dem Spielplatz gesichtet“, teilt die Stadtverwaltung mit. Nur eine Viertelstunde später jedoch entdeckte eine Passantin den Jungen auf einer Kreuzung rund 100 Meter vom Kindergarten entfernt. Zunächst ging man von einem Ausreißer aus. Doch nach Angaben der Behörden sei es „unmöglich“, dass der Kleine eigenständig den Zaun überwunden habe! „Es gibt keinerlei Schäden oder Öffnungen. Sämtliche Türen waren abgeschlossen. Eine Beteiligung Dritter ist daher anzunehmen“, so die Stadt.
Seit dem Vorfall verweigert der Junge die Nahrung
Die Polizei hat Ermittlungen wegen des Entziehens Minderjähriger aufgenommen. Obwohl das Kind äußerlich unversehrt blieb, zeigt es seit dem Zwischenfall ein verändertes Verhalten. Mutter Dajana S. schildert unter einem Zeugenaufruf in den sozialen Medien: „Er ist anders, so kenne ich ihn nicht. Er ist nicht mehr so munter wie sonst und mag kaum etwas essen ...“
Mutter: „Seine Schuhe bleiben verschwunden“
Ein weiteres Detail gibt Rätsel auf: Als der Junge gefunden wurde, stand er in nassen Socken auf der Straße. Von den Schuhen, die er am Morgen des Vorfalls getragen hatte, fehlt bis heute jede Spur. „Sie sind nicht auffindbar“, zeigt sich die Mutter irritiert. Auch eine Durchsuchung des Geländes durch die Polizei erbrachte keinen Fund.
Für Dajana S. ist die Angst groß, dass ein Unbekannter es gezielt auf ihren Sohn abgesehen hatte: „Die Erzieher glauben, dass jemand ihn mitnehmen wollte. Ich habe große Bedenken, ihn wieder dorthin zu bringen.“

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