Berlin – In genau vier Wochen, am 6. September, entscheidet sich in Sachsen-Anhalt, wer künftig regiert. Die Umfragen sehen die AfD derzeit deutlich vorn. Welche Koalitionen und Mehrheiten möglich sind, welche Sprengkraft in dem Ergebnis steckt – vier Szenarien im Überblick.
Szenario 1: AfD stellt den Regierungschef
Die jüngsten Erhebungen bescheinigen der AfD 41 Prozent. Entscheidend ist, wie viele Parteien an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern: Je mehr Stimmen für erfolglose Listen entfallen, desto geringer ist die Zahl der Mandate, die für eine Mehrheit im Landtag nötig sind. In bestimmten Konstellationen könnten dafür bereits rund 43 Prozent ausreichen, da die Stimmen gescheiterter Parteien bei der Sitzverteilung unter den Tisch fallen. Damit wäre der Weg frei für Ulrich Siegmund (35) als Ministerpräsident.
Der Chemnitzer Politikwissenschaftler Benjamin Höhne (47) hält dieses Szenario für „durchaus real“. Zwar schneiden Amtsinhaber bei Wahlen traditionell besser ab als in Umfragen, doch dieser Effekt dürfte hier schwächer wirken: „Sven Schulze ist den Menschen weitgehend unbekannt“, so Höhne. Die Union liegt aktuell bei 24 Prozent.
Ein solcher Ausgang wäre ein politisches Erdbeben – erstmals würde ein AfD-Politiker ein Bundesland führen, dessen Landesverband der Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem einstuft.

Szenario 2: AfD wird stärkste Kraft, bleibt aber außen vor
Sollte die AfD zwar die meisten Stimmen holen, aber die absolute Mehrheit verfehlen, könnte die CDU mit SPD, Grünen und Linken eine Koalition bilden – vorausgesetzt, alle drei schaffen den Einzug in den Landtag. In diesem Fall würde Sven Schulze (47, CDU) Ministerpräsident bleiben.
Der Bonner Politikprofessor Volker Kronenberg (55) sieht darin allerdings eine heikle Gemengelage: „Die CDU könnte beinahe froh sein, wenn die AfD allein regieren könnte. Dann müsste sie sich nicht mit einem Viererbündnis verzetteln. Eine solche Regierung stünde vor der Frage, welches eigene Programm sie den Wählern überhaupt noch bietet.“
Szenario 3: BSW wird zum Königsmacher
Das BSW könnte die entscheidende Rolle spielen. Parteigründerin Sahra Wagenknecht (57) kündigt an, den CDU-Ministerpräsidenten abwählen und stattdessen einen „parteiunabhängigen Regierungschef“ installieren zu wollen, der „mit einem Expertenkabinett und wechselnden Mehrheiten“ regiere – „das schließt die AfD ausdrücklich mit ein“. Voraussetzung dafür ist der Einzug ins Parlament. Wagenknecht argumentiert: „Es widerspricht demokratischen Prinzipien, eine Partei, die rund 40 Prozent der Stimmen erhält, dauerhaft zu isolieren. Die Brandmauer ist gescheitert.“
Szenario 4: CDU-Abweichler öffnen die Tür zur AfD
Verpasst die AfD die Mehrheit nur knapp, könnte der CDU eine unliebsame Überraschung drohen: Einzelne Unionsabgeordnete könnten in dieser Lage eine Kooperation mit der AfD für unausweichlich halten. Höhne schätzt: „Gänzlich ausgeschlossen ist das nicht.“ Zwar haben Bundeskanzler Friedrich Merz (70) und Spitzenkandidat Schulze ein Bündnis mit der AfD kategorisch ausgeschlossen, doch im sachsen-anhaltischen CDU-Landesverband gibt es Stimmen, die eine Koalition mit der Linken als das größere Übel betrachten. Das Gerücht, im Zweifelsfall eine blau-schwarze Mehrheit zu tolerieren, hält sich hartnäckig.




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