Hamburg – Eine Welle der Besorgnis erfasste die Behörden, nachdem ein Vater aus Niedersachsen sechs Sozialarbeiter erschossen hatte. Als eine Verfahrensbeiständin im rund 40 Kilometer entfernten Hamburg von einer ähnlichen Drohung eines anderen Vaters erfuhr, schlug sie umgehend Alarm bei der Polizei. Auch Thomas H. (37) befindet sich im Clinch mit dem Jugendamt.

Für den 15. Juli war eine Anhörung vor dem Hamburger Zivilgericht angesetzt. Aufgrund der Bedrohungslage wurde der Termin in das stark gesicherte Strafjustizgebäude verlegt, und Polizisten wurden zum Schutz der Verhandlung abgestellt. Doch es kam anders als geplant.

„Am liebsten würde ich euch alle erschießen“

Zurück zum Anfang: Bereits am 10. Juni soll Thomas H. aus Garbsen in der Geschäftsstelle des Hamburger Familiengerichts angerufen und gedroht haben: „Am liebsten würde ich euch alle erschießen.“ Dieser Anruf blieb offenbar ohne rechtliche Konsequenzen, doch die von Thomas H. getrennt lebende Mutter des Jungen erfuhr davon.

Die Eingangstüren zum Jugendamt sind alle abgeschlossen. Rein kommt nur, wer einen Termin hat und sich vorher telefonisch angekündigt hat

Zweieinhalb Wochen später, am 29. Juni 2026, eskalierte die Situation: Fatih G. (45), der ebenfalls aus Garbsen stammt, tötete in einem Stader Mutter-Kind-Heim drei Jugendamtsmitarbeiter und drei Angestellte der Einrichtung. Die Bluttat versetzte Deutschland in Schockstarre und schärfte das Bewusstsein aller Behörden.

Sozialarbeiterin informierte Jugendamt

Daher reagierte die Hamburger Verfahrensbeiständin, die die Interessen des Fünfjährigen vertritt, besonders alarmiert, als die Mutter ihr von der Drohung des Kindsvaters berichtete. Sie warnte die rund 150 Mitarbeiter des Jugendamtes vor der Gefahr. Zwei Angestellte erstatteten daraufhin Anzeige bei der Polizei.

Im Jugendamt im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel wird der Sorgerechtsstreit von Thomas H. bearbeitet

Zu der unter Polizeischutz stehenden Verhandlung erschien Thomas H. nicht. Er hatte sich krankgemeldet. Das Landeskriminalamt in Hamburg hat das KoRis (Kompetenzzentrum für Risikobewertung) eingeschaltet, eine interdisziplinäre Einheit der Polizei, die auf die Früherkennung und das strukturierte Management gefährlicher Personen spezialisiert ist.

Polizei fährt an den Wohnadressen Streife

„Die Gewalttat in Stade verdeutlicht auf besonders tragische Weise, welchen Belastungen und Risiken Mitarbeitende in der Kinder- und Jugendhilfe in Einzelfällen ausgesetzt sein können“, erklärte Peter Albrecht, Pressesprecher der Schulbehörde.

Thomas H. verlässt seine Wohnung in Garbsen

Nach Informationen haben die Behörden umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen wegen der Bedrohung durch Thomas H. eingeleitet. Einsatzfahrzeuge patrouillieren verstärkt an den gefährdeten Wohnadressen.

Wer ist der Vater?

Gegen den IT-Fachmann Thomas H. wurde offenbar ein Waffen- und Munitionsverbot verhängt. Zudem soll er zweimal rechtskräftig wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz zu Geldstrafen verurteilt worden sein. Die Polizei habe auch wegen Drogendelikten ermittelt.

Nun steht er erneut im Fokus der Ermittlungen. Polizeisprecher Sebastian Born sagte zu dem Fall: „Wir ermitteln wegen des Verdachts der Bedrohung und haben auch mögliche Gefährdungssituationen im Blick. Dabei stehen wir ebenfalls im engen Austausch mit den Kollegen in Niedersachsen.“ The Pik konnte Thomas H. an seiner Wohnanschrift nicht antreffen. Nach Informationen hat er keinen Rechtsanwalt.