München – Eine Großrazzia erschüttert die Münchner Gastronomie: Die Polizei durchsuchte am Donnerstag das renommierte „Spatenhaus an der Oper“. Hintergrund ist ein massiver Betrugsverdacht gegen Dutzende Angestellte. Die Brüder Stephan (59) und Sebastian Kuffler (50), bekannt durch das Oktoberfest-Zelt „Kufflers Weinzelt“, sollen von ihren eigenen Mitarbeitern über Jahre hinweg systematisch bestohlen worden sein.

Am frühen Morgen rückten die Einsatzkräfte an. Die Geschäftsräume und Büros des Restaurants wurden durchkämmt, die Eingänge blieben für Gäste versperrt und wurden von Beamten bewacht. Ein Aushang informierte: „Aus technischen Gründen haben wir heute geschlossen.“

50 Beschäftigte im Visier der Ermittler

Die Wirtsleute selbst hatten die Behörden alarmiert. Der Verdacht: Über einen langen Zeitraum hinweg sollen sich mehrere Angestellte auf einfache, aber effektive Weise bereichert haben. Ihr Trick: Wenn Gäste bar bezahlten und keine Rechnung wünschten, verbuchten sie das Geld nicht, sondern steckten es ein. Zudem sollen Lebensmittel entwendet worden sein.

Polizeiautos parkten am Donnerstag vor dem „Spatenhaus an der Oper“ – die Geschäftsräume wurden durchsucht
Polizeiautos parkten am Donnerstag vor dem „Spatenhaus an der Oper“ – die Geschäftsräume wurden durchsucht

130 Beamte waren im Einsatz – in München und zeitgleich an mehreren Orten in Oberbayern. Ein Polizeisprecher erklärte, der Verdacht richte sich gegen insgesamt 50 Angestellte des Spatenhauses im Alter von 25 bis 69 Jahren. Ihre Wohnungen wurden durchsucht, Laptops und Handys beschlagnahmt. Erste Vernehmungen fanden ebenfalls statt.

Beim Prüfen der Buchhaltung fielen Wirt Stephan Kuffler und seinem Bruder Unregelmäßigkeiten auf
Beim Prüfen der Buchhaltung fielen Wirt Stephan Kuffler und seinem Bruder Unregelmäßigkeiten auf

Ertragssituation blieb trotz voller Häuser schlecht

Die Ermittlungen laufen bereits seit März 2025, nachdem Unstimmigkeiten in den Abrechnungen entdeckt wurden. Die Wirte hatten sich gewundert: „Auch nach überwundener Corona-Krise hatte sich die Ertragssituation des Restaurants (…) selbst bei vollem Haus nicht erholt.“ Alle ergriffenen Maßnahmen zur Besserung blieben erfolglos.

Stephan Kuffler, hier mit seiner Ehefrau Stephanie, führt auf dem Oktoberfest „Kufflers Weinzelt“
Stephan Kuffler, hier mit seiner Ehefrau Stephanie, führt auf dem Oktoberfest „Kufflers Weinzelt“

Die hohe Zahl der Verdächtigen lässt die Ermittler von Bandenkriminalität ausgehen. Die Taten sollen sich über mehrere Jahre erstreckt haben. Die Schadenssumme ist noch unklar, könnte aber aufgrund des langen Tatzeitraums im sechsstelligen Bereich liegen.

„Die lächeln Dir freundlich ins Gesicht und beklauen Dich“

Wirt Stephan Kuffler zeigte sich tief getroffen: „Die Leute sind teilweise 20 Jahre und länger bei uns. Die lächeln Dir freundlich ins Gesicht und beklauen Dich gleichzeitig von vorne bis hinten.“

Beispiel mit KI Generiert
Beispiel mit KI Generiert

Das Spatenhaus sucht nun zahlreiche neue Beschäftigte

In einer Stellungnahme hieß es: „Mein Bruder und ich sind zutiefst erschüttert. Menschen, denen wir selbst in privaten Belangen zur Seite standen, haben uns über viele Jahre hinweg auf das Perfideste belogen und bestohlen. Es bleiben gewaltige Enttäuschung und zerrüttetes Vertrauen.“

Das Spatenhaus wird nun wohl dutzende neue Mitarbeiter einstellen müssen. „Das einzige Gute: Wenigstens wurden nur wir beklaut und nicht unsere Gäste“, so Kuffler.