New York – Der Rücktritt von Jens Spahn als Fraktionschef der Union ist vollzogen, doch die Debatte um sein Leihmutter-Baby reißt nicht ab. Im Mittelpunkt stehen ethische Fragen, mögliche Ausbeutungsrisiken und gesetzliche Grauzonen. In Deutschland ist die Leihmutterschaft schließlich untersagt. Spahn und sein Ehemann ließen ihren Sohn daher von einer Frau in den USA austragen. Zwar gelten dort vergleichsweise hohe Standards, dennoch gibt es auch in dieser Branche wiederholt Skandale. The Pik sprach mit Sunshine Hanson, die bei drei Leihgeburten vier Kindern das Leben schenkte.
Hanson brachte zunächst Zwillinge für ein gleichgeschlechtliches Paar aus Australien zur Welt. Anschließend kamen ein Junge und ein Mädchen für eine Amerikanerin hinzu, die bei ihrer ersten Entbindung ihre Gebärmutter verloren hatte. Eine genetische Verbindung zu den Kindern besteht bei Hanson nicht. Heute leitet sie die Organisation „Surrogacy Is“, die sich für die Anliegen von Leihmüttern starkmacht.

Hanson schildert die Leihmutterschaft als einen Weg, der von Selbstbestimmung und emotionaler Erfüllung geprägt sei. „Wenn man die Eltern nach der Geburt mit ihrem Baby sieht, fühlt es sich nicht so an, als würde man etwas hergeben“, erläutert sie. „Es fühlt sich an, als hätte man seine Aufgabe erfüllt.“ Jedoch habe auch das Geld eine Rolle gespielt. „Mein Mann und ich wollten ein Haus kaufen – und die Vergütung machte das möglich“, berichtet die frühere Lehrerin, die selbst zwei Kinder großzieht.
Baby-Austragen kostet bis zu 200.000 Dollar
Die Beträge, die kinderlose Paare aufbringen müssen, sind beträchtlich: In den USA kostet eine Leihmutterschaft meist zwischen 180.000 und 200.000 Dollar. Umgerechnet entspricht das 156.000 bis 175.000 Euro. Die Frau selbst erhält je nach Erfahrungsgrad zwischen 70.000 und 120.000 Dollar (61.000 bis 105.000 Euro). Bewerberinnen durchlaufen medizinische und psychologische Prüfungen, müssen Drogen- und Führungszeugnis-Checks bestehen. Anschließend wählen sie über Agenturen die Wunscheltern aus. Die Verträge sind äußerst detailliert und umfassen 30 bis 80 Seiten.

Doch das vermeintliche Glück mit dem Wunschkind kann schnell zum Albtraum werden. Entscheidend sei laut Hanson, dass die Wunscheltern sämtliche Kosten im Vorfeld auf einem Treuhandkonto hinterlegen. Falls Eltern oder Agentur zahlungsunfähig würden, könnten die Frauen sonst auf ihrer Vergütung und hohen Arztrechnungen sitzen bleiben.
Und was ist mit den Emotionen?
Die 44-Jährige mahnt: „Leihmutterschaft ist nichts, was man im Alleingang organisieren sollte.“ Ohne spezialisierte Anwälte, Versicherungen und seriöse Vermittler könnten „Elternschaft, Bezahlung und medizinische Kosten schnell zum Risiko werden“, gibt Hanson zu bedenken.

Das Geschäftliche ist die eine Seite. Die andere sind die Gefühle. Fiel es Hanson nicht unendlich schwer, ein Kind, das sie monatelang unter dem Herzen getragen hatte, abzugeben? „Während der Schwangerschaft übernimmt man eine enorme Verantwortung. Man beschützt und umsorgt das Baby – aber man empfindet es nicht als das eigene Kind.“ Als Leihmutter entwickle sie keine Bindung zu dem Kind. Ihre emotionale Investition gelte vielmehr dem Glück der Eltern. „Man möchte erleben, wie sie am Ende endlich ihr Kind in den Armen halten.“




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