Traunstein (Bayern) – Kaum 60 Minuten nach seiner Entlassung aus der psychiatrischen Klinik greift der Kurierfahrer Alessandro B. (48) zu seinem Arbeitsmesser, attackiert die Autoreifen seiner Ex-Partnerin Anja W. (†50) und wartet vor ihrer Wohnung in Burgkirchen, bis sie mit den Hunden das Haus verlässt. Mit drei Messerstichen in Hals und Brust tötet der Italiener am 3. Dezember 2025 die Rewe-Angestellte, die sich nach einem vorangegangenen Übergriff von ihm getrennt hatte. „Ich bin doch dein Mann“, sollen Zeugen ihn dabei haben rufen hören.

Seit Donnerstag muss sich der Mann, der wegen Stalkings und Belästigung früherer Partnerinnen bereits mehrfach verurteilt wurde, wegen Mordes vor dem Landgericht Traunstein verantworten. „Ich wollte doch nur ein Gespräch mit ihr“, ließ er verlauten. „Sie hat mich angeschrien, ich solle sie in Ruhe lassen. In diesem Moment muss bei mir im Kopf etwas durchgebrannt sein.“

Eine Traueranzeige erinnert an die tote Anja

Der Nachbar Anton S. (29) wurde Zeuge des Geschehens vor seiner Haustür und hielt den Vorfall mit seinem Smartphone vom Balkon aus fest. „Ich habe sogar überlegt, mir einen Kochlöffel zu schnappen, um der Frau beizustehen. Als ich unten ankam, lag sie bereits in ihrer Blutlache“, berichtet er. Für Anja W. kam jede Hilfe zu spät. Auf dem Rückweg in sein Haus begegnete ihm ihre 15-jährige Tochter, die fragte: „Wo ist meine Mutter?“ Das Opfer hatte lediglich ihre beiden Hunde ausführen wollen.

Eine Woche vor der Tat verlor er die Kontrolle

Bereits sieben Tage zuvor hatte das Mädchen miterlebt, wie Alessandro B. sich gewaltsam Zutritt zur Wohnung verschaffte. Der Angeklagte schilderte den Vorfall vor Gericht aus seiner Perspektive: „Wir hatten uns drei Monate lang jedes Wochenende getroffen. Dann schrieb sie mir plötzlich, dass sie mich nicht mehr sehen möchte. Ich bin einfach hingefahren, weil ich vermutete, dass ihr Ex-Mann dort wäre.“

Mit Fußfesseln sitzt Alessandro B. im Gericht

Alessandro B. fährt mit seiner Schilderung fort: „Ich habe sie hineingedrängt und sie wohl am Hals gepackt, wodurch sie zu Boden ging.“ Als die Tochter die Polizei alarmieren wollte, schlug er ihr das Mobiltelefon aus der Hand. Nachdem er Anja W. gewürgt hatte, fügte er sich selbst mit einem Küchenmesser eine Schnittwunde am Unterarm zu.

Warum die Klinik ihn ziehen ließ

Kurze Zeit später nahm die Polizei ihn in seiner Wohnung fest, woraufhin er in der Psychiatrie des Inn-Salzach-Klinikums untergebracht wurde. Dort teilte ihm am 28. November eine Krankenschwester mit, dass Anja W. die Beziehung endgültig beenden wolle. Die Anklage geht davon aus, dass B. daraufhin „die Auslöschung ihrer Existenz“ beschloss. Staatsanwältin Lisa Grindinger formulierte es so: „Er stellte sein Besitzdenken über das Lebensrecht der Geschädigten.“ Nach nur einer Woche konnte Alessandro B. die psychiatrische Einrichtung wieder verlassen – die Ärzte stuften ihn als „nicht mehr suizidgefährdet“ ein. Heißt im Klartext: Für sich selbst stellte der Täter keine Gefahr mehr dar, für andere offenbar schon.

Vor Gericht zeigt sich der Angeklagte vor allem von Selbstmitleid geprägt: „Ich war wegen meiner gesamten Lage völlig verzweifelt. Ich habe sie immer geliebt, ich vermisse sie.“ Auch für seine früheren Gewalttaten in Italien machte er seine Ex-Partnerinnen verantwortlich: „Eine von ihnen habe ich beim Fremdgehen im Bett erwischt.“ Das Urteil von Richter Volker Ziegler wird für den 18. August erwartet.