Berlin – Am Samstag waren zum Christopher Street Day in Berlin 2.200 Polizisten im Einsatz. Teile des Parcours waren bereits ab Donnerstag gesperrt, am Samstag selbst gab es weitreichende Sicherheitsvorkehrungen. Dennoch gelang es dem IS-Sympathisanten Abdul Ballout (21), dem mutmaßlichen Täter, mit einem weißen Citroën-Transporter in den Tiergarten zu gelangen und dort zahlreiche Menschen zu überfahren. Eine Frau starb, 29 Menschen erlitten zum Teil schwere Verletzungen.

Wie konnte der radikale Muslim libanesischer Abstammung diese Absperrungen durchbrechen? „Diese Frage stellen wir uns ebenfalls“, erklärte Polizeisprecher Florian Nath gegenüber dem Nachrichtenportal „t-online“. Nach Angaben der Polizei waren über 200 mobile Poller, sogenannte Okta-Blöcke, aufgestellt worden. Zusätzlich gab es weitere überwachte Absperrungen.

Zur Absicherung wurden über 200 Poller aufgestellt – auch im Tiergarten. Allerdings nicht an jener Stelle, an der Abdul Ballout in die Anlage raste?

Absperrungen um 21.40 Uhr abgebaut

Wurden einige Maßnahmen von der Polizei womöglich zu früh zurückgenommen? Ein Reporter beobachtete am Samstag gegen 21.40 Uhr, wie die Absperrungen in der Berliner Stauffenbergstraße an der Ecke zur Tiergartenstraße zusammengeschoben wurden. Es machte den Eindruck, als bereite man sich bereits auf das Ende des Einsatzes vor. Die CSD-Party auf der Straße des 17. Juni sollte eigentlich um 23 Uhr enden.

Der weiße Transporter, mit dem der Islamist seine Amokfahrt durchführte

Hat Abdul Ballout für seinen Anschlag genau auf einen solchen Moment gewartet? Am Sonntagmorgen war zu erkennen, dass der Bereich, in dem der 21-Jährige in den Park einfuhr, lediglich mit einfachen Absperrgittern gesichert war. Diese stellen für einen Transporter kein Hindernis dar. Der Ort des Anschlags gehörte zwar nicht zum unmittelbaren Bereich der CSD-Veranstaltungen auf der nahegelegenen Straße des 17. Juni zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor. Allerdings strömten von dort zahlreiche Teilnehmer gerade gegen Ende der Veranstaltungen in den weniger stark gesicherten Tiergarten in Richtung Potsdamer Platz mit seinen zahlreichen S- und U-Bahn-Anschlüssen. Darauf könnte der Attentäter gesetzt haben.

Von der Lennéstraße aus fuhr der Terrorist in den Park

Bürgermeister Wegner: „CSD war sehr, sehr gut geschützt“

Im Park jagte er mit dem Fahrzeug Menschen nach. Als der Transporter schließlich gegen einen Baum prallte, sprang er aus dem Fahrzeug und griff weitere Menschen mit einer Stichwaffe, vermutlich einer Machete, an, wie Innenminister Alexander Dobrindt (56, CSU) am Sonntag mitteilte.

CSD Amokfahrt

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (53, CDU) äußerte sich am Sonntag zu den Sicherheitsmaßnahmen: „Ich bin der Überzeugung, dass der CSD sehr, sehr gut geschützt war. Ich war selbst einige Stunden beim CSD dabei und habe gesehen, wie hervorragend die Polizei und die vom CSD gestellten Sicherheitskräfte diese Veranstaltung begleitet haben. Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, so traurig das ist.“