Berlin/Bremen/Nordhausen – Diese Enthüllungen machen jeden Steuerzahler fassungslos. Die ZDF-Dokureihe „Am Puls mit Sarah Tacke“ zeigt in der Folge „System Bürgergeld: Leben ohne Leistung“ zahlreiche Betrugsfälle. Jobcenter-Mitarbeiter sprechen offen über die Missstände, und Bürgergeld-Schmarotzer verraten schamlos ihre Methoden.

Ein Empfänger von Bürgergeld prahlt damit, den Sozialstaat seit vier Jahrzehnten auszunutzen. Monatlich kassiert er 1750 Euro: „Nach der Ausbildung merkte ich: Auch ohne Arbeit gibt es ordentlich Geld. Das Amt verlangte nur alle drei Monate eine Meldung. Wenn ich dort wartete, waren das die bestbezahlten zwei Stunden meines Lebens.“ Seine Begründung für die Arbeitsverweigerung: „Leistungsdruck“ und „keine Lust mehr“.

Der Vollzugsdienst des Landkreises Nordhausen (Thüringen) klingelt bei verdächtigen Bürgergeld-Betrügern
Der Vollzugsdienst des Landkreises Nordhausen (Thüringen) klingelt bei verdächtigen Bürgergeld-Betrügern

„Kompliment und Dankeschön an den deutschen Staat“

Der Trick des Betrügers: Er ließ sich krankschreiben, obwohl er gesund war. „Es gibt 76 Wochen Krankengeld, das sind 80 Prozent des Nettolohns. Das habe ich gerne mitgenommen. Bald gehe ich in Rente. Ich war ein guter Schauspieler. In keinem anderen Land hätte das funktioniert. Kompliment und Dankeschön an den deutschen Staat.“

Im Kreis Nordhausen (Thüringen) müssen Bürgergeld-Empfänger unter 25 Jahren (bundesweit 141.000) gemeinnützige Arbeit leisten. Das Ergebnis: Keiner schafft es, jeden Morgen um 7 Uhr zu erscheinen. In den ersten Wochen kamen nur sechs von 30, der Rest musste vom Vollzugsdienst abgeholt werden. Die offizielle Quote der Totalverweigerer in Deutschland liegt bei einem Prozent. SPD-Landrat Jendricke (54) ist überzeugt, dass die Dunkelziffer deutlich höher ist.

Fred Göcken vom Jobcenter Bremen spricht von „Lebensalternative Bürgergeld“
Fred Göcken vom Jobcenter Bremen spricht von „Lebensalternative Bürgergeld“

Fred Göcken vom Jobcenter Bremen spricht von einer „Lebensalternative Bürgergeld“, großer Ungerechtigkeit und einem sich selbst erhaltenden System. Würde er alle vermitteln, statt sie in Dauerweiterbildung zu halten, hätte er keinen Job. „Niemand gibt das zu, aber das ist die Realität.“ Seiner Meinung nach ein schwerer Fehler: die hohen zweistelligen Millionenbudgets pro Jobcenter. „Geld auszugeben ist unsere Hauptaufgabe. So sehen das viele bei uns.“ Er fordert, Arbeit zu vermitteln statt Maßnahmen.

2025 wurde 224.100 erwerbsfähigen Bürgergeld-Empfängern Geld gekürzt. Das sind nur 0,9 Prozent. Echte Sanktionen seien kaum umsetzbar, verrät Göcken. „Früher bin ich zur Leistungsabteilung und habe gesagt: XY meldet sich nie, stellt die Leistung ein. Dann kommt er schon. Das dürfen wir nicht mehr. Wir machen uns mit unserem Recht selbst kaputt.“

In der ZDF-Dokureihe „Am Puls mit Sarah Tacke“ wird in der Folge „System Bürgergeld: Leben ohne Leistung“ reihenweise Bürgergeld-Missbrauch aufgedeckt
In der ZDF-Dokureihe „Am Puls mit Sarah Tacke“ wird in der Folge „System Bürgergeld: Leben ohne Leistung“ reihenweise Bürgergeld-Missbrauch aufgedeckt

„30 bis 40 Prozent machen keine wahren Angaben“

Göcken weiter: „2015 kamen sehr viele Menschen nach Deutschland. Jetzt fällt natürlich auf, dass das Geld ausbleibt, weil die Wirtschaft schwächelt.“ Seine Erfahrungen mit Betrügern: „30 bis 40 Prozent machen falsche Angaben. Die Leute wollen im System bleiben.“ Der Jobcenter-Mitarbeiter fordert: „Wir müssen Klartext reden und sagen: Bei uns wird gearbeitet!“

Mitarbeiter vom Jobcenter Berlin Tempelhof-Schöneberg mit ZDF-Journalistin Sarah Tacke (hinten) beim Interview mit einer Bürgergeld-Empfängerin
Mitarbeiter vom Jobcenter Berlin Tempelhof-Schöneberg mit ZDF-Journalistin Sarah Tacke (hinten) beim Interview mit einer Bürgergeld-Empfängerin

Im Jobcenter Berlin Tempelhof-Schöneberg sind rund 10.000 Kunden seit mindestens zehn Jahren im Bürgergeld. Einige kamen noch nie persönlich zu einem Termin. Mitarbeiterin Silke Pusakowski: „Wir haben so viele Kunden, dass man sich auf diejenigen konzentriert, die Hilfe auch wollen. Der andere, der nicht kommt, fällt dann schnell unter den Tisch.“

Ein weiteres Beispiel: Dortmund. Hier leben 40 Prozent der Menschen von Sozialleistungen. Ein Bulgare gibt zu: „Ich bin seit 16 Jahren in Deutschland. Bulgarien ist immer scheiße. Hier ist super. Deutschland zahlt immer: Kindergeld, alles!“

„Ich habe jeden Termin versäumt. Geld kam trotzdem.“

Ein anonymer Bürgergeld-Empfänger aus Hamburg, der monatlich 3500 Euro im Handwerk verdient, verrät: „Ich arbeite schwarz, hatte letztes Jahr unterm Strich 45.000 Euro, damit kann ich sehr gut leben. Miete und Heizung sind bezahlt, ich bin krankenversichert. Jeder schwarz verdiente Euro ist Taschengeld.“

Sarah Teske recherchiert vor dem Jobcenter in Bremen
Sarah Teske recherchiert vor dem Jobcenter in Bremen

Der Bürgergeld-Betrüger weiter: „Ich habe anderthalb Jahre lang jeden Termin kommentarlos versäumt, war für die nicht existent. Das Geld kam trotzdem. Dann bin ich zum Jobcenter und habe um einen Termin gebeten. Die Arbeitsvermittlerin fragte, warum ich hier sei? Ich sagte, ich wolle einen LKW-Führerschein machen.“ Daraufhin habe er einen Bildungsgutschein bekommen – für einen LKW-Führerschein. „Das hätte aber sechs Monate gedauert. Das wären sechs Monate Verdienstausfall gewesen“, erklärt er.

13,3 Milliarden Euro für Syrer, Afghanen und Ukrainer

Knapp die Hälfte der Bürgergeld-Empfänger hat keinen deutschen Pass. Allein 180.000 Bulgaren und Rumänen leben von Bürgergeld. 1,4 Milliarden Euro gab der Staat dafür 2025 aus. Dazu kommen 223 Millionen Euro Kindergeld. Viele Rumänen und Bulgaren werden von kriminellen Netzwerken angelockt – mit Arbeit, Wohnung und Sozialleistungen. Die meisten haben laut EU-Recht sofort Anspruch auf Bürgergeld. Untergebracht werden sie in heruntergekommenen Häusern zu Wuchermieten, die das Amt zahlt. Einen Teil des Bürgergeldes müssen die Empfänger an die Drahtzieher abgeben.

Auch jeder zweite Ukrainer, Syrer und Afghane lebt vom deutschen Staat. Die Kosten für diese drei größten Gruppen: 11,6 Milliarden Euro. Inklusive Kindergeld sind es sogar 13,3 Milliarden. Von den 2015 zugezogenen Flüchtlingen haben nur 32 Prozent der Frauen feste Jobs oder zumindest einen Minijob. Bei den Männern sind es 70 Prozent.