Magdeburg/Stendal – Der offene Brief von CDU-Bürgermeister Bernd Prange hat in der Landespolitik für Aufsehen gesorgt: Er überwies der AfD Sachsen-Anhalt 10.000 Euro und rief Konservative dazu auf, die Partei bei der Landtagswahl am 6. September zu unterstützen. Jetzt offenbart der Kommunalpolitiker: Bei seiner Entscheidung spielten auch eigene Interessen eine Rolle.

Wie das Magazin „Focus“ berichtet, sieht sich der 59-jährige Fuhrunternehmer seit Jahren mit den Anforderungen von Beruf und Ehrenamt konfrontiert. Prange bestätigte demnach, dass er sein Geschäft veräußern möchte, jedoch eine alternative Anstellung benötige. Aus CDU-Kreisen verlautete, er habe auf Rückhalt aus den eigenen Reihen gehofft.

Konkret soll ein CDU-Landtagsabgeordneter ihm nach Pranges Auffassung einen Gefallen geschuldet haben, mit dem er ihm eine Position in der Fraktion vermitteln sollte. Der genannte Politiker weist jedoch zurück, jemals eine entsprechende Zusage erteilt zu haben.

Die Affäre sorgt in der CDU für wachsende Verstimmung. Parteikollegen zufolge habe sich Prange über die in Sachsen-Anhalt aufgedeckte Vetternwirtschaft bei der AfD geärgert. Hintergrund ist, dass Verwandte von AfD-Funktionären in Abgeordnetenbüros beschäftigt waren. Besonders viel Aufmerksamkeit erregte der Fall von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35), dessen Vater laut Medienberichten als Mitarbeiter für Landtagsabgeordnete arbeitete.

Gut gelaunt: Ulrich Siegmund (35) profitiert vom Konflikt in der Sachsen-Anhalt-CDU
Quelle: Privat


Prange und Siegmund sind sich offenbar seit Längerem bekannt

In seinem Brandbrief hatte Prange bereits mitgeteilt, der AfD zwei Spenden von je 5000 Euro überwiesen zu haben. Er hoffe, dass konservative Wähler seinem Vorbild folgen, „damit die AfD in Sachsen-Anhalt die absolute Mehrheit erringt und die CDU zur Erkenntnis gelangt, dass sie ihren Kurs ändern muss“. Die CDU reagierte empört und kündigte ein Parteiausschlussverfahren an. Laut „Focus“ besteht zwischen Siegmund und Prange bereits seit einiger Zeit eine Verbindung. Aus Unionskreisen wird vermutet, dass der Brief nicht aus Pranges Feder stammt, da er „etwas schlicht“ formuliert sei.

Die AfD liegt in Sachsen-Anhalt derzeit deutlich vor der CDU. Die Landtagswahl findet am 6. September statt.