Oststeinbek (Schleswig-Holstein) – Ein wahrer Glücksfall für die beschauliche Gemeinde Oststeinbek (9052 Einwohner): Völlig unerwartet gingen rund 90 Millionen Euro auf ihrem Konto ein. Möglich machte dies ein Grundsatzurteil des Bundesfinanzhofs. Nun stellt sich die Frage, wie das Geld verwendet werden soll – und welche Wünsche die Bürger haben.
„Wir waren im Ungewissen und es traf uns völlig unvorbereitet“, gesteht der stellvertretende Bürgermeister Jürgen Schweizer (CDU). Er ergänzt: „Der Steuerberater des Windparkbetreibers informierte uns darüber, dass eine Gewerbesteuer-Nachzahlung in Höhe von 90 Millionen Euro an uns ausgeschüttet wird.“

Der Hintergrund: Bisher entrichteten Windparkbetreiber die Gewerbesteuer für ihre Anlagen an das jeweilige Bundesland, in dem die Windräder stehen – in diesem Fall Niedersachsen. Doch die Richter des Bundesfinanzhofs urteilten am 3. Dezember 2024 (Az. IV R 5/22): Diese Praxis ist unrechtmäßig. Entscheidend ist demnach der Firmensitz des Betreibers, nicht der Standort der Windkraftanlagen. Davon profitiert nun Oststeinbek. Denn ein Offshore-Windpark-Betreiber hatte dort über mehrere Jahre seinen Sitz, während der Park selbst vor der niedersächsischen Nordseeküste lag.

Geplante Verwendung der Millionen
Da Niedersachsen die Steuereinnahmen nach dem Urteil zurückerstatten musste, landete eine enorme Nachzahlung auf dem Konto der Gemeinde. „Wir werden verantwortungsvoll mit dem Geld umgehen und es gewinnbringend anlegen“, versichert Schweizer. Allerdings darf die Kommune nicht die gesamte Summe behalten. Ein erheblicher Teil fließt über Umlagen an den Kreis Stormarn und das Land Schleswig-Holstein. Unterm Strich verbleiben Oststeinbek dennoch rund 30 Millionen Euro. Diese sollen unter anderem in Rücklagen sowie in die Sanierung von Straßen und Radwegen investiert werden. Auch das geplante Feuerwehrhaus und der Bauhof lassen sich nun finanziell stemmen.
Bürgerwünsche für die Gemeinde


Vize-Bürgermeister Jürgen Schweizer sieht die Gemeinde ansonsten gut aufgestellt: „Wir haben erst kürzlich eine Grundschule errichtet und unsere Sportanlagen sind in einem guten Zustand. Für ein Freibad reicht das Geld jedoch nicht. Das wäre zu kostspielig.“





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