Egeln (Sachsen-Anhalt) – Ein gemeinsames Foto mit AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) hat mehrere Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Egeln in eine heikle Lage gebracht. Die Aufnahme entstand am 7. August nach einem Einsatz vor ihrem Löschfahrzeug. Der Bürgermeister kündigte daraufhin Maßnahmen an. Nun äußern sich zwei der betroffenen Feuerwehrleute.
Eine Woche nach dem Vorfall ist der Marktplatz von Egeln an diesem Freitagnachmittag nahezu menschenleer. Als der Reporter beim örtlichen Bäcker nach dem Weg zur Feuerwehr fragt, gesellt sich Anita Nitzschke dazu, stellt sich vor und erklärt: „Ich bin Sachgebietsleiterin für Öffentliche Ordnung und Sicherheit. Ich möchte Sie lediglich darauf hinweisen, dass Ihnen ein Gespräch mit den Mitgliedern unserer Ortsfeuerwehr nicht gestattet ist.“
„Wir werden jetzt an den Pranger gestellt. Wofür?“
Die Anweisung aus dem Rathaus stößt bei den Beteiligten auf Unverständnis. Zwei der Kameraden, die sich mit Siegmund auf dem Marktplatz fotografieren ließen, präsentieren dem Reporter ihre eigenen Aufnahmen. Die Aufregung um den kurzen Fototermin können sie nicht nachvollziehen: „Wir werden jetzt an den Pranger gestellt. Wofür? Der Einsatz war abgeschlossen und wir trugen keine vollständige Uniform, wie plötzlich behauptet wird. Die meisten von uns hatten bei der Hitze nur eine Einsatzhose und verschmutzte Shirts an.“
Sie fügen hinzu: „Warum sollten wir kein Erinnerungsfoto mit dem Spitzenkandidaten machen dürfen? Das hat doch keinerlei Auswirkung auf unsere Einsatzbereitschaft. Wir leisten seit vielen Jahren zuverlässig unseren Dienst, ohne jemals auf die Uhr zu schauen.“ Aufgrund der angedrohten Sanktionen möchten die beiden ihre Identität nicht preisgeben.
Vorwurf der Doppelmoral
Der zweite Feuerwehrmann zeigt sich verärgert: „Das ist doch reine Doppelmoral. Wir bekommen Ärger für ein Foto mit Siegmund. Ministerpräsident Sven Schulze hingegen besucht im Wahlkampf die Feuerwehr in Dessau-Roßlau und lässt sich für Aufnahmen mit der Drehleiter in die Höhe fahren. Das war ein offizieller CDU-Wahlkampftermin – und die Kameraden dort bekommen nicht nur keinen Ärger, sondern werden in der Lokalpresse sogar gelobt.“

Der Hintergrund
Die Aufnahmen entstanden auf dem Marktplatz von Egeln (3000 Einwohner), wo Siegmund mit einem Wahlkampfstand Halt gemacht hatte. Die Kameraden kamen unmittelbar vom Einsatz an einer brennenden Strohpresse.
Michael Stöhr (54, Unabhängige Wählergemeinschaft Egeln), Bürgermeister der Verbandsgemeinde, reagierte mit Empörung. Die Bilder hätten ihn „fassungslos gemacht“, schrieb er auf Facebook. In Uniform oder mit Einsatzfahrzeugen müssten sich Feuerwehrleute politisch neutral verhalten. „Ein solches Verhalten von Mitgliedern unserer Freiwilligen Feuerwehr im Einsatz kann nicht hingenommen werden.“ Er kündigte an, den Vorfall zu prüfen und „entsprechende Konsequenzen“ zu ziehen.

Bürgermeister nicht erreichbar
Rückfragen an den Bürgermeister waren nicht möglich. Sachgebietsleiterin Nitzschke: „Den können Sie ab nächster Woche erreichen, der ist im Urlaub.“
Ortswehrleiter Michael Rommel stellte sich derweil hinter seine Kameraden. Der „Volksstimme“ sagte er: „Das war keine böse Absicht. Die Freiwillige Feuerwehr Egeln ist nicht parteiisch. Wir helfen jedem Menschen.“ Eigentlich hätten sich die Einsatzkräfte nur ein Eis holen wollen, als Siegmund auf sie zukam. „Ich werde die Verantwortung übernehmen und die Konsequenzen tragen, weil ich meine Kameraden schützen will.“









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